In Mannheim sitzt der Schock nach dem 1:6 gegen Ingolstadt tief - Benedikt Schopper warnt noch
"Kein Kommentar": Wenn Adler schweigen

Ingolstadts Torhüter Timo Pielmeier (links) feiert mit seinen Teamkollegen den unerwartet klaren Auswärtssieg in Mannheim. Der ERC hat nun beste Chancen auf den Meistertitel. Bild: dpa
Der Mannheimer Frust über das Heim-Debakel im DEL-Finale saß tief. Erklärungen lieferten die Eishockey-Profis der Adler für das 1:6 gegen den ERC Ingolstadt deswegen keine. Einzig die beiden Torhüter Youri Ziffzer und Nationalspieler Dennis Endras traten nach der höchsten Saisonpleite vor die Journalisten - um dann jede Frage mit der Formel "Kein Kommentar" abzuwehren. "Es gehört im Profisport dazu, mit den Medien zu reden. Aber das eine Mal kann ich das verstehen", nahm Adler-Manager Teal Fowler seine geschlagenen Spieler in Schutz. Trainer Geoff Ward meinte: "Es ist vermutlich das Beste, wenn man weniger sagt im Moment."

Der Ärger über die zweite deutliche Niederlage in den Final-Playoffs in Folge war groß. Schon am Sonntag gewann Titelverteidiger Ingolstadt 5:2. Auf dem Eis entlud sich der Frust am Dienstagabend in wilden Prügeleien, Goalie Endras quittierte seine Auswechslung mit einem wütenden Tritt gegen die Bande. "Ich habe den Frust bei den Adlern verstanden", sagte ERC-Trainer Larry Huras und versuchte, seinen Kollegen Ward zu trösten: "Es ist nur ein Spiel gewesen, das sind die guten Nachrichten."

Nach der Hauptrunde gingen die Adler als souveräner Tabellenführer in die Playoffs und festigten dort ihren Ruf als Meister-Favorit. Doch nach dem schwer erkämpften Auftaktsieg in der Verlängerung und den beiden Niederlagen, bei denen Ingolstadt insgesamt viel effektiver und frecher wirkte, sind die Rollen längst nicht mehr klar verteilt. Dem sechsfachen deutschen Meister droht die nächste Playoff-Enttäuschung der jüngeren Vergangenheit.

Seit der letzten Meisterschaft 2007 mühen sich die Adler vergebens. 2012 war es fast so weit, in der vierten Partie gegen die Eisbären Berlin wähnte sich Mannheim schon als Meister. Bei einer 5:2-Führung mussten sie nur noch 14 Minuten überstehen - und verloren am Ende nicht nur doch noch die Partie, sondern im entscheidenden Spiel fünf auch die ganze Serie.

Schlechte Statistik

Statistisch gesehen wurde in 20 Jahren DEL zudem zu 75 Prozent das Team Meister, das Spiel drei für sich entschied. Seit der vergangenen Saison gilt allerdings der Modus "Best of Seven" und nicht mehr "Best of Five" wie in den Jahren zuvor. Ein 1:2-Rückstand ist daher zumindest auf dem Papier noch keine Vorentscheidung. Das betonte auch Adler-Coach Ward wieder und wieder. "Alles, was jetzt zählt, ist wie wir am Freitag auftreten", sagte er mit Blick auf Spiel vier in Ingolstadt (19.30 Uhr/Servus TV).

"Noch nicht das Ende"

Der ERC hütete sich nach dem Auswärtssieg wohl auch deswegen vor zu forschen Sprüchen. "Wir sind alle schlau genug, dass wir wissen, dass das nur ein Sieg ist und wir im nächsten Spiel noch besser sein und noch härter arbeiten müssen", sagte Verteidiger Benedikt Schopper. Sein Teamkollege Jeffrey Szwez sah es genau so. "Das ist noch nicht das Ende der Serie gewesen. Noch lange nicht."
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