Interview mit dem Kunsthallen-Direktor Roger Diederen

Roger Diederen ist studierter Kunsthistoriker und Kurator. Er arbeitete für verschiedene renommierte Museen in Amsterdam, Cleveland oder New York. 2006 wechselte er an die "Kunsthalle" der "Hypo-Kulturstiftung" in München. Dort ist der 50-jährige Holländer seit 2013 Direktor und aktuell zuständig für die Ausstellung "Keith Haring - Gegen den Strich".

Wie kam es zur Idee für diese Ausstellung - und wie verlief deren Organisation?

Roger Diederen: Ich habe Keith Harings Kunst bereits Mitte der 1980er während meines Studiums in Amsterdam kennen- und schätzen gelernt. Und niemals vergessen, so beeindruckt war ich davon. Das ist die Basis des Ganzen. Vor einigen Jahren kam der österreichische Kurator Dieter Buchhart mit der Idee auf mich zu, ob die "Kunsthalle München" Interesse an einer Keith Haring-Ausstellung hätte. Wir waren sofort angetan. Doch da wir bereits für einige Jahre ausgebucht waren, nahm die Sache erst jetzt Gestalt an.

Wie kam es zur letztendlichen Auswahl der gezeigten Objekte?

Diederen: Ohne die Kooperation mit der "Keith Haring Foundation", die 1989 noch vom Künstler selbst ins Leben gerufen worden ist, und die weltweit seine Urheberrechte vertritt, geht gar nichts. Mit der haben wir uns sehr eng abgestimmt, wobei die Leute bei dieser Einrichtung äußerst kooperativ sind. Für die letztendliche Auswahl zeichnen allerdings wir verantwortlich.

Hatten Sie bei der Planung der Ausstellung nicht etwas Angst, dass Sie nur jüngere Besucher ansprechen würden? Denn Harings Bildsprache ist ja eher jugendlich ...

Diederen: Die hatte ich nie, denn ich wusste aus vielen Interviews, die Haring gegeben und die ich gelesen hatte, dass er niemals ausschließlich Teenager erreichen wollte. Stattdessen wollte er absolut alle Menschen erreichen. Wobei ich im Vorfeld der Organisation für die Ausstellung mit dem Vorwurf von Kollegen konfrontiert wurde, Harings sei ein Comic-Artist. Diesen Vorwurf konnte ich locker wegwischen einfach nur mit Harings Kunst, die für sich selbst spricht.

Wann ist Keith Haring vom Underground-Helden zur Massen-Ikone avanciert?

Diederen: Mit den Kreidezeichnungen auf schwarz abgeklebten Werbetafeln in der New Yorker U-Bahn, die nicht mehr vermietet waren, erregte er zum ersten Mal große öffentliche Aufmerksamkeit. Diese Aktionen mussten schnell gehen, denn sie waren ja illegal. Doch die Zeichnungen waren nahezu perfekt! Dadurch wurde Haring nicht nur Millionen U Bahn-Fahrgästen ein Begriff, sondern auch Galeristen. Dadurch kam eines zum anderen.

Wie kommt die eher konservativ orientierte "Kunsthalle München" dazu, einen "jungen Wilden" wie Keith Haring auszustellen?

Diederen: Er hat diesen Ort in meinen Augen verdient, weil er ein Pionier in seinem Genre ist, weil er seriöse Kunst kreiert hat, weil seine eindeutige Bildsprache bis heute Bestand hat, ebenfalls seine politischen Ansichten - etwa gegen Rassismus, Sexismus, Umweltverschmutzung. Keith Haring ist einer der ganz Großen in der modernen Kunst.
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