In Gedanken oft in Nabburg

Krankenhaus Nabburg - das Namensschild am weißen Kittel ist nach vielen Wäschen verblasst. Schwester Gerburgis trägt ihn noch immer, wenn sie in Mallersdorf ihre Mitschwestern medizinisch betreut, so wie sie in Nabburg 56 Jahre Patienten umsorgte.

Nabburg/Mallersdorf. (cv) Als sich abzeichnete, dass Asklepios das Nabburger Krankenhaus schließt, nahmen auch drei Schwestern, die hier den Großteil ihres Lebens verbracht hatten, schweren Herzens Abschied: Schwester Gerburgis, Schwester Jolendis und Schwester Achatia. Die Oberin holte sie ins Mutterhaus zurück. Zuletzt hatten die Schwestern noch ehrenamtlich gearbeitet, sozusagen gegen Kost und Logis. Im Sommer 2012 mussten die Nabburger den Ordensfrauen Adieu sagen. "Nabburg, das war unsere Heimat", erzählt Schwester Gerburgis.

Zwei Jahre sind seit dem Umzug vergangen. Schwungvoll wie eh und je kommt Schwester Gerburgis - jetzt 79 Jahre alt - an die Mallersdorfer Klosterpforte. "Das rechte Auge bereitet mir etwas Probleme, ansonsten kann ich zufrieden sein", meint sie. In der imposanten Klosteranlage teilt Schwester Gerburgis den Alltag mit 160 Mitschwestern. Eine private Realschule und eine Fachakademie für Sozialpädagogik sorgen für Leben in den Mauern. Es gibt ein großes Seniorenheim für Ordensleute, eine weitläufige Gutsanlage mit Landwirtschaft. Sogar Bier wird gebraut.

Im Kloster hat Schwester Gerburgis ein helles Zimmer mit Blick in die Natur bezogen. Neben dem gemütlichen Lesesessel fällt sofort ein Aquarell ins Auge - das Abschiedsgeschenk aus Nabburg, das die drei Schwestern vor der Stadtkulisse zeigt. Gerne blickt Schwester Gerburgis in diese Richtung, wenn sie abends liest oder kleine Schmetterlinge für den Tischschmuck häkelt. Ansonsten macht sie das, was sie ihr Leben lang in Nabburg tat: Kranke betreuen. Sie umsorgt ihre Mitschwestern, misst Blutdruck, gibt Insulinspritzen und ist in Magnet-Therapie - hilfreich bei Rücken- oder Kniebeschwerden - fit. "Doch es ist eben alles etwas leichter geworden", vergleicht sie ihre Tätigkeit mit der früheren Belastung im Krankenhaus.

Der Glaube und die Krankenpflege sind der Lebensinhalt von Maria Gerburgis Ottenthaler, als sie in jungen Jahren in den Orden der Mallersdorfer Schwestern eintrat. Hier ließ sie sich in der Krankenpflege ausbilden. Vom Chiemgau kam sie in die raue Oberpfalz. Mit Dr. Engelbert Bicherl stand sie im OP, dann lag über Jahrzehnte die Stationsleitung der Inneren Abteilung in ihren Händen. Sie war eine verlässliche Größe für viele Chefärzte: Dr. Eduard Gilliar, Dr. Peter Hübner, Dr. Michael Liebrich, Dr. Rainer Riedemann. "Er schreibt mir heute noch", freut sich Schwester Gerburgis. Sie arbeitete im früheren Nabburger Kreiskrankenhaus, als es 165 Betten, eine Frauen- und Männerstation, Gynäkologie und Kinderstation hatte. Sie war auch hier, als nur noch 46 Betten belegt waren und das Schlaflabor betrieben wurde.

Der Alltag, die Pflege der Patienten, ist auf die Knochen gegangen. "Früher gabs auch keine Rollen an den Betten, da musste viel gehoben werden". Im medizinischen Alltag hielten komplexe Diagnose- und Überwachungsgeräte Einzug. "Man musste immer wieder dazu lernen, Schritt halten". Schwester Gerburgis blieb am Ball. Das Notebook, das ihr ehemalige Beschäftigte zum Abschied schenkten, nutzt sie gern und häufig, um Kontakte zu pflegen.

"Zeit war in meinem Berufsleben immer Mangelware", erzählt sie. Sie weiß es jetzt durchaus zu schätzen, wenn im Kloster Essens- oder Gebetszeiten eingehalten werden können. Doch dabei kann sie immer noch ihre Passion ausüben: Kranke umsorgen. "Die Eingewöhnung in Mallersdorf dauerte", erzählt Schwester Gerburgis in ihrer ehrlich-gelassenen Art. "Doch jetzt ist hier "mein Platz und meine Erfüllung".
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2014 (9309)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.