"Junge wieder mehr einbinden"

Tobias Gruber und Jasmina Jobst wollen etwas bewegen. Deshalb engagieren sie sich in der Gewekschaftsjugend. Bild: doz

Seit rund zwei Monaten gibt es in Schwandorf eine DGB-Gewerkschaftsjugend. Ihre Ziele sind ehrgeizig: Sie wollen vor allem junge Männer und Frauen für ihre Themen gewinnen und setzen durchaus politische Statements.

Über die Gründung und die Pläne sprach Redakteur Christopher Dotzler mit den beiden Mitglieder Tobias Gruber (26, aus Schwandorf, IT-Systemelektroniker beim Landratsamt) sowie Jasmina Jobst (21, ebenfalls aus Schwandorf, arbeitet beim Bayernwerk als Kauffrau für Bürokommunikation).

Warum habt ihr euch entschlossen, eine Gewerkschaftsjugend zu gründen?

Wir haben geschaut, wer aktiv ist und wer nicht - und haben festgestellt, dass es in Schwandorf mehrere aktive Menschen gibt. Wir haben Mitglieder von Gewerkschaften angeschrieben und wollten sie kennenlernen und betrachten, welche gemeinsame Interessen es gibt. Wir haben festgestellt, dass wir bei vielen Themen an einem gemeinsamen Strang ziehen. Deshalb entschieden wir uns: Wir machen es wie in anderen Städten und gründen eine Gewerkschaftsjugend. Wir sind dann relativ gut gewachsen. Momentan haben wir 24 Mitglieder.

Wer hatte die Idee und wie lange gibt es euch schon?

Es gab in Schwandorf bereits eine Verdi-Jugend. Sie war aber ziemlich klein - mit nur vier Personen. Gerade wenn wir politische Themen behandeln wollen, sind das zu wenige. Diese Jugend gab es seit November 2014. Am 1. Mai hielten wir unsere erste Jugend-Rede. Seitdem war Gewerkschaftsjugend ein Thema, die sich offiziell vor zwei Monaten im September gründete. Nach dem Auftakttreffen sind viele Mitglieder beigetreten.

Ihr plant am 18. Dezember eine Veranstaltung. Um was geht's da?

Die Gedenkveranstaltung zum Habermeier-Haus. Wir haben uns gedacht: Es gibt so was in der Art schon, aber wir wollen mehr junge Leute ansprechen. Ein Brandanschlag ist geschehen, und es könnte wieder passieren. Wir haben jetzt wieder viele Flüchtlinge. Es ist ein aktuelles Thema. Deshalb versuchen wir es vor allem den Jugendlichen nahe zu bringen.

Was hat es mit dem Habermeier-Haus auf sich?

Von 16. auf 17. Dezember 1988 gab es einen Brandanschlag auf dieses Haus in Schwandorf, den ein Rechtsextremist verübt hat. Dabei kamen vier Personen ums Leben, drei waren türkischer Abstammung und ein Deutscher.

Welche Themen habt ihr sonst noch im Fokus?

Auf jeden Fall die Maikundgebung. Wir wollen sie verjüngen. Die Jungen sollen wieder wissen, was da passiert. Deshalb wollen wir sie einbinden. Dazu müssen wir das Angebot aber attraktiver gestalten. Noch ist alles in Planung.

Ja, das ist unsere Planung intern und haben hierzu verschiedene Lösungsansätze, die besprochen werden müssen. Ansonsten geht es natürlich generell um die Gleichberechtigung. Schwerpunkt ist natürlich der Arbeitsmarkt.

Wer kann bei euch Mitglied werden?

Vom Arbeitsfeld her, darf jeder zu uns kommen. Wir sind vom DGB, das heißt wir sind vom Dachverband. Da sind alle einzelnen Gewerkschaften vertreten. Ob es die IG-Metall, Verdi oder IG BAU ist - das ist egal, die sind alle dabei.

Also ist Voraussetzung schon einmal, dass man Gewerkschaftsmitglied ist?

Genau. Man kann es aber natürlich auch noch nachträglich werden. Die Altersgrenze für die Gewerkschaftsjugend liegt bei 27 Jahren. Unser Gebiet ist der Landkreis Schwandorf und die Stadt. Es kann sich also jeder angesprochen fühlen, der hier arbeitet oder wohnt.

Was sind die Vorteile?

Es kommt darauf an, bei welchem Betrieb ich bin. Wenn er in einem Arbeitgeberverband organisiert ist, dann ist er verplichtet bei seinen Arbeitnehmern die geltenden Tarifverträge zu gewähren. Gibt es da Komplikationen, ist die Gewerkschaft da. Man kann an Warnstreiks teilnehmen, ohne dass man Einbußen hat. Man kann eine Rechtsberatung in Anspruch nehmen, wenn ein Arbeitszeugnis zum Beispiel nicht stimmt. Ein weiterer großer Vorteil ist, dass man ein breites Bildungsangebot kostenfrei in Anspruch nehmen kann. (Im Blickpunkt)
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