Interview mit Meat Loaf - Am 24. Oktober in Nürnberg
Richard Wagner der Popmusik

Meat Loaf heißt bürgerlich Marvin Lee Aday und erblickte am 27.9.1947 im texanischen Dallas das Licht der Welt. Den einprägsamen Spitznamen (z. dt. "Hackbraten" oder auch "Fleischklops") bekam er von seinem Footballtrainer verpasst, da er bereits als Teenager um die 250 Pfund Lebendgewicht auf die Waage brachte. Bild: dpa
Lokales
Deutschland und die Welt
03.09.2007
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Meat Loaf heißt bürgerlich Marvin Lee Aday und erblickte am 27.9.1947 im texanischen Dallas das Licht der Welt. Den einprägsamen Spitznamen (z. dt. "Hackbraten" oder auch "Fleischklops") bekam er von seinem Footballtrainer verpasst, da er bereits als Teenager um die 250 Pfund Lebendgewicht auf die Waage brachte. Bild: dpa

Wenn man seinem Manager Glauben schenken darf, hat Meat Loaf in den letzten Jahren stetig Gewicht reduziert. Auf der Bühne aber oder im Interview ist das unerheblich. Vielmehr sieht man einen ebenso freundlichen wie einnehmenden Mann von (wohlwollend geschätzten) 120 Kilo, bei dessen Charisma und körperlicher Konstitution man rasch eine ganz eigene popmusikalische Dimension erahnen kann.

"Klar", meint der Sänger, der in seiner rund 30-jährigen Karriere stets Rock'n'Roll in Übergröße servierte, "habe ich durch mein Auftreten und mein Gewicht einen gewaltigen Vorteil - an mir prallt alles ab: Böse Kritik genauso wie irgendwelche kurzlebigen Moden. Meat Loaf bleibt Meat Loaf! Ich bin kein Sänger, sondern eine Institution."

Diese selbstbewusste Einschätzung der Situation ist wohl der Hauptgrund, dass Meat Loafs aktuelles Album "Bat Out Of Hell III: The Monster Is Loose" sich nicht die Spur von den beiden "Fledermaus"-Vorgängern der Jahre 1977 und 1994 unterscheidet. Wieder gibt es die entscheidende Prise Hyper-Dramatik und den wüsten Hang zum Überfluss, die aus dem beleibten Charismatiker den "Richard Wagner der Pop-Musik" werden ließen.

Wieder geht es bei "Mister Hackbraten" in die Vollen. "Wenn man so will", grinst der schwergewichtige Zeremoniemeister süffisant, "ist diese Platte eine einzige lange Seifenoper. Aber sicher die bombastischste Seifenoper, welche die Welt je gehört hat." Die Musikredaktion führte mit Meatloaf dieses Interview.

Deine berühmt-berüchtigte "Bat" - die Fledermaus - fliegt wieder, aller Voraussicht nach zum letzten Mal. Warum hast Du Dich musikalisch zum dritten Mal in 30 Jahren um diese Gestalt gekümmert?

Meat Loaf (lacht): Dieser Flattermann führt ein Eigenleben, ich habe ihn nicht besonders gut unter Kontrolle. Nein, im Ernst: Bereits als Jim Steinman und ich an die Realisierung des 1. Teils von "Bat Out Of Hell" Mitte der 1970er gingen, war ziemlich klar, dass die komplette, mystische "Bat"-Geschichte nicht auf einem einzigen Album erzählt werden kann. Gleichzeitig war mir in den letzten paar Jahren klar, dass ich ein monumentales Epos wie "Bat Out Of Hell" nur dann zu Ende bringen könnte, wenn ich mich musikalisch sehr weit aus dem Fenster lehne. Denn wir haben von den ersten beiden Teilen über 50 Millionen Kopien weltweit verkauft, was für mich bedeutet, dass diese offensichtlich eine Menge Menschen emotional berührt haben. Dieser Tatsache musste ich Rechnung tragen, indem ich bei dem abschließenden Kapitel noch einen drauf setze.

Und Du denkst, Du bist mit "The Monster Is Loose" diesem Anspruch gerecht geworden?

Meat Loaf: Unbedingt, so selbstbewusst bin ich schon! Die Arbeit an dem Album war knochenhart, denn der Produzent dieses Mal - Desmond Child (Kiss, Cher, Bon Jovi oder Aerosmith) - ist ein Perfektionist, er hat mich für manche Passagen Dutzende Male im Studio antreten lassen, ehe er mit dem Ergebnis zufrieden war. Erstmals in meinem Leben habe ich Gesangsunterricht genommen, vier Monate lang, damit ich das von Desmond gewünschte Niveau erreichen kann. Doch zu guter Letzt hat sich die ganze Plackerei gelohnt, denke ich.

Auffällig an "The Monster Is Loose" ist, dass die Platte um einiges rockiger und druckvoller ausgefallen ist als seine beiden Vorgänger. Eine bewusste Entscheidung?

Meat Loaf: Auf alle Fälle, denn zumindest auf der Bühne war ich immer schon eine Rock-Sau, dieses mal habe ich jenen Charakterzug auch auf Platte ausgelebt. Wobei insgesamt stets das Theatralische bei mir im Vordergrund steht.

Ist diese Bombast-Nummer Berechnung von dir, weil du weißt, dass die Leute sie von dir erwarten?

Meat Loaf: Das will ich nicht leugnen, denn privat bin ich nicht diese schwülstige, ausufernde Figur, die man als Meat Loaf von der Bühne oder auf CD kennt. Aber natürlich liebe ich die Verwandlung in den Chef-Dramatiker, der ist eine Rolle, die mir auf den Leib geschneidert zu sein scheint! Ich bin durch diese Rolle zum Star geworden, also behalte ich sie bei. Solange es Nachfrage dafür gibt, ist daran absolut nichts Ehrenrühriges. Ich bin nun mal ein Entertainer, ich erfülle liebend gerne die Erwartungen meiner Fans.

Hast du dennoch versucht, deine Zuhörer mit dem Abschluss der "Bat"-Trilogie in irgendeiner Form zu überraschen?

Meat Loaf: Na klar, denn sonst wäre die Produktion für mich langweilig gewesen - und Langeweile kann ich auf den Tod nicht ausstehen! Wobei es in diesem Falle schwierig ist, die Menschen zu überraschen, weil sie bei "Bat Out Of Hell III" ganz genau zu wissen glauben, was sie zu erwarten haben. Aber immerhin, es ist eine sehr raue, heftige Scheibe geworden, das Theatralische stand nicht mehr ganz so sehr im Vordergrund wie bislang. Ich freue mich jedenfalls darauf, die aktuellen Stücke live zu präsentieren.

Obwohl die "Bat"-Trilogie mit diesem letzten Teil abgeschlossen zu sein scheint - schließt du es aus, dass es nicht irgendwann einen vierten Part dieser Reihe gibt?

Meat Loaf: Um James Bond zu zitieren: Man sollte niemals nie sagen. Allerdings kam es mir bei dieser Serie stets darauf an, das Qualitätslevel von Mal zu Mal steigern. Ich hoffe, diesem Anspruch bin ich gerecht geworden. Und ich wüsste definitiv nicht, wie ich "The Monster Is Loose" noch überbieten sollte. Andererseits: Wer weiß schon, was in zehn Jahren sein wird? Im Moment allerdings mache ich mir über eine Fortsetzung keinerlei Gedanken und bin nur einfach froh, dass die aktuelle Scheibe fertig ist. Die Fledermaus hat jetzt ein Recht darauf, sich für lange Zeit auszuruhen. Vielleicht sogar für immer...

Meat Loaf spielt am 24. Oktober in der Nürnberger Arena. Karten gibt es beim NT/AZ-Ticketservice (Telefon 0961/85550 und 09621/306230).

Weitere Informationen im Internet: www.meatloaf.net
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