Jenseits aller Trends

Augustinerpater Jeremias Kiesl aus Erfurt und Schwester Leonie Voitenleitner von den Franziskanerinnen aus Reute berichteten im Waldauer Pfarrsaal über ihr Ordensleben. Bild: dob

Aus Elisabeth Voitenleitner und Matthias Kiesl sind längst Schwester Leonie und Pater Jeremias geworden. Unter dem Motto "Kloster trifft Heimatgemeinde" berichteten sie beim Pfarrfamilienabend in Waldau über ihre Erfahrungen.

Zuvor hielten sie in einem Gottesdienst in der Benefiziumskirche St.-Johannes-Nepomuk die Predigt. Anschließend erläuterten sie im Pfarrsaal den etwa 30 Zuhörern darunter Dekan Alexander Hösl und Pfarrgemeinderatssprecher Alexander Koller, ihren weitreichenden Schritt in die Klostergemeinschaften.

Riesiges Fest

Beim gebürtigen Waldauer liegt der Eintritt zwar schön länger zurück, aber dennoch ist er ihm noch genauso in Erinnerung wie Schwester Leonie, die vor zwei Jahren ihr Gelübde ablegte. Als Pater Jeremias Ende Mai 1997 in seiner Heimatgemeinde Primiz feierte, war es ein riesiges Fest.

Eher still und ohne viel Aufhebens machte sich Schwester Leonie vor einigen Jahren auf den Weg ins Kloster. Eigentlich war sie für Exerzitien in Mallersdorf als Pflichtteil ihres Studiums der Religionspädagogik angemeldet, aber sie spürte: "Da muss ich weg." Dann schob sie das Ende dieser Besinnungstage immer ein wenig vor sich her. Doch es half nichts, im letzten Semester brauchte sie die Bestätigung der Teilnahme an den Besinnungstagen. Sie entschied sich für die Franziskanerinnen von Reute bei Bad Waldsee im Kreis Ravensburg am Bodensee. Fünf Jahre später hieß sie Schwester Leonie, hatte Postulat und Noviziat hinter sich und legte die zeitliche Profess ab, der nach weiteren fünf Jahren die Ewige Profess folgen könnte. Sie ist in Heggbach in einer Einrichtung für behinderte Menschen tätig und in der Seelsorge sowie als Gemeindereferentin eingesetzt. Es macht ihr viel Freude.

Jungfräuliche Keuschheit, Gehorsam und ein Leben in Armut - das will reiflich überlegt sein und muss langsam wachsen. Ein Schritt, den der 46-Jährige Jeremias längst getan hat. Den meisten Besuchern ist er noch als kleiner Bub in Erinnerung. Mittlerweile lebt er seit zwei Jahren in Erfurt. Die Stadt mit dem Augustinerkloster, in dem Luther zwischen 1505 und 1511 wesentliche Impulse für sein späteres Wirken erhielt, ist ein ganz besonderer Ort. In der kleinen Kommunität lebt der Waldauer mit zwei weiteren Augustinern. Bereits als Gymnasiast schnupperte Kiesl Augustinerluft in Weiden. Im Augustiner-Seminar erlebte der Jugendliche eine freie Atmosphäre.

Pater Jeremias hat sich genauso wie Schwester Leonie für ein Leben entschieden, das bestimmt nicht im Trend liegt, wenigstens nicht in Deutschland. Aktuell gibt es in der Bundesrepublik noch rund 60 Augustinermönche. Die Zahl hat sich im vergangenen Vierteljahrhundert halbiert. Im Kloster Reute befinden sich einige Schwestern in den verschiedenen Stufen ihrer Ordensausbildung, erzählte Schwester Leonie.

Glücklicher Eindruck

Unter den Besuchern waren auch die Mütter der Ordensleute Agnes Kiesl aus Waldau und Ingrid Voitenleitner aus Vohenstrauß. Sie verfolgten ganz genau, was ihre Kinder berichteten und waren zufrieden, denn beide machten einen glücklichen Eindruck.
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