Integrierte Politik

Warum gerade er zum Termin im Landtag eingeladen wurde, ist für Mehmet Begen auch heute noch nicht klar. Dass der Treff Sinn gegeben hat und Nachahmung auf verschiedenen Ebenen der Politik herausfordert, aber sehr wohl.

Kohlberg. (war) "Mit'm Redn kommen d'Leit zamm", ist sich der Gastronom sicher und sieht unter dem Strich eine positive Entwicklung bei der Integration seiner Landsleute. "Was sich vor 20 oder 25 Jahren abspielte, ist Tag und Nacht zu heute. Ich fühle mich wohl in der Oberpfalz, von den Menschen, vor allem von der jungen Generation zu 100 Prozent angenommen."

Interview mit Schöberl

Begen spricht Klartext und zwar im Nordoberpfälzer Ton. Das brachte ihm in der Süddeutschen Zeitung eine Schlagzeile ein, weil er zur Begrüßung "Servus, hawadere ich bin der Mehmet aus der Oberpfalz" sagte. Etwa 120 Muslime und 50 Landtagsabgeordnete nahmen nach Einschätzung des Röthenbachers an der 90-minütigen Abendveranstaltung teil, an der Spitze Ministerpräsident Horst Seehofer, Landtagspräsidentin Barbara Stamm und einige Minister. "Es war eine reine Anhörung, keine Diskussion. Rederecht hatten nur wir, dennoch finde ich es beachtlich, dass Seehofer persönlich dabei war." Die Initiative für das Gespräch war von Markus Rinderspacher (SPD) ausgegangen, eingeladen hatten die Fraktionsvorsitzenden. "Am Anfang war ich schon sehr nervös, zumal ich direkten Blickkontakt mit Seehofer und Minister Hermann hatte", berichtet Begen. Er wurde von Tilmann Schöberl aus dem halben Dutzend Gäste ausgewählt. Er war erstaunt über das Vorwissen des BR-Moderators zu seiner Person. "Er hat mich auf mein Engagement im Karate-Sport, auf meine Tätigkeit als Gastronom und meine Mitarbeit im Kohlberger Marktrat angesprochen."

Die Vermutung liegt für ihn nahe, dass die Kommunalpolitik ein Grund für die Einladung war. Seit März zählt er zum Marktrat, sieht seine Aufgabe als Sprecher des Ortsteils im Vordergrund. "Die Röthenbacher und die jungen Leute haben mich gewählt", analysiert er seine Wahl, die ihm auf Anhieb über die SPD-Liste den Sitz im Gremium bescherte. Die Zusammenarbeit bezeichnet er als "sehr angenehm, mit allen Kollegen, auch auf privater Basis".

Nachholbedarf

1974 siedelte Begen mit seinen Eltern von Malatya in Ostanatolien nach Weiden um, lebt seit 1990 mit seiner deutschen Frau Regina in Röthenbach und führt seit acht Jahren einen Pizza-Service in Weiherhammer. Neben den Fragen zu seinen Eindrücken aus der Schulzeit, dem Sport und der Selbstständigkeit warf Schöberl auch die Frage auf, warum er sein Lokal von den Pfarrern Andreas Schlagenhaufer und Martin Valeske segnen ließ. Die spontane Antwort: "Ja warum denn niat." Über der Tür zur Pizzeria-Küche hängt ein Kreuz, symbolisiert seine Toleranz.

Begen steht für den Dialog, wünscht sich, dass er ausgedehnt wird. "Die Menschen müssen wissen, wie Muslime ticken, dann werden Missverständnisse vermieden und Schwachstellen in der Politik aufdeckt." Er differenziert: "Die SPD ist auf einem guten Weg, bemüht sich darum, bei anderen Parteien sehe ich schon Nachholbedarf." Sympathie empfindet er gegenüber der Landtagspräsidentin und ihrer Offenheit. Mit ihr führte er ein 20-minütiges Vier-Augen-Gespräch. "Ich will mit meinem Oberpfälzer noch ein Weizen trinken", hatte ihn die Hausherrin, Barbara Stamm, eingeladen. Nach dem Dialog geht Begen davon aus, dass sich das Gesprächsforum fortsetzen und Muslime und Politik weiter bringen wird.
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