Kabarettist und Schauspieler Stephan Zinner berichtet von den Widrigkeiten des täglichen Lebens ...
Erdkrümmung und mangelnde Konsonantendichte

Stephan Zinner begeisterte im "Meisl-Saal" sein Publikum. Bild: hbr

Das war ja mal was Besonderes: Comedian Stephan Zinner schoss bei seinem Auftritt im "Meisl-Saal" ein Feuerwerk an Hinterkünftigkeit und charmanten "Gemeinheiten" ab, die auch vor sogenannten "Tabu-Themen" nicht Halt machten.

Mit der Verpflichtung des Oberbayern ist "culture events" ein Glücksgriff gelungen. Zum mittlerweile sechsten Mal hieß Agentur-Vorsitzender Christian Wenisch zu "Kabarett beim Meisl" willkommen.

Dass sich die Veranstaltung etabliert hat, bewiesen die knapp 150 Gäste, die sich am Freitagabend eingefunden hatten. Der Hauptakteur präsentierte sich im besten "Straßenlook": Abgetragene Jeans, schwarzes Hemd, schwarze Weste und ein verschmitztes Grinsen im Gesicht, das sich fortan auf das bestens gelaunte Publikum übertrug.

Das Kreuz mit dem Navi

Der 40-jährige Trostberger ist überhaupt ein Tausendsassa. Er ist auf vielen Kulturgenres zu Hause und hat sich in der Branche einen Namen als Kabarettist, Liedermacher und Schauspieler gleichermaßen gemacht. In Bruck bewies er, das er Ersteres echt gut drauf hat. Er machte auch keinen Hehl daraus, dass es gut für die "Seele einen Komödianten" sei, wenn der Funke schnell auf den Zuschauer überspringt. Wie ein roter Faden ziehen sich drei Begebenheiten durch sein neues Programm "Wilde Zeiten". Zum Einen sein Kampf mit den Navigationsgeräten, mit denen er scheinbar im ständigen Clinch befindet und denen er nicht über den Weg traut. Um die Marktgemeinde zu finden, hatte er sich zum Ziel gesetzt, umzukehren, wenn ihn der Radiosender "Antenne Thüringen" als Zuhörer begrüßte. Gerade zu den neuen Bundesländern verbindet ihn eine lebenseinschneidende Begebenheit, da seine Frau gebürtige Sächsin ist.

"Servus miteinander"

Seine Gattin und seine drei Kinder sind der nächste "Faden" in seinem Programm. Bei seinen Reiseschilderungen über den Familienurlaub in Italien fühlt man sich schnell mitgenommen nach Carrara, wo das Ziel der Sinners heuer lag.

Hier erfuhr der Besucher Einiges über die Widrigkeiten des Zelt-Aufstellens angesichts des Marmorbodens in der Region, warum er das schiefe Zelt, das seine Frau kritisierte, mit der Erdkrümmung erklärte und wie das schwedische Liebespärchen reagierte, als er nach dem übermäßigen Genuss von italienischen Bier über die Zeltschnüre stolperte und über das Zeltdach hinein die beiden recht leger mit "Servus miteinander" begrüßte. So manch einer der Zuschauer erkannte sich scheinbar schnell wieder, da man nicht wenige Hände sah, die über die mit Lachtränen gefüllten Augen wischten. Wie man bald merkte, waren die gemeinsamen Ferien ein Gräuel für einige Familienmitglieder. So hatte Zinner sein eigenes "Aushaltbarkeitsdatum" für Campingurlaub auf unter 40 gelegt und er hätte sich nichts sehnlicher gewünscht als ein Hotelbett. Sein 14-jähriger Sohn meinte stets gebetsmühlenartig, dass "er nicht hier sein wolle". Als er als Ursache für dieses Ansinnen das fehlende Wlan ausmachte, war Zinner klar, dass sein Sohn eigentlich ein "ganz normales Kind" ist.

Eine Hommage

Den Leuten "aufs Maul schauen" ist eine Vorliebe von Stephan Zinner und er vollzog die ureigensten Gedanken des Bayern, als er von seinem Zusammentreffen mit einem "Neureichen aus der Starnberger Ecke" und seiner jungen "russisch aussehenden" Beifahrerin mitsamt Porsche Cayenne an der roten Ampel erzählte. Sein Beisammensein am Wies'n-Tisch mit vier Miesbacher Metzgern und drei arabischen Biertrinkern sorgte ebenso für Schenkelklopfer, wie die Schilderungen über die Anfahrt zu einem Auftritt im Niederbayerischen, bei der ihn sein Navi einmal mehr austrickste.

Hier stellte er fest, dass es im Freistaat Landstriche gebe, wo "die Konsonantendichte in der Aussprache ein wenig gering sei". Mit seinem anschließenden Lied "Am schönsten is daheim", brachte er jedoch postwendend eine Hommage an seine Heimat. Einer der Höhepunkte im gut zwei stündigen Programm waren seine Schilderungen, als er im Getränkemarkt auf Gott traf. Zumindest war es jemand, auf dessen T-Shirt "Gott" draufstand und der ihm versicherte, das eben gekaufte Löwenbräu-Bier zu Hause in "Augustiner" zu verwandeln. Phänomenal waren auch seine Ausblicke in die Zukunft, in der er eine Business-Lady mit dem iphone 19 mit eingebautem Airbag beschrieb, sich mit der "Gamer-Blase" des computersüchtigen Sohnes seines Kumpels auseinandersetzte und erklärte, warum Schlager überhaupt nicht geht und nur der Blues die ultimative Musikform sei.

Luzifer verzichtet...

Dies unterstrich er mit der Legende von Bluesgitarrist Robert Johnson, dessen Gitarrenspiel sich innerhalb kurzer Zeit so stark verbessert hatte, dass man sich erzählte, er habe seine Seele an den Teufel verkauft und sei von diesem im Gegenzug in die Geheimnisse des Gitarrenspiels eingewiesen worden.

Dies habe Schlagerikone Helene Fischer jetzt auch versucht, informierte Zinner das Brucker Publikum, doch Luzifer verzichtete auf Fischers Seele. Zinner musste ein zweites Mal auf die Bühne kommen, so frenetisch war der Schlussapplaus im "Meisl-Saal", der einen hervorragenden Comedy-Abend adäquat beendete.
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