Jenseits des Lärms

Einen Gang zurückschalten, den Trubel vermeiden und zur Besinnung kommen. Dies war die Botschaft einer großartigen Feierstunde in der St.-Erhard-Kirche in Roggenstein, in der auch die Oberpfälzer Weihnachtsgeschichte eine Rolle spielte.

"Da Hiascht is verganga und D'Hetz hout an End. Ma dout goar niat schpanna, wöi Zeit dahierennt." Es gibt wohl kein anderes Werk, das in der Adventszeit eine solche Hochkonjunktur erlebt wie die Oberpfälzer Weihnachtsgeschichte, die der Weidener Josef Sterr unlängst bei der Feierstunde in der St.-Erhard-Kirche zum Besten gab.

Zum Finale des Jubiläumsjahrs der Kirche spielt am Sonntag die Bläsergruppe Ebnet. Der Bayerische Rundfunk läutete den Ausklang bereits am dritten Adventssonntag mit dem Glockenklang der Pfarrkirche bayernweit ein.

Laut war tabu

Die Sprecherin des Pfarrgemeinderats, Birgit Gösl, empfahl, den Trubel vor dem Kirchenportal zu lassen. Tatsächlich gab es in den nächsten 90 Minuten kein Knöpfchen für laute Beschallung, sondern eine echte, ehrliche und mit großer Empathie vorgetragene Adventsstimmung. Der "Roggensteiner Vierklang" mit den Klarinettistinnen Inge Wolfrath, Heidi Hierold und Kathrin Bayer sowie Renate Kellner am Bass ließ mit "Kommet ihr Hirten" aufhorchen.

Der "Oberpfälzer Saitenklang" mit Ludwig und Angela Putzer aus Vohenstrauß, Norbert und Irmgard Puff aus Miesbrunn, Josef Sterr aus Weiden und Gisela Grim aus Nabburg startete den musikalischen Reigen im durch romantischen Kerzenschein erhellten Gotteshaus mit "Schei langsam wird's still". Mit ruhigen Worten leitete der Organisator des Nachmittags, Josef Sterr, zur Adventszeit über: "Es steiht im Kalender, am 24. Dezember is der Heiland gebor'n - und drum is die Welt niat verlor'n." Die Gäste, darunter die Bürgermeister Andreas Wutzlhofer und Uli Münchmeier, wurden mit Liedern und Weisen, die gut in diese Jahreszeit passten und die sich auf die biblischen Ereignisse bezogen, beschenkt.

Bayerwald-Jodler

Im Schein der dritten Adventskerze meinte der "Lamer Winkl Vierg'sang" vor dem Hochaltar: "Ganz staad is im Land umadum." Die Sänger Johann Eckl, Klaus Huber, Hermann Koller, Otto Vogl und Kirchenmusiker Ewald Pirtzl am Akkordeon verbargen sich hinter dieser Gruppe. "Im Woid is so staad" und einen Jodler stimmten die Bayerwaldler ebenfalls an.

In neun Abschnitten interpretierte Sterr "D 'Weihnachtsg'schicht" in Oberpfälzer Version mit kraftvollem Dialekt und mit Handlungen in der Region. Da trifft das heilige Paar dann bei der Herbergssuche eben nicht auf Juden und Römer, sondern auf Bauern und Wirte. Bethlehem wurde einfach in die Oberpfalz geholt.

Es ist die biblische Geschichte der armen und einfachen Leute. Diese Erzählung hat bis heute nichts an Faszination und Aktualität verloren, denn auch heute gibt es die Kluft zwischen Armen und Reichen. Weitere Glanzpunkte setzten der "Josefshofer Hausg'sang" aus Reuth bei Erbendorf mit Christa Böhm und Edeltraud Frank. Berührend das Weihnachtsmenuett oder "s 'Kripperl im Wold", wiederum vom "Oberpfälzer Saitenklang". "Wenn d'Leit millionenfach die Weihnachtsbotschaft ,Friede auf Erden' anstimmen, nou Leit, nou wird's schei", hoffte Sterr. Pfarrer Gerhard Schmidt meinte schließlich wie Alfred Flury: "Lass die kleinen Dinge, nimm dir Zeit, einmal ist es auch für dich soweit." Man müsse nur von Zeit zu Zeit die Augen schließen und alles ausblenden, riet der Geistliche.
Weitere Beiträge zu den Themen: Roggenstein (495)12-2014 (6638)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.