Interne Feier der Zoiglbrauer im Kommunbrauhaus
Nach 600 Jahren erfrischend jung

Die Brauberechtigten in Neuhaus erhalten die 600 Jahre alte Zoigl-Tradition aufrecht. Bild: ui

Einen Tag nach dem Stärketrinken an Dreikönig demonstrierten Zoiglbrauer Stärke. Mit einer internen Feier im Kommunbrauhaus starteten sie ins Geburtstagsjahr "600 Jahre Zoigl in Neuhaus".

Vom Weitblick der Vorfahren, die Brautradition aufrechtzuerhalten, sprach Vorsitzender Thomas Witt. "Andere Orte haben das nicht so geschafft, wie der selbstbewusste Ortsteil von Windischeschenbach", sagte der "Bahler"-Wirt. Öffentlicher Höhepunkt des Feierjahres wird der Auftakt einer neuen wahrscheinlich jährlichen Veranstaltungsreihe der Schutzgemeinschaft "Echter Zoigl vom Kommunbrauer". Dabei soll jeweils ein anderer der fünf beteiligten Orte Neuhaus, Windischeschenbach, Falkenberg, Mitterteich und Eslarn im Mittelpunkt stehen. Genauer Ablauf und Termin seien noch in Planung, teilte Reinhard Fütterer mit.

"Die Geschichte des Zoigl begann in Neuhaus mit der Erhebung zum Markt am 13. Dezember 1415 durch den Landgrafen Johann IV. von Leuchtenberg", erklärte der Schafferhof-Wirt. Damit bekam der Ort zugleich das Braurecht zugesprochen. "Jeder Bürger war gleichgestellt und durfte eine bestimmte Anzahl an Suden pro Jahr brauen."

Uralte Lagerkeller

Ab diesem Zeitpunkt gruben die Bürger die Felsenkeller, in denen das eigene Bier reifte, ohne dass die Qualität zu sehr leidet. Noch heute vergären und lagern einige Hausbrauer wie Alfons Bergler darin ihren Zoigl. Bergler ist es wichtig, diese Tradition weiterzuführen. Mit der Kanne holt sich der 65-Jährige den Haustrunk aus dem Keller und freut sich, dass der Sohn ebenfalls Interesse an einer Weiterführung hat. Das erste Kommunbrauhaus errichteten die Neuhauser in der heutigen Burgstraße 7. Weil der Landwirt Rupert Beer dort den Hof erweitern wollte, wurde 1876 in der Wurzer Straße das jetzige Brauhaus mit Malztenne gebaut.

"Zum Glück, sonst wäre das Brauhaus beim großen Brand am 18. Juli 1887 mit abgebrannt", sagte Fütterer. So aber blieb das Brauhaus verschont. Einen Neubau, der nach heutigen Maßstäben sicher mehr als eine halbe Million Euro gekostet hätte, hätten sich die Bürger nach der Feuersbrunst nicht leisten können. 1865 gab es in Neuhaus 27 Brauberechtigte. Heute sind es immerhin noch 25. Das Recht liegt auf dem Haus und ist im Grundbuch eingetragen.

Die aktiven Zoiglbrauer haben sich in einer Genossenschaft zusammengeschlossen, der auch das Brauhaus gehört. Neben fünf Zoiglstuben, die sich von Wochenende zu Wochenende mit dem Ausschank abwechseln, gibt es auch noch sieben Brauberechtigte, die ihren eigenen Haustrunk herstellen.

Privileg nutzen

Fütterer nannte das Kommunbraurecht ein gutes Beispiel für ein in der Oberpfalz im Laufe der Geschichte entstandenes und weiterentwickeltes Recht. "Es ist schade, dass nur mehr ein kleiner Bruchteil von diesem einstigen Privileg Gebrauch macht."
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