In Haft, bis "Serpas" kommt

Die dänischen Polizeibeamten schritten zur Überprüfung und ließen Handschellen klicken. Der vor ihnen stehende Arbeiter aus Litauen stand auf der Fahndungsliste wegen zweier Einbruchsserien in der Stadt Oberviechtach. Er wurde nach Frankfurt überstellt und in die Amberger Justizvollzugsanstalt eingeliefert.

Amberg/Oberviechtach. (hwo) Er weinte bitterlich und wollte nur noch heim zu Frau und Kind in Kaunas. Doch der 23-Jährige ("Ich gebe alles zu, was Sie wollen") muss sich gedulden. Denn als seine Geschichte drei Stunden lang vor dem Amberger Richter Peter Jung erörtert wurde, stand bald schon fest: Nach sechs Monaten U-Haft sah die Staatsanwältin Michaela Frauendorfer keine Chance für eine Bewährungsstrafe. Das war der erste Schock für den Familienvater. Doch es kam noch weitaus heftiger für ihn.

Richter Jung pflegt Umstände und Gegebenheiten äußerst ausführlich zu erörtern. Sehr zum Verdruss des Mannes aus Litauen. Fest stand: Der damals in Deutschland tätige und zur fraglichen Zeit in Regensburg arbeitende Bauhelfer war mit dabei, als in der Nacht zum 20. Februar 2013 und dann auch am frühen Morgen des 8. September 2013 im Stadtgebiet von Oberviechtach zwei Einbruchsserien verübt wurden.

Von DNA-Spur überführt

Die Täter gingen dreist und zielstrebig vor. Sie drangen in Garagen ein, knackten auch Haustüren, sahen sich in Wohnungen um, öffneten Autos. In einen Transporter wurde die Beute verladen. Sie bestand aus zumeist hochwertigen Fahrrädern. Aber auch Motorsägen, Heckenscheren, Rasenmäher und eine Snowboardausrüstung wurden gestohlen. Der Schaden machte weit über 10 000 Euro aus. Die heimgesuchten Anwesen lagen nebeneinander. Von der Beute tauchte nie wieder etwas auf.

Das Pech des nunmehr wegen gewerbsmäßig begangenen Diebstahls angeklagten Litauers war: Er hatte bei beiden Serien DNA-Spuren hinterlassen. Als man sie im Polizeicomputer abglich, wurden "Treffer" mitsamt seiner Personalien angezeigt. Denn bei den europäischen Behörden waren seine Daten bereits gespeichert. So kam es dann zur Festnahme in Dänemark, als er heuer dort arbeitete.

Dass er in Oberviechtach dabei war, gab er 23-Jährige zu. Allerdings, so erfuhr Richter Jung, "hat mich ein Kollege mit zu den Einbrüchen genommen." Dann folgten die Feststellungen: "Ich war total betrunken und habe aus der Beute nur ein Fahrrad bekommen." Der Vorsitzende hielt dies für "sehr interessant." Wer denn dieser Kollege gewesen sei, wollte er wissen? Die Antwort: "Ein Landsmann."

"Diesen Landsmann von Ihnen brauchen wir, denn er muss Ihre Angaben bestätigen", machte Jung die Hoffnungen des Litauers auf sofortige Rückkehr in seine Heimat endgültig zunichte. Der Mittäter und angebliche Anführer der nächtlichen Diebestouren stammt ebenfalls aus Litauen, heißt mit Spitznamen "Serpas" und arbeitete seinerzeit für die gleiche Inneneinrichtungsfirma aus Kaunas in Regensburg. Tätowiert soll er sein, den Nachnamen kennt man nicht.

Kein Ende in Sicht

Nach diesem etwa 30-Jährigen muss nun die litauische Polizei per Rechtshilfeersuchen der Staatsanwaltschaft Amberg fahnden. Bis es eine Antwort aus Kaunas gibt, "müssen Sie hierbleiben", erfuhr der kurz darauf wieder in seine Zelle geführte Angeklagte. Das wollte der Arbeiter nicht begreifen. "Können wir nicht gleich zu einem Ende kommen?", flehte er. Die Antwort vom Richtertisch: "Leider nein." Denn dieser "Serpas" müsse gefunden, angehört und womöglich festgenommen werden: "Und das kann dauern." (Hintergrund)
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