Joseph Henry Blackburne
Historie

Wiederkehr des Geburtstags am 10. Dezember gibt Anlass, des vor 90 Jahren in London verstorbenen englischen Schachmeisters Joseph Henry Blackburne, eines der hervorragendsten und erfolgreichsten Schachspieler in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, zu gedenken.

Blackburne, der zunächst ein ausgezeichneter Dame-Spieler war, erlernte mit 18 Jahren erst verhältnismäßig spät die Schachregeln. Anstoß hierzu gab der kometenhafte Aufstieg des amerikanischen Supertalents Paul Morphy, der Anfang der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts alle europäischen Spitzenspieler schwindlig spielte. Blackburne studierte die damals führende Schachliteratur, das Handbuch von Howard Staunton, und trat dem "Manchester Chess Club" bei.

Schon bald war er in der Lage, zehn Blindpartien simultan zu spielen und widmete sein Leben fortan als Berufsspieler dem Schachspiel. Dass man ihn respektvoll "Black Death", den schwarzen Tod, bezeichnete, lag nicht allein daran, dass er regelmäßig mit einem schäbigen schwarzen Anzug und altem schwarzen Zylinder ans Brett kam, sondern als einfallsreicher Angriffs- und Kombinationsspieler mit eisernen Nerven gefürchtet war.

Schon als 21-Jähriger begann er seine Turnierlaufbahn. Über einen Zeitraum von mehr als 50 Jahren nahm Blackburne an fast allen bedeutenden Meisterturnieren der Welt teil und erzielte dabei nennenswerte Resultate. Neben vielen zweiten und dritten Plätzen ragt sein Sieg beim Meisterturnier London 1886 und insbesondere der Gewinn des Meisterturniers anlässlich des 2. Kongresses des Deutschen Schachbundes Berlin 1881 heraus, das alle führenden Schachmeister dieser Zeit am Start sah.

Sehen Sie aus diesem Turnier Blackburnes Gewinnpartie gegen den Begründer der russischen Schachschule, Michael Tschigorin, der bei Blackburnes Sieg hinter Johannes Hermann Zuckertort den 3. Platz belegte.

Weiß: Joseph Henry Blackburne

Schwarz: Michael Tschigorin

1.Sf3 d5 2.d4 Sf6 3.e3 e6 4.Le2 b6 5.0-0 Lb7 6.b3 Ld6 7.c4 0-0 8.Sc3 Sbd7 9.Lb2 Se4 10.Tc1 a6 11.Dc2 f5 12.g3 Sdf6 13.Sa4 c6 14.Sxb6 Lxg3 15.hxg3 Dxb6 16.Se5 Tac8 17.c5 Dc7 18.Kg2 Sd7 19.Sd3 Tf6 20.Th1 Tcf8 21.Th3 g5 22.Tch1 T6f7 23.Lc1 Tg7 24.Kf1 Sdf6 25.b4 Lc8 26.Ke1 a5 27.a3 La6 28.Se5 Lxe2 29.Kxe2 Sg4 30.Sd3 axb4 31.axb4 Sgxf2 32.Sxf2 Sxg3+ 33.Txg3 Dxg3 34.Kf1 g4 35.Tg1 Dh2 36.Th1 Db8 37.Sd3 Db5 38.Kg2 Ta8 39.Kg3 Tga7 40.Lb2 Ta2 41.Dh2 T8a7 42.Dh6 Te7 43.Dg5+ Kf8 44.Df6+ Ke8 45.Se5 Kd8 46.Df8+ Te8 47.Dd6+ Kc8 48.Dd7+ 1-0

Tagesnotizen: Die Taktikaufgabe Nr. 86a wurde beim diesjährigen Euro-Cup in Bilbao gespielt. Der die weißen Figuren führende US-amerikanische Supergroßmeister Hikaru Nakamura hatte seinen niederländischen GM-Kollegen Martijn Dambacher strategisch überspielt. Insbesondere dessen Turm a5 nimmt nicht am Spiel teil. Mit seinem letzten Zug 0...Sd7-e5 hatte Schwarz vordergründig seinen Springer zentralisiert, damit jedoch erheblich fehlgegriffen. Wie wies Weiß am Zug dies als den entscheidenden Fehler nach?

Im Dreizüger der Aufgabe Nr. 86b aus eigener Werkstatt stehen beide Könige sehr unsicher. Doch steht Weiß am Zug auf der 1. Reihe und der h-Linie jeweils eine Läufer-/Turmbatterie zur Verfügung. Ob eine solche Batterie, und wenn ja welche, zum Matt in drei Zügen beiträgt?

Lösungen: Die Taktikaufgabe Nr. 85a (Richter-Hübner, W: Kg1, Dd3, Tb7, Tc1, Lf6, Sf3, Ba3, d4, e5, f2, g2, h6 [12], S: Kg8, Da5, Ta8, Tf8, Lb5, Sc4, Ba6, d5, e6, f7, g6, h7 [12]) zeigt eindrucksvoll, weshalb man den Berliner Kurt Richter wohl zu Recht als "Scharfrichter" betitulierte.

Die schwarze Position krankt erheblich daran, dass dem Schwarzen der schwarzfeldrige Schutzläufer fehlt. Neben den Dominatoren, Läufer f6 und Bauer h6, sind auch die übrigen weißen Figuren günstig postiert. Mit dem Hammer 1.Dxg6+!münzt Weiß seinen Positionsvorteil in Gewinn um. Der krachende Einschlag öffnet die Linien zum schwarzen König. Es hilft weder 1...hxg6 2.Sg5 (droht 3.h7#) 2...Tf beliebig 3.h7+ Kf8 4.h8D(T)#, noch 1...fxg6 2.Tg7+ Kh8 3.Sg5 (droht 4.Txh7+ Kg8 5.Th8#)3...Txf6 4.exf6 (droht 5.Sf7#) 4...Tf8 oder 4...Le8 5.f7 (droht 6.Txh7#) 5...T(L)xf7 6.Sxf7#.

Eine Angriffslektion des "Scharfrichters", die man sich merken sollte!

Mit dem Fünfzüger in Aufgabe Nr. 85b (Dr. Woschnik, W: Kc4, Da6, Lg7, Lh7, Ba4, c3, d5, f2 [8], S: Kb2, Ta1, Lc1, Sb1, Ba2, a3, b3, d2, f3 [9]) stellten wir den renommierten schwäbischen Problemkomponisten erstmals den Lesern der Schachecke vor.

Die Stellungsanalyse zeigt, dass sich der schwarze König dem Beschuss durch das weiße Läuferpaar ausgesetzt sieht. Läufer h7 kontrolliert bereits die Diagonale b1/h7. Dem Läufer g7 steht noch der blockierte Bauer c3 im Weg. Um diesen beweglich zu machen, muss der weiße König sein Standfeld verlassen. Bei der Wahl des Zielfeldes hat er darauf zu achten, die Läuferlinien nicht zu unterbrechen und gleichzeitig das Feld c3 zu kontrollieren.

Beide Voraussetzungen erfüllt Weiß mit 1.Kb4! und droht nun 2.c4+ Sc3 3.Lxc3#. Diese Drohung pariert Schwarz allein mit der Unterverwandlung 1...d1S, da der Umwandlungsspringer das Feld c3 zusätzlich kontrolliert. Der Schlüsselzug hat zudem das Feld c4 für2.Dc4 geräumt, womit Weiß 3.Dxb3# droht.

Diese Mattdrohung wiederum wehrt Schwarz - unter Aufgabe der Kontrolle über Feld c3 - noch wirksam mit 2...Sd2 ab. Wäre nun der c-Bauer beweglich, bedeutete dies Matt in zwei. Doch die Dame blockiert den Bauern. Mit dem Damenopfer 3.De2!, das zudem den Springer d2 fesselt, hebt Weiß die Blockade des c-Bauern auf und löst Zugzwang aus. Sowohl 3...Tb1 als auch 3...fxe2 führt zu 4.c4+ Sc3 5.Lxc3#.

Eine feine Geschichte um Blockung und Entblockung!
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