Johanna Eisner stellt beim Bauernverband in Zessau das Wunderkorn Dinkel vor
Kerniger Alleskönner

Vom Brot bis zum Badezusatz: Über die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten des Dinkels klärte Johanna Eisner im Zessauer Gemeinschaftshaus auf. Bild: bjp
Das "Kultkorn" Dinkel stand im Mittelpunkt eines Kochabends mit Johanna Eisner, zu dem der Bauernverband ins Gemeinschaftshaus eingeladen hatte. Die Hauswirtschaftsmeisterin und Kennerin der "Hildegard-Küche" überraschte die 20 Teilnehmerinnen nicht nur mit schmackhaften fleischlosen Speisen, sondern auch mit vielen verblüffenden Erkenntnissen.

Vor allem eines lag der Kemnatherin am Herzen: "Allergische Reaktionen rufen nur Dinkelsorten hervor, die mit Weizen gekreuzt worden sind." Nur vier der in Deutschland angebauten Sorten seien noch frei von Weizeneinkreuzungen: Bauländer Spelz, Schwabenkorn, Oberkulmer Rotkorn und Ebners Rotkorn. Sie seien auch bei Nordoberpfälzer Mühlen erhältlich. Das seit 8000 Jahren angebaute Getreide gelte als gleichermaßen ertüchtigend für Körper und Gemüt und sei eine der "Säulen" der von Hildegard von Bingen im 12. Jahrhundert begründeten Naturheilkunde. "Dinkel ist das beste Getreidekorn", urteile die Kirchenlehrerin in ihrer Studie "Physica".

Nicht nur zur Erzeugung von Brot und anderem Gebäck tauge Dinkel, wusste Johanna Eisner: "Auch ein Bier, das in seinem Aroma dem Weizenbier ähnelt, lässt sich brauen." An Balsamico erinnere milder Dinkelessig, der nicht nur für bekömmliche Salatdressings, sondern auch als Zugabe zu Erfrischungsgetränken und sogar als Bestandteil von Badezusätzen und Kosmetika tauge. Bettunterlagen und Kissen, die mit Dinkelspelzen gefüllt seien, sage man nach, dass sie Erdstrahlen absorbierten.

Die gesundheitsfördernde Kraft des Dinkelkorns lasse sich durch geschickte Auswahl weiterer Zutaten verstärken, wobei auch den Gewürzen eine Schlüsselrolle zukomme. Besonders empfahl die Referentin drei Gewürze, denen auch Hildegard einen hohen Wert beigemessen habe. So fördere der Feldthymian alias Quendel Hirnleistung und Gedächtnis: "Quendelplätzchen heißen nicht ohne Grund auch Gedächtniskekse." Auch bei Ausschlägen helfe das aromatische Kraut. Als herzstärkend und durchblutungsfördernd werde der Galgant geschätzt, und über das Bertramgewürz habe die heilige Hildegard geschrieben, es rege die Verdauung an, reinige den Körper und "verscheuche" jegliches "Kranksein".

Dass eine derart gesunde Küche auch hervorragend mundet, bewies Eisner mit einer Speisenfolge, an deren Anfang eine aus Dinkelmehl, Zwiebeln, Butter und Majoran bestehende "vegetarische Leberwurst" auf Dinkelbrot stand. Es folgten eine Suppe mit geröstetem Dinkelgrieß und ein Habermus mit Apfelstücken. "Das Wort 'Haber' steht für jedes gebrochene Korn, hat also nicht zwingend mit Hafer zu tun", stellte Eisner klar. Ein Risotto aus Gemüse und Dinkelreis, bei dem es sich um die von ihrer Kleie befreiten Körner handelt, sowie eine vegetarische Dinkelpizza und süße Quark-Dinkel-Bällchen rundeten das Menü ab.
Weitere Beiträge zu den Themen: Zessau (209)Oktober 2015 (8435)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.