In jedem Spiel Berge versetzen

Christian Stadler hatte im bisherigen Saisonverlauf genügend Grund, um seiner Mannschaft Applaus zu spenden. Die SpVgg SV Weiden geht immerhin als Tabellenführer in die Restrunde der Bayernliga Nord. Von einer Favoritenrolle will Stadler allerdings ungerne sprechen. Bild: A. Schwarzmeier

Tabellenführer, zwei Punkte Vorsprung und ein günstiges Restprogramm: Die SpVgg SV Weiden verfügt in der Fußball-Bayernliga Nord über eine verheißungsvolle Ausgangslage. Wieso Trainer Christian Stadler sein Team dennoch nicht in der Top-Favoritenrolle sieht, erklärt er im NT-Interview.

Herr Stadler, am Samstag gilt's: Zum Wiedereintritt in die Punkterunde gastiert die SpVgg Ansbach. Ist Ihre Mannschaft nach viereinhalb Wochen Vorbereitung fit für den Ernstfall?

Stadler: Ich bin sicher, dass sie das ist. Wir liegen von unseren Planungen her genau im Soll. Wir hatten eine kurze, aber extrem knackige Vorbereitung und konnten das durchziehen, was wir uns vorgestellt haben. Die Mannschaft kann kaum erwarten, dass es wieder losgeht. Man wird sehen, dass die Spieler fit und heiß sind auf Bayernliga-Fußball.

Wenn man die Ergebnisse betrachtet, gab es in den Testspielen Licht und Schatten. Positiv war das 1:1 abschließend gegen den Regionalligisten SpVgg Bayreuth, ein Ausreißer nach unten war die 0:5-Klatsche gegen die SpVgg Bayern Hof ...

Stadler: Klar, die hohe Niederlage gegen Hof war ein Tiefschlag. Aber in den Testspielen waren andere Dinge wichtiger als das Ergebnis. Es ging darum, auf den einzelnen Positionen etwas auszuprobieren, taktische Konzepte umzusetzen und allen Spielern Einsatzzeiten zu geben. Was zählt: Wir haben uns Schritt um Schritt verbessert. Das hat das Remis gegen Bayreuth gezeigt. Da habe ich aufgestellt wie in einem Punktspiel. Es war die Stabilität zu erkennen, die uns in der bisherigen Saison ausgezeichnet hat. Genau die brauchen wir wieder, um erfolgreich zu sein.

Von den Winter-Neuzugängen hat aktuell nur Rafael Wodniok den Sprung in den Bayernliga-Kader geschafft. Welche Chancen haben Ahmet Ayaloglu und Kevin Basala?

Stadler: Beide sind ganz klar Talente, aber keine Spieler, die uns sofort voranbringen. Das haben wir aber schon vorher gewusst. In erster Linie haben wir die Verpflichtungen getätigt, um uns breiter aufzustellen. Auch in Hinblick auf die zweite Mannschaft und U19, die viele Verletzte haben. Rafael hat sich in den Testspielen bewährt, bei Ahmet und Kevin geht es darum, dass sie im körperlichen Bereich noch Nachholbedarf haben. Diese Defizite sollen sie zunächst außerhalb des engeren Bayernliga-Kaders abbauen.

Wer Spitzenreiter ist, hat automatisch auch eine Favoritenrolle inne. Wie schwer wiegt diese Bürde?

Stadler: Gar nicht so schwer. Unser großes Plus ist, dass wir uns nicht als Top-Favorit sehen. Meine Mannschaft weiß, dass sie Qualität hat und schwer zu schlagen ist. Aber um die tollen Leistungen aus den bisherigen Spielen zu bestätigen, muss vieles passen. Dazu gehört in erster Linie das Glück, von Verletzungen verschont zu bleiben. Unser kleiner Kader kann Ausfälle nicht kompensieren, das hat die Phase vor der Winterpause gezeigt. Um vorne zu bleiben, müssen wir in jedem Spiel hart arbeiten, ja Berge versetzen. Das geht bereits gegen Ansbach los.

Auf welche Stärken Ihrer Spieler zählen Sie im Titelkampf?

Stadler: Auf die Stabilität im Teamgefüge, sowohl defensiv als auch offensiv, das ist das A und O. Wenn wir die zeigen, wird es für jeden Gegner schwer, gegen uns einen Treffer zu erzielen. Was für uns spricht, ist auch der Ehrgeiz meiner Spieler, sie haben eine extreme Disziplin und identifizieren sich mit dem Verein. Aber wie gesagt: Wir haben den nötigen Biss und können vorne mitmischen. Aber es muss jedes Rädchen ins andere greifen, wenn es hart auf hart geht.

Für die SpVgg SV spricht das Restprogramm mit 7 Heimspielen und nur noch 5 Auswärtspartien. Die Mitkonkurrenten FC Amberg, TSV Großbardorf und Viktoria Aschaffenburg kommen zudem noch ins Sparda-Bank-Stadion...

Stadler: Der Heimvorteil ist bei Spitzenspielen, wenn beide Mannschaften auf Augenhöhe sind, zu vernachlässigen. Außerdem ist zu Hause auch ein gewisser Druck vorhanden, wenn jeder einen Sieg erwartet. Fakt ist: Wir wollen daran arbeiten, dass es möglichst viele Top-Spiele in Weiden gibt. Das wäre eine ganz tolle Geschichte für den Verein, die Fans, uns alle. Ich glaube aber nicht, dass die Spiele gegen die direkten Konkurrenten die entscheidenden Duelle sind. Wer Meister werden will, braucht Konstanz. Man muss auch dann souverän auftreten, wenn es gegen Vereine im Mittelfeld oder in den unteren Regionen geht.

In Aschaffenburg hat Trainer Slobodan Komljenovic kürzlich seinen Vertrag verlängert, beim TSV Großbardorf hat Dominik Schönhöfer seinen Verbleib zugesagt. Wann ziehen Sie nach?

Stadler: Aktuell steht das Thema Vertragsverlängerung nicht ganz oben auf der Tagesordnung. Der Vorstand hat mir kürzlich in einem Gespräch signalisiert, dass er mich als Trainer behalten will. Über eine solche Wertschätzung meiner Arbeit freue ich mich natürlich. Wir werden uns wieder zusammensetzen und dann über manche Dinge reden, die sich noch verändern müssen. Es muss weiter an den Strukturen gearbeitet werden, es müssen Schritte nach vorne getan werden.

Die SpVgg SV könnte bei einem Regionalligaaufstieg den Kader nur punktuell verstärken. Mehr geben die Finanzen nicht her, hat Vorsitzender Kurt Haas deutlich gemacht. Wäre die Mannschaft dennoch in der Lage, in der obersten Amateurspielklasse mitzuhalten?

Stadler: Möglicherweise käme ein Aufstieg zwei oder drei, vielleicht auch vier Jahre zu früh. Von der U17 kommt in den nächsten Jahren richtig gute Qualität, diese Zeit müssen wir überbrücken. Dazu sind wir aber in der Lage, denn ich glaube, dass wir selbst bei einer nur geringen Etaterhöhung keine Schießbude in der Regionalliga abgeben würden. Die Mannschaft ist stark genug, um sich zumindest in der zweiten Tabellenhälfte zu behaupten.
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