Inhaftierung des Vaters

"Das war das Ende eines Mannes, der weiter nichts als erst ein gewissenloser Demagoge, dann ein brutaler Verbrecher war", schreibt der Fronberger Freiherr Hubertus von Breidbach-Bürresheim über den Suizid Hitlers am 30. April 1945.

Dem verbrecherischen Regime fällt auch sein Sohn Randolph zum Opfer, der aus christlich-menschlicher Grundüberzeugung gegen das Dritte Reich und dessen Rassenwahn ebenso agierte wie gegen Verbrechen von Wehrmachtssoldaten. Randolph stirbt am 13. Juni 1945 im KZ Sachsenhausen. Von seinem Tod erfahren die Eltern erst im Januar 1946.

"Er hat gut ausgesehen, kam mit 27 in den Krieg und ist mit 32 gestorben", sagt der heutige Schlossherr Hubertus von Breidbach-Bürresheim. Der 54-Jährige erinnert sich, dass stets mit Hochachtung vom Onkel gesprochen wurde. Zunächst heimlich, denn aus "Verrätern" und "Widerständlern" werden mit dem Untergang des Naziregimes nicht im Handumdrehen Helden. Der Neffe zollt dem Handeln des promovierten Juristen Respekt und bewundert dessen Mut. Rückblickend hat der junge Mann alles richtig gemacht. Der Oberleutnant hat Berichte von der Front in Frankreich und Russland an Widerstandskreise um Josef Müller, den Ochsensepp, geschickt.

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Dabei hegt Randolph von Breidbach anfangs durchaus Sympathien für die Nationalsozialisten, ganz im Gegensatz zu seinem Vater, der stets Abstand von Hitler und seiner Politik hält. Auslöser für die Abwendung Randolphs von den neuen Machthabern, mutmaßt Biograf Andreas M. Rauch, dürfte wohl die Inhaftierung seines Vaters gewesen sein. Der Vorsitzende der Bayernpartei wurde 1933 für einige Tage in Schwandorf inhaftiert. "Wenn ich ins Gefängnis soll, gehe ich zu Fuß, damit jeder sieht, dass ihr mich einsperrt." Das soll Randolphs Vater gesagt haben, als die Nazis dem Adeligen aus dem Stadtteil Fronberg eine Droschke für die Fahrt ins Gefängnis anboten.

Randolph wird Mitglied der Reitertruppe, die indirekt der SA zugehörig ist, um einer SA-Eingliederung zu entgehen. Seinen Militärdienst leistet er wie Claus Schenk Graf von Stauffenberg im Reiterregiment Nummer 17 in Bamberg ab. 1938 tritt der Jurist in die Kanzlei Josef Müllers in München ein. Müller, wie von Breidbach ethisch-moralisch vom katholischen Glauben geprägt, unterhält Kontakte zu verschiedenen Widerstandskreisen. Von Breidbach macht aus seiner Abneigung gegen die barbarischen Nationalsozialisten kein Hehl. Zudem hat er bei Aufenthalten in Holland, der Schweiz und vor allem in England funktionierende Demokratien erlebt. Das macht ihn für seinen Neffen so besonders. "Er war Demokrat, vielleicht einer der wenigen innerhalb des Widerstands."

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"Verrat"

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Randolph berichtet erschüttert seinem Freund Müller, fleht ihn, wie dieser in seinen Erinnerungen schreibt, "ihn aus dieser Hölle aus dem Osten herauszuholen". Er schildert Fronterlebnisse, die desolate Moral mancher Wehrmachtssoldaten, die gnadenlose Ausrottung der Juden, die Erschießungskommandos und das menschenverachtende Vorgehen gegen die Zivilbevölkerung. Seine christlichen Moralvorstellungen und ebenso sein soldatisches Selbstverständnis zwingen ihn zum "Verrat". Er schickt 1942 drei Abhandlungen in die Kanzlei des CSU-Gründers Müller, die dessen Sekretärin abtippt.

Darin enthalten auch Verbrechen der Wehrmacht. "Das waren nicht alles ehrbare Soldaten, überall gibt es solche und solche", sagt Neffe Hubertus heute. Damals und auch in den ersten Nachkriegsjahrzehnten waren solche Behauptungen eine Ungeheuerlichkeit.

Müller will am 5. April 1943 die sogenannten Breidbach-Berichte zu Hans von Dohnanyi nach Berlin bringen, verwahrt sie in seiner Wohnung. Doch an diesem Tag werden Müller, von Dohnanyi und Dietrich Bonhoeffer verhaftet, bei einer Hausdurchsuchung die Dokumente gefunden. Oberleutnant von Breidbach-Bürresheim wird, nur leidlich von einer Gelbsucht genesen und psychisch geschwächt, am 5. Mai verhaftet.

Am 3. März 1944 wird den Verrätern vor dem Reichskriegsgericht wegen Wehrkraftzersetzung der Prozess gemacht. Vor allem Müller gelingt es, glaubhaft zu versichern, dass es sich um nachrichtendienstliche Routineangelegenheiten für die Abwehrstelle München (Admiral Canaris) gehandelt habe.

Überraschend werden Müller und von Breidbach freigesprochen, doch der Haftbefehl wird auf Druck des Reichssicherheitshauptamtes und OKW-Chef Wilhelm Keitel wieder in Vollzug gesetzt. Von Breidbach kommt ins Gestapo-Gefängnis Berlin-Moabit. Breidbachs Mutter Anna-Marie wendet sich an den Regimentskameraden des Sohnes, Graf Stauffenberg, der ihr - wohl im Hinblick auf den geplanten Staatsstreich - einen guten Ausgang der Angelegenheit verspricht.

Am 20. Februar 1945 wird Randolph von Breidbach wegen der Zerstörungen am Berliner Gefängnis ins KZ Sachsenhausen verlegt. Die Haftbedingungen, der psychische Druck und die nicht ausgeheilte Gelbsucht, haben ihn zu einem todkranken Mann gemacht, der in der Krankenabteilung des KZ die Befreiung am 22. April erlebt.

Dort wird er von Lucie Frahm bis zu seinem Tod am 13. Juni vor 70 Jahren gepflegt. In der Fronberger Petruskapelle erinnert eine Gedenktafel in Ermangelung eines Grabes an den Märtyrer des Erzbistums Köln, der nicht wegschaute, sondern die Dinge beim Namen nannte. Auch die zum Schloss führende Straße in Fronberg wurde nach ihm benannt.

"Meine Großeltern hätten ihn heimgeholt, aber das war nicht möglich und wahrscheinlich hätte er bei seinem Gesundheitszustand die Fahrt nicht überlebt", sagt Neffe Hubertus. Randolph von Breidbach-Bürresheim wurde in einem Massengrab auf dem Gelände des ehemaligen KZs beerdigt.
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