Jodler mit Hang zur Henna

Willi Hartinger bereicherte im niedersächsischen Klein-Escherde das kuriose Almabtriebsfest. Beim bunten Abend waren 5000 Gäste von seinen JodelEinlagen begeistert. Bild: hfz

Als er grad mal 20 Jahre alt war, gewann Willi Hartinger einen einwöchigen Crash-Kurs bei Jodel-Legende Franzl Lang - das ist der mit den unvergleichlich schiefen Zähnen. Willi Hartinger hat gerade Zähne, aber eine schräge Idee: Jodeln bis zur Diplomreife "DuDödelDu".

Pfreimd-Weihern. (cv) Seit zehn Jahren wohnt der 61-Jährige mit Ehefrau Irene im schmucken Einfamilienhaus in Weihern. Den Bauüberwacher für Leit- und Sicherungstechnik, federführend zuständig für das Bahnregionalnetz Süd, bringt man nicht zwangsläufig mit dem Hobby Jodeln in Verbindung - bis Willi Hartinger zu erzählen beginnt.

Bei der Funkausstellung

Irgendwie ist dem Mann mit den vielen Lachfältchen die Musik in die Wiege gelegt worden. Vater Willi war begeisterter Panflötenspieler. Willi junior sang und jodelte von Kindheit an gerne, lernte Gitarre und hatte ein großes Vorbild: "den schiefen Zahn Franzl Lang" vom Schliersee. 1973 gehörte für Willi Hartinger der ARD- Talentschuppen zum Pflichtprogramm. "Da mach' ich mit", beschloss der 20-Jährige. "Der Leyerer Karl aus Wernberg-Köblitz hat Quetschn gespielt, und ich hab gejodelt". Das nahezu "antike" Tonband, mit dem die Lieder aufgenommen wurden, gibt es übrigens heute noch. Das Duo punktete, wurde zum Vorsingen ins Rundfunkstudio eingeladen und postwendend auch zur Funkausstellung nach Berlin. Im volkstümlichen Wettbewerb schrammte Willi Hartinger nur knapp am Hauptpreis, einem Plattenvertrag mit Ariola, vorbei.

Doch immerhin gab es eine lustige Jodelwoche bei Franzl Lang. "Denn Jodeln, das muss aus dem Kehlkopf kommen, das ist Oktavenspringen," weiß der Jodel-Experte, der Töne und Technik beim großen Vorbild perfektionierte.

Willi mischte dann überall mit: Beim 100-Jährigen der Feuerwehr Stein stand er neben Erni Singerl auf der Bühne, jodelte den "Appenzeller" und die "Norwegische Serenade". Den passionierten Skifahrer zog es immer wieder in die Berge, natürlich auch zum Après-Ski auf die urigen Hütten in der Schweiz und in Österreich. In Les Crosets entstand "die Sennerin". "Mei, und wo ich war, hieß es ,Willi sing was'." Schon war der nächste Jodler geboren: "Immer, wenn i was singen soll, fällt mir halt nix ein." Die Geburtsstunde der "Hanghenna" schlug dann beim Skilehrerkurs im Zillertal: Zum Finale führten die Gaudiburschen das Stück vom "Hanghenna-Mörder" auf. Die Erklärung des Stücks "würde zu weit führen", schmunzelt Hartinger, doch es inspirierte zum Titel für eine CD.

"Ich hatte die Lieder im Kopf. Hanghenna, Mein Mädchen, Lieder der Heimat, Naabtal-Jodler und Toni Hürlimann", erzählt Hartinger. Letzteres auf Schweizerisch. Das Stück vom Toni Hürlimann wurde denn auch im Schweizer Rundfunk gespielt und von dem gleichnamigen Brauereibesitzer gehört. Er bestellte 5000 Exemplare.

Durch das ganze Jodlerleben zog sich die Verbandelung mit dem BR. Als Mitglied des Bayern1-Radio-Clubs wurde Hartinger im "Nachmittags-Café" vorgestellt, lernte Maximilian Berg, Tilmann Schöberl, Indendant Dr. Thomas Gruber kennen. Mit Stadionsprecher Stefan Lehmann ist er per Du und ein dickes Dankesschreiben gab's für den Willi, weil er beim Almabtrieb in Klein Escherde bei Hannover mitmachte. Das platte 550-Einwohner-Dorf hat kurioserweise einen Almabtriebsverein und wollte ein Fest organisieren. Die Hilfe aus Bayern war dank BR und der vermittelten Musiker gewiss.

Mit Lindsey Vonn

"Best of Willi" wird in Klein Escherde und auf Skihütten gespielt. Skiass und Jodeltalent - diese Kombination öffnete Türen zu Markus Wasmeier oder kürzlich in St. Moritz zu Skirennläuferin Lindsey Vonn, die mit Tiger Woods im Julia Palace in St. Moritz hereinspazierte. "Da haben wir die CD 20 Mal laufenlassen", lacht Willi Hartinger. Mit einer Neuauflage wartet er aber derzeit noch. "Wenn ich im Ruhestand bin, starte ich wieder durch", meint er gut gelaunt.

In der Zwischenzeit hat er eine andere Spielwiese entdeckt und beim Schüleraustausch des Kreisjugendrings Neustadt an der Waldnaab ausprobiert: Beim Abschlussabend sollte sich jede Nation präsentieren. Mit Willi gab es den Jodelkurs "DuDödelDu" - und ein Diplom dazu.
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