Interview mit Chorleiter Karl-Heinz Malzer
Modernes und Klassisches

Zum Konzert des Chores "Mixtura Cantorum" am Samstag, 19 Uhr, in der Asamkirche Michelfeld unterhielt sich unsere Zeitung mit Chorleiter Karl-Heinz Malzer über die Vorbereitung und Gestaltung des Konzerttages.

SRZ: Das Programm der ausgesuchten Lieder erstreckt sich über vier Jahrhunderte. Nach welchen Kriterien wird dieses Programm zusammengestellt. Ist der Ort der Aufführung ausschlaggebend, die Jahreszeit oder der Zeitpunkt des Kirchenjahres?

Karl-Heinz Malzer: Das Kriterium heißt "Geistliche Chorwerke von der Renaissance bis ins 21. Jahrhundert" oder hochwertige A-cappella-Musik aus allen Epochen. Die Fülle an Originalkompositionen ist hier immens groß und damit die Auswahlmöglichkeit ebenfalls. Geistliche Literatur verlangt in ihrer Aussage auch nach einem entsprechenden äußeren Rahmen und Raum, den eben am besten der Sakralraum einer Kirche bieten kann. Hier haben Textaussagen immer ihre grundlegende Bedeutung, unabhängig von der jeweiligen Zeit des Kirchenjahres. In einem Programm versuche ich mit Motetten von der älteren in die neuere Zeit zu führen, um auch den Stilwandel in der Musik hör- und vergleichbar zu machen.

Wie lange braucht der Chor um ein solches Konzert vorzubereiten?

Malzer: Das muss ich jetzt genauer erklären. Da der Chor sich in einem Jahr nur vier- bis sechsmal trifft, kann die Vorbereitungszeit zwei Jahre betragen. Seit ihrer Gründung im Jahre 1992 hat die "Mixtura Cantorum" aber ein solch großes Repertoire entwickelt, dass ich immer darauf zurückgreifen kann. In den Probenwochenenden, meist mit einem abschließenden Konzert, und einer Probenwoche werden neue Werke entwickelt, die das Repertoire immer wieder erweitern. Leichtere Werke können dann schnell, schwere Werke eben nur nach längerer Vorlaufzeit eingebaut werden.

Gibt es Ihrerseits "Lieblingsstücke", die Sie und der Chor besonders gerne singen oder die beim Publikum besonders gut ankommen?

Malzer: Sicher gibt es Lieblingsstücke. Das Wesentliche ist aber grundsätzlich die Qualität der Werke und ihre Aussage, die durch das handwerkliche Können des Komponisten vorgegeben ist. Hier entscheidet sich bei den Sängern, aber auch beim Publikum die Akzeptanz und das "Gefallen" der Werke. Das können Werke aus jeder Zeit, eben auch der Moderne sein.

Wie viele Konzerte hat der Chor insgesamt bereits absolviert, gab es besondere Höhepunkte? Wo waren die Auslandsauftritte?

Malzer: In diesem Jahr waren es bereits drei Konzerte: Herzogenaurach, Kraiburg und in Ferrara. Unsere Chor-Reise führte uns heuer nach Italien, wo wir neben Ferrara (Konzert in der Chiesa di Santa Maria in Vado) auch in Bologna (Chiesa San Giacomo Maggiore) in einer Messe sangen und danach noch einige weitere Werke darboten. Mit der Unterstützung durch die Bayerische Staatsregierung sind wir über den Fränkischen Sängerbund verpflichtet, in jedem Jahr mindesten zwei Konzerte zu geben. In der Regel sind es aber meistens vier Konzerte, die wir gestalten. Besondere Eindrücke hinterließen Konzerte in den Basiliken Gößweinstein und Herrieden, in der Heilig-Kreuz-Kirche in Augsburg, im Dom von Bozen und im Dom in Ljubljana (Slowenien).

Der Schwerpunkt Ihrer musikwissenschaftlichen Forschungen liegt auf Oberpfälzer Komponisten. Diese sind einem großen Publikum weitgehend unbekannt. Wo liegen deren Besonderheiten? Werden deren Stücke auch in Michelfeld aufgeführt?

Malzer: Der Hauptteil meiner Forschungstätigkeit erstreckt sich seit meiner Studienzeit in München (1962 bis 1968) auf Franz Gleißner aus Neustadt a.d. Waldnaab. Er war Komponist, Redakteur bei der Münchener Zeitung, Kontrabassist im Hoforchester, Miterfinder des lithographischen Notendrucks und Verfasser eines Mozartverzeichnisses, als "Gleißner-Verzeichnis" musikwissenschaftlich international bekannt. Daneben forsche ich mit Günther Zwick aus Kulmain über den dort geborenen Martin Vogt, dann über Hans (Janos) Koessler aus Waldeck, der die gesamte ungarische Komponistengeneration in Budapest unterrichtete. Von ihm werden wir das Werk "Der du von dem Himmel bist" singen. Daneben gibt es noch eine Vielzahl von Komponisten aus der Oberpfalz.

Sie alle sind es wert, wieder aus der Versenkung geholt zu werden, in die sie verschwunden sind. Meistens sind die Oberpfälzer ja sehr zurückhaltend und machen aus sich wenig, auch wenn sie es könnten.
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