Kantig und kompakt

In der Mitte des großen Saales öffnet sich die Decke bis zum Dach. Das Haus ist in Holzständerbauweise errichtet und mit Mineralwolle auf Biobasis sowie dreifach verglasten Fenstern gedämmt. Bilder: Steinbacher (2)

Von einer Scheune für seine Schäfchen möchte Arnold Pirner nicht reden. Von einer Art Hofstelle im ehemals auch landwirtschaftlich genutzten Pfarrhof zu reden, gefällt dem Pfarrer als Bezeichnung für das neue Schmuckstück der Pfarrei schon besser.

Lärchenholz aus dem Kirchenwald und in Rot gerahmte Fenster aus dem Nachbarort bestimmen die Fassade des Pfarrheims, das im Mai fertig werden soll. Nicht nur beim Holzschlag habe sich Kirchenpfleger Bernhard Irlbacher große Verdienste beim Bau des neuen Domizils für Frauenbund, Senioren, Bücherei, Chöre sowie sonstige Gruppen und Veranstaltungen der Pfarrei erworben, lobt Pirner.

Neben der funktionalen Bauweise besticht das Gebäude mit einem ausgeklügelten Energiekonzept. Ein Biomassekraftwerk wäre wegen des Kosten-Nutzen-Faktors nicht sinnvoll gewesen, sind sich Pfarrer und Architekt Josef Schönberger einig. Stattdessen setzen sie auf Mutter Erde, die sie mittels Wärmepumpe anzapfen, plus Solarstrom. Schönberger: "In 20 Jahren haben sich die Mehrkosten mit Sicherheit amortisiert."

Die Stromausbeute der Solarzellen auf dem Dach fließt in Akkus. Ins Netz speist die Pfarrei nur den Überschuss ein, den sie im Pfarrheim nicht selbst verbraucht. "In dieser Dimension ist das Konzept wohl einmalig in der Diözese", meint Pirner. Licht geben verbrauchsarme LED-Leuchten.

Raucher dürfen unters Dach

Man habe technisch machbare, sinnvolle Lösungen eingebaut, beschreibt der Architekt die Zielrichtung seiner Überlegungen auf dem Energiesektor. "Um uns das leisten zu können, mussten wir sachlich schlicht bauen. Mit der reinen Architektur können wir uns nichts kaufen für die Pfarreiarbeit." Auch deshalb sei ein kompakter Baukörper ohne planerische Spielereien wie Vorsprünge und unnötige Kanten entstanden. Die seien teuer und verbrauchten Energie. Einziger Schnörkel ist das Vordach über dem Eingang, unter dem Raucher bei schlechtem Wetter eine Unterstellmöglichkeit finden.

Auf 940 000 Euro veranschlagen die Verantwortlichen die Gesamtkosten des Projekts. Knapp die Hälfte bezuschusst die Diözese, und auch der Markt gibt eine Finanzspritze. Am Ende sind es rund 450 000 Euro, die die Pfarrei aus ihren Ersparnissen an Planer und Handwerker überweist. Die Vergaben sind mittlerweile alle erledigt. "Derzeit sind wir im Kostenrahmen", freut sich Pirner.

Schmankerl für Frauenbund

Das Erdgeschoss samt Terrasse ist barrierefrei und damit auch seniorengerecht. Für kleine und große Gruppen lässt sich der große Saal zu einem Drittel abtrennen. In der Mitte ist die Decke des hellen Raums bis zum Dach geöffnet. Schönberger spricht von einem Haus im Haus. Wenn der Saal voller Gäste ist, trägt dies zum besseren Raumklima bei.

In der erweiterten Teeküche wird der Herd als Kochinsel in der Mitte stehen. "Bei den beliebten Kochvorführungen des Frauenbundes können die Teilnehmer rundherum zuschauen", verweist Pirner auf ein planerisches Detail, das genau auf die Bedürfnisse hin gebaut wird.

Zu den Toiletten für Damen und Herren in jedem Stockwerk kommen im Erdgeschoss noch eine behindertengerechte Anlage und eine Garderobe sowie Funktionsräume. Im Obergeschoss zieht die Bücherei ins östliche, zur Straße hingewandte Zimmer ein. Die Westseite mit weitem Blick auf die Naabwiesen und Fluchttreppe ist für die Musikgruppen und Chöre gedacht. Eine kleine Galerie zwischen den beiden Räumen vermittelt Offenheit zum Treppenhaus und Eingang.

Mit dem im Juli begonnen Bau läutete die Pfarrei das Ende der fünfjährigen Übergangszeit ein, die nach dem Abriss des Pfarrhauses und der Denkmalsanierung des Pfarrhofes begonnen hatte. Freundliche Aufnahme hat man im Gerätehaus der Feuerwehr gefunden, dankt Pirner. Ab dem Sommer spielt sich das kirchliche Leben dann wieder mehr im Ortszentrum ab.

"Wir haben sogar den Gehweg entlang der Regensburger Straße auf das Areal des Pfarrhofs verlegt", sagt Architekt Schönberger. Entlang der Straße sind Parkplätze.
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