In Kropfersricht kocht Volkes Seele - Hohe Kosten und Grundstücke nicht erreichbar
Stocksauer wegen Erschließung

Nur mit Hilfe ihrer Nachbarn erreicht Nici Wendl-Willerich (Mitte) derzeit ihr Haus - von der Baustelle aus zum Hof (links, im Hintergrund) mit der Staffelei von Manfred Schön (links) oder über das Grundstück von Franz Graf (rechts). Alle drei sind sie zudem reichlich verärgert, über die Höhe der von ihnen verlangten Erschließungskosten für Straße und Kanal zum neuen Baugebiet. Bild: Lobenhofer

Der Schotterlaster kippt seine Ladung ab, daneben staubt Kies, ein Bagger belädt einen Lkw mit Erdreich - dazwischen die Staffelei von Nachbar Manfred Schön (48), über die Nici Wendl-Willerich (46) aus einer geschätzten Tiefe von 70 Zentimetern von der Baustelle zu ihrer Hofeinfahrt hochsteigt. Nur so, oder übers Grundstück des anderen Nachbarn, Franz Graf (81), kann sie seit Montag ihr Haus erreichen. Die Volksseele kocht in Kropfersricht, während die Baumaschinen lärmen.

Aber nicht nur wegen der Arbeiten - die drei Anlieger sollen zahlen für die Erschließungsstraße zum neuen Baugebiet (wir berichteten) und den Kanal. Und das nicht zu knapp: Zwischen 22 500 und 48 600 Euro seien möglichst bald zu überweisen - "bis August, ansonsten könnte es noch teuerer werden", klagten die Betroffenen am Dienstag über den Inhalt eines Schreibens aus dem Rathaus. Dabei hätten sie weder Straße noch Kanal gebraucht, bisher habe ein befestigter Weg gereicht, in dem alle erforderlichen Leitungen verlegt sind.

Die drei Kropfersrichter sehen mit dem Brief ihre Existenz in Gefahr. Graf, der den dicksten Batzen berappen soll, sagte, dass er bei der Bank mit seinem Alter wegen eines Kredits kaum etwas erreichen werde. Außerdem brauche er die Erschließung nicht, weil er auf der anderen Seite seines Anwesens einst auf eigene Kosten einen Weg habe teeren lassen. Auch Alleinverdienerin Wendl-Willerich erwartet nicht viel von einem Geldinstitut. "Mein Mann hat ein künstliches Herz und ist Epileptiker", beschrieb sie die angespannte Situation. Diese würde sich akut zuspitzen, wenn ihr Mann eine Attacke erleide und der Rettungsdienst sie nicht direkt anfahren könnte.

Kosten bleiben im Raum

Sie und ihre Nachbarn fokussieren ihren ganzen Ärger auf die Stadt, die sie vom unmittelbaren Beginn der Arbeiten nicht informiert haben soll. "Am Freitagmittag ist ein Zettel der Baufirma im Briefkasten gesteckt", schilderte Manfred Schön die Entwicklung. Darin habe es geheißen, es könne zu Behinderungen bei der Zufahrt zu den Grundstücken kommen. Wie lange das Ganze dauert? Bis Freitag, habe ein Beschäftigter der Baufirma in Aussicht gestellt. Dann wird man zwar wieder mit dem Auto anfahren können, die Erschließungskosten aber bleiben im Raum - und die Anlieger sauer.
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