Kamin entfacht heiße Themen

Für interkommunale Zusammenarbeit setzen sich MdB Ulrich Grötsch, Helmut Hör vom Wirtschaftsbeirat und MdL Tobias Reiß (von links) ein. Bild: cf

Trotz aller Beteuerungen: In der nördlichen Oberpfalz herrscht noch ein hohes Maß an "kommunalem Kirchturmdenken" (MdB Ulrich Grötsch) vor. Der SPD-Bundestagsabgeordnete sowie Landtagsabgeordneter Tobias Reiß (CSU) pflegten den Meinungsaustausch mit der regionalen Wirtschaft. Das "Kamingespräch" brachte durchaus heiße Themen zum Lodern ...

Altenstadt. (cf) Das Miteinander über Parteigrenzen hinweg - für die Region - stand am Donnerstagabend beim "Kamingespräch" des CSU-nahen Wirtschaftsbeirats im Vordergrund. Im Sportheim Altenstadt/WN wollte Gastgeber Helmut Hör die "große Politik" (Flüchtlingsproblem) zwar außen vor lassen: Was bis kurz vor dem Ende des fair und offen geführten Dialogs auch gelang.

Uli Grötsch erinnerte an das Treffen 2014, als der Mindestlohn die Diskussion beherrschte und der Verlust von bis zu 900 000 Arbeitsplätzen beschworen wurde. "Die Welt dreht sich weiter", meinte Grötsch, der jedoch einräumte, dass es bei den (überzogenen) Kontrollen manchmal "knirsche". Von den etwa 15 Unternehmern aus Stadt und Land kam jedenfalls keine einzige Wortmeldung zum Mindestlohn. Tobias Reiß ermunterte zu einem stärkeren regionalen Schulterschluss und regte ein "überörtliches Gewerbegebiet" an.

Stefan Rank brachte die Sorge um die "Bezahlbarkeit" des geplanten Gewerbegebiets West IV zum Ausdruck. "Hier gibt es ein Problem. Bei Preisen von über 40 Euro für den Quadratmeter droht eine beleuchtete Schafweide." Nach Informationen unserer Zeitung belaufen sich die Kosten auf West IV auf mehr als 100 Euro für den Quadratmeter.

Digitales Gründerzentrum

In der Diskussion verwiesen die Unternehmer auf nur 6 Euro für den Quadratmeter Gewerbegebiet in Erbendorf und 10 bis 12 Euro in Neuhaus bei Windischeschenbach. Letzteres liegt nur 10 Autominuten auf der A 93 von Weiden entfernt. Wie Reiß sprach sich auch MdB Grötsch für die "regionale Vermarktung" eines Gewerbegebiets aus. Unter den Gästen hörten stellvertretender Landrat Albert Nickl und Weidens CSU-Chef Stephan Gollwitzer aufmerksam zu.

Aufhorchen ließ die Absicht des Freistaats, in jedem Regierungsbezirk ein digitales Gründerzentrum zu schaffen. Die Entscheidung fällt darüber im Februar nächsten Jahres. Bei Hör schrillten alle Alarmglocken: "Gerade die Nordoberpfalz als Schwerpunkt für Intralogistik - automatisierte Lager und E-Commerce - mit mehr als 10 000 Arbeitsplätzen bietet sich dafür an." MdL Reiß, der an dem Thema dran ist, will zeitnah die Wirtschaft und Kommunalpolitik an einen Tisch bringen.

Drückt sich die Bahn?

Nach Informationen von MdB Grötsch "verschleppt" sich der neue Bundesverkehrswegeplan bis weit in das Jahr 2016 hinein; er beinhaltet die Elektrifizierung der Bahnlinie Regensburg-Hof. Die Bahn wolle dieses Projekt auch in viele kleine Teile "zerbröseln", um sich die Kosten für den Lärmschutz zu sparen. Nach Meinung von MdL Reiß "gibt es ohne Lärmschutz keine Akzeptanz bei der Bevölkerung." Hans-Jörg Schön (Vorstand Sparkasse Oberpfalz Nord) verwies auf die zahlreichen "extrem exportorientierten Unternehmen" der Nordoberpfalz, die dringend zusätzliche Container-Kapazitäten im Güterfernverkehr suchen.

Harald Gollwitzer von der Mittelstands-Union sprach den starken Flüchtlingszustrom an. "Da können sie alle anderen Probleme vergessen." "Die Bevölkerung kocht", berichtete Stefan Rank. Die Abgeordneten machten wenig Hoffnung auf eine schnelle Lösung. Umgekehrt blieben die Unternehmer die Antwort schuldig, wie ein "Zeichen der Politik" konkret aussieht. Nach Informationen von Grötsch absolvierten etwa 12 Beschäftigte der Agentur für Arbeit in Weiden einen "Crashkurs" für die Bearbeitung der Asylanträge von Flüchtlingen aus Syrien.
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