Jacques Jakob Mieses
Kalenderblatt

Vor wenigen Tagen stand die 150-ste Wiederkehr des Geburtstages einer historisch äußerst bedeutenden Schachpersönlichkeit auf dem Kalenderblatt: Die von Jacques Mieses. Er wurde am 27. Februar 1865 in Leipzig in eine schachbegeisterte jüdische Familie hineingeboren. Schon früh entdeckt man sein schachliches Talent.

Nach Besuch der Thomasschule und dem Abitur studierte er Naturwissenschaften in Leipzig und Berlin, wo er Mitglied der Berliner Schachgesellschaft wurde. Seinen ersten größeren Erfolg am Brett errang er 23-jährig beim Turnier in Leipzig mit dem 3. Platz. Dies war der Startschuss zu einer Meisterkarriere. Innerhalb von sechzig Jahren nahm Mieses an 60 Meisterturnieren teil, wobei er 1907 in Wien und 1923 in Liverpool siegte.

Seine Kämpfernatur zeigt vielleicht noch besser, dass er daneben zwanzig Zweikämpfe gegen namhafte Gegner ausfocht sowie verschiedene Blind-und Simultanvorstellungen gab. Seine beste historische Elo-Zahl betrug 2660. Zeitweilig lag er auf Platz 9 der Weltrangliste.

Mieses war ein Multitalent. Da wäre einmal sein journalistisches Wirken zu erwähnen. Für mehrere Zeitungen schrieb er Schachspalten und Turnierberichte. Besser bekannt dürfte Mieses als Autor und Theoretiker sein. Unter den 40 von ihm verfassten Schachtiteln ragen - als Nachfolger von Jean Dufresne - die vielen Auflagen des renommierten "Kleinen Handbuch des Schachspiels" heraus.

Auch als Organisator trat Mieses in Erscheinung. So leitete er das bedeutende Turnier San Sebastian 1911. Dort setzte er erstmals die kostenlose Anreise und Unterkunft für Meisterspieler durch. Und ein Rekord steht zu Buche: Mit 85 Jahren war Mieses der älteste Spieler, dem der Weltschachverband den Großmeistertitel verlieh.

Sehen Sie seinen Sieg im Wiener Gambit-Turnier 1903 gegen den deutschen Schachmeister Richard Teichmann, dem er 1895 in London in einem Zweikampf deutlich unterlegen war.

Weiß: Richard Teichmann

Schwarz: Jacques Mieses

1.e4 e5 2.f4 exf4 3.Lc4 Sf6 4.Sc3 Sc6 5.Sf3 Lb4 6.0-0 0-0 7.e5 Sh5 8.Sd5 d6 9.d4 Le6 10.De2 dxe5 11.Sxb4 Sxb4 12.Lxe6 fxe6 13.c3 Sc6 14.Sxe5 Sxe5 15.Dxe5 Dd5 16.De2 Tf5 17.Ld2 Taf8 18.Tae1 T8f6 19.b3 c5 20.Dc4 Dc6 21.Te5 Txe5 22.dxe5 Tf5 23.g4 Txe5 24.gxh5 Tg5+ 25.Kf2 Dg2+ 26.Ke1 Te5+ 27.Kd1 f3 28.Lf4 b5! 0-1

Tagesnotizen:Die Position zuTaktikaufgabe Nr. 92astammt aus einer Partie, die 2008 im Superfinale der Russischen Meisterschaft zwischen den Super-GM Peter Svidler und Nikita Vitiugov gespielt wurde. Schwarz am Zug setzte in der Diagrammstellung mit 1...De1+ fort und musste lange um das Remis bangen. Zu seinem Leidwesen übersah er eine feine Gewinnwendung. Sehen Sie, wie Schwarz am Zug die Partie zu seinen Gunsten entscheiden konnte?

Mit einer Dreizüger-Trilogie in Miniatur stellt sich mit Aufgabe Nr. 92bder sachsen-anhaltinische Problemkomponist Manfred Mündel aus Halle/Saale den Lesern der Schachecke vor. Das bedeutet: Zu lösen ist

a) die Aufgabe gemäß Diagramm

b) wie Stellung a, doch wird die Dame nach Feld a8 verstellt und

c) wie Stellung b, doch wird aus dem Springer d5 ein weißer Turm und der Springer f3 entfernt.

Also: Three in one. Schöne Mattbilder warten auf den Löser!

Lösungen: In Taktikaufgabe Nr. 91a (Novkovic-Van der Weide, W: Kh2, Te2, Te3, Lh6, Ba2, f2, g2 [7], Schwarz: Kg8, Da1, Tf7, Ba7, c6, f6 [6]) stand der bosnische IM Milan Novkovic während der gesamten Partie mit dem Rücken zur Wand. Dies änderte sich schlagartig nach dem letzten Zug von Schwarz, als dieser seinen angegriffenen Turm f8 nach 0...Tf7? stellte. Nach dem Fehlzug kommt Weiß mit 1.Tg3+!auf die Siegesstraße.

Nach 1...Kh7 erwartet Schwarz einen Rückzug des Läufers, um danach seine Stellung mit Tg7 zu konsolidieren. Weiß jedoch entscheidet die Partie mit 2.Te4! für sich. 2...Kxh6? verbietet sich wegen 3.Th4#. Andererseits droht Weiß 3.Th4 nebst Matt durch Abzug des Läufers aus der h-Linie. Wehrt sich Schwarz dagegen mit 2...Kh8, kommt Weiß mit 3.Th4 in entscheidenden Vorteil: 3...Th7 4.Lg7+ Kg8 5.Lxf6+ Kf8 6.Lxa1 Txh4+ 7.Th3 mit leicht gewonnenem Endspiel.

Nach sofortigem 1...Kh8 schaltet Weiß das Zwischenschach 2.Te8+ ein, um nach 2...Kh7 mit 3.Te4 in die beschriebene Gewinnfolge einzulenken.

Ein weiteres instruktives Beispiel aus der Reihe "verflixte Fehler"!

Bei dem Vierzüger in Aufgabe Nr.91b (Kozdon, W: Kf2, Tg7, Lf8, Bf7 [4], S: Kh8, Db1, Tb2, Th6, Lh7, Sa4, Se1, Bd3, e2, g6, h3 [11]) kämpft Weiß gegen eine große materielle Übermacht. Die Stellungsanalyse zeigt, dass der weiße König (zunächst) sicher steht. Ferner, dass nach einem beliebigen Wegzug des Läufers Feld f8 für 2.f8D+ Lg8 3.Dxg8# frei wird. Doch wohin mit diesem Läufer? Nicht nach 1.Ld6?/ Le7?, da sich Schwarz nach 1...Tb8 2.Le5/Lf6 (beides droht 3.Tg8#) mit dem Schachgebot 2...Db6+! rettet. Besser geschieht der "Opfer"-Schlüssel 1.Lc5!

Der Springer a4 könnte zwar den Läufer schlagen, doch hat Schwarz die Drohung 2.f8D+ 3.Dxg8# zu beachten. Pariert Schwarz diese mit 1...Tb8, baut Weiß mit 2.Ld4! eine tödliche Turm/Läufer-Batterie auf und droht 3.Tg8#/Tg6#. Einzige Parade: 2...Lg8. Danach folgt elegant die Unterverwandlung 3.f8S! Zwar setzt sich Weiß damit einem Schachgebot aus, droht andererseits 4.Txg6#/Th7#. Doch 3...Txf8+ erlaubt 4.Tf7# mit Kreuzschachmatt. Bleibt bei diesem Abspiel ist noch anzumerken, dass der Schlüsselzug vor dem Damenschachgebot auf b6 schützt.

Verteidigt sich Schwarz gegen das mit dem Schlüsselzug aufgestellte Drohmatt mit 1...Da2 (überdeckt Feld g8), folgt unter Schachzwang 2.Tg8+ Lxg8 (blockt dem König dieses Feld) 3.Ld4+ Kh7 4.f8S#. Eine Schlussbemerkung: Nach dem Schlüsselzug kommt 1...Kxg7? wegen 2.f8D# nicht in Frage.

Ein exzellentes Stück des Internationalen Meisters für Schachkompositionen mit den Problemideen "Schachschutz" und "Unterverwandlung"!
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