Interview: Blue Devils zuversichtlich, dass Eishockey-Oberliga Süd besser läuft
Nicht wieder eine Horrorsaison

Thomas Siller, Vorsitzender des 1. EV Weiden: "Ganz klar, wir müssen besser abschneiden. Alle Beteiligten haben erkannt, dass in der vergangenen Saison Fehler gemacht wurden."
 
Fred Carroll, Trainer der Blue Devils.

Am Freitag startet die Eishockey-Oberliga Süd in die Spielzeit 2014/15. Eine solche Horrorsaison wie zuletzt wünscht sich kein Blue Devil mehr. Im Redaktionsgespräch zeigten sich EV-Vorsitzender Thomas Siller und Trainer Fred Carroll optimistisch, dass es diesmal runder läuft.

Herr Siller, gleich die wichtigste Frage vorneweg: Werden die Blue Devils eine bessere Rolle spielen als in der letzten Katastrophensaison?

Siller: Ganz klar, wir müssen besser abschneiden. Alle Beteiligten haben erkannt, dass in der vergangenen Saison Fehler gemacht wurden. Eine Erkenntnis ist zum Beispiel, dass man in der Oberliga unbedingt über zwei stabile Blöcke verfügen muss. Wenn nicht, bekommt man Riesenprobleme. Auch die Spieler wissen, dass sie in der Verantwortung stehen und Wiedergutmachung leisten müssen.

Was stimmt Sie zuversichtlich?

Siller: In erster Linie, dass unser Kader heuer deutlich stärker und breiter besetzt ist. Wir haben zwei starke Sturmblöcke, die sind absolut konkurrenzfähig. In der Abwehr setzen wir auf junge Talente, das sind alles gut ausgebildete Jungs. Viel wird davon abhängen, dass Daniel Huber zu alter Stärke zurückfindet. Die Torwartposition ist im Eishockey nun mal enorm wichtig. Viel wichtiger als im Fußball. Was man auch deutlich sagen muss: Die Mannschaft geht viel fitter in die Saison als letztes Jahr. Da hat unser Trainer ganze Arbeit geleistet. Klar zu sehen ist, dass wir mehr Struktur im Spiel haben. Da lag zuletzt einiges im Argen.

Herr Carroll, wie schätzen Sie die Leistungsfähigkeit der Mannschaft ein? Welche Ziele kann Sie verfolgen?

Carroll: Wir wollen dem Publikum an erster Stelle gutes Eishockey zeigen. Die vorderen Plätze in der Oberliga sind nicht realistisch, die sind vorab an Vereine wie Freiburg, Selb, Bayreuth oder auch Bad Tölz vergeben. Für uns geht es darum, die direkten Konkurrenten wie Sonthofen zu schlagen. Wir haben eine Chance auf die Playoffs. Aber dann darf es keine Langzeitverletzten geben. Wenn wir als Team kompakt bleiben, können wir für eine Überraschung sorgen. Erstes Ziel ist aber der Klassenerhalt, alles andere ist ein Extra.

Siller: Die Oberliga ist noch einmal stärker geworden. Wir werden den Saisonverlauf aufmerksam beobachten, unser Leistungsvermögen einordnen und nach Saisonende bewerten, ob die Oberliga weiter unsere Heimat ist.

Die schlechten Leistungen haben sich in der letzten Saison auf die Zuschauerzahlen ausgewirkt. Welchen Schnitt erhoffen Sie sich?

Siller: Wir lagen in der Spielzeit 2013/14 bei rund 1400 Fans pro Heimspiel. Wir wollen diesmal einen Schnitt von 1500 Zuschauern erreichen. Ich denke, dass die Begeisterung in der Region für Eishockey ungebrochen ist. Mein großer Wunsch wäre es, in der Tabelle so platziert zu sein, dass unsere Derbys ausverkauft sind. Mal ganz ehrlich: Für jeden Blue-Devils-Fan ist doch wichtig, dass wir auch mal Bayreuth oder Regensburg schlagen. Unser Pech ist leider, dass diese Konkurrenz finanziell ganz andere Möglichkeiten hat.

Wie schwer hat sich der Verein getan, die Sponsoren nach dem Beinahe-Abstieg bei Laune zu halten?

Siller: Wer im Eishockey Geld gibt, der hat in der Regel Spaß an dieser Sportart. Wir sind dankbar, dass die Sponsoren uns nach dieser grottigen Saison treu geblieben sind. Was überaus positiv ist: Wir haben unsere Sponsoreneinnahmen sogar um rund 30 Prozent erhöhen können.

Das schwache sportliche Abschneiden wurde im vergangenen Winter auch von anderen Misstönen begleitet. Bei Auswärtsspielen sind Blue-Devils-Anhänger öfters negativ aufgefallen. Diesbezüglich hat der 1. EV Weiden mittlerweile einen schlechten Ruf...

Siller: Wir versuchen gegenzusteuern und haben mit der Gründung eines Fan-Rates reagiert. Wir suchen den Zugang zu allen Fan-Gruppierungen. Dort sind die Leute, die helfen können, wieder mehr Ordnung reinzubringen. Bei den Heimspielen haben wir kaum Probleme. Aber es gibt leider Personen, die suchen sich die Auswärtsspiele raus, um Radau zu machen, obwohl sie mit dem Eishockeysport sonst nichts am Hut haben. Um dem zu begegnen, arbeiten wir eng mit dem DEB, der Polizei und dem Ordnungsdienst zusammen.

Carroll: Für mich ist es unbegreiflich, dass es rund um das Eishockey immer wieder zu Gewalt kommt. Ganz schlimm war es, als ich Trainer in Weißwasser war. Da waren Dresdner Hooligans bei einem Spiel gegen uns schon am Vormittag unterwegs. Die Polizei hat Busse kontrolliert, das Stadion abgeriegelt. Das sind schreckliche Dinge. Das hat nichts mit Eishockey zu tun.

Siller: Wie ich gehört habe, wollen die Fans auf ihrer Homepage noch vor Saisonbeginn einen Aufruf bringen und die Gemeinsamkeit beschwören. Das ist gut. Ich würde mir auch wünschen, dass die Qualität der Unterstützung wieder steigt. Die war in der letzten Saison eher mau.

Sollte es sportlich schlecht laufen: Hat der Verein noch Optionen in der Hinterhand?

Siller: Wir halten immer die Augen offen auf dem Spielermarkt. Da kommt aber erfahrungsgemäß erst ab November Bewegung rein. Sollten wir uns noch einmal verstärken wollen, müssten wir aber bei unseren Sponsoren betteln gehen. Es ist nicht so, dass wir finanziell etwas zurückhalten. Wir sind an die Grenze des wirtschaftlich Machbaren gegangen.

Ihr Tipp für den Saisonstart in Peiting...

Carroll: Wenn jeder Spieler konzentriert ist und seinen Job macht, ist in Peiting durchaus etwas machbar.

Siller: Es ist nicht unmöglich, in Peiting zu gewinnen. Ich wäre aber zufrieden, wenn es am Sonntag gegen den EV Füssen mit einem Heimsieg klappt.
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