Katie holt Vergessenes zurück

Jeden Donnerstag kommt Katie. Blaues Blut fließt nicht in ihren Adern; mit den britischen Royals verbindet sie nur der Name. Beliebt ist sie doch - ganz besonders bei den Bewohnern des Altenpflegeheims St. Hedwig.

Die Senioren warten schon darauf, Katie mit vielen Streicheleinheiten und etlichen Leckerlis zu begrüßen. Die Golden-Retriever-Hündin bringt Abwechslung in ihren Tagesablauf. An Demenz erkrankte Heimbewohner blühen richtiggehend auf, denn der ausgebildete Therapiehund versteht es immer wieder, Erinnerungen an inzwischen Vergessenes zu wecken.

Prinzessin als Patin

Genau an jenem Tag, als Prinz William seine Kate vor den Traualtar führte, holte Kerstin Looshorn den damals achtwöchigen Vierbeiner in die Familie. Die Erzieherin aus dem Fatima-Kindergarten entschloss sich, als 2011 die Krippen kamen, für eine zusätzliche Ausbildung zur Kleinkindpädagogin: "Man muss am Ball bleiben." Und sie wollte noch mehr tun, neben den Jüngsten auch für ältere Menschen da sein.

Auf ehrenamtlicher Basis stieg sie in den Besuchsdienst ein. Katie war da fünf Monate alt. "Ich hab' einfach gefragt, ob ich kommen darf. Alle waren total begeistert und das bis heute." Katie nahm von diesen Begegnungen auch für ihre Ausbildung etwas mit. Seitdem sind Frauchen und Hund im wöchentlichen Turnus zu Gast im Caritasheim St. Hedwig.

Ein kleiner Vorteil mag gewesen sein, dass der Züchter Katie schon in den ersten Lebenswochen für diesen Einsatz prägte, nachdem ihn die spätere Besitzerin über ihre Pläne informiert hatte. Als schönste Momente der Besuche empfindet Kerstin Looshorn ("mein Steckenpferd sind Seniorenheime") den Kontakt zu den Heimbewohnern. Mit Freude sieht sie, wie die Senioren aufgebaut, körperliche und geistige Defizite günstig beeinflusst werden.

Ihr Wissen hält sie, unter anderem durch die Teilnahme an den Demenzwochen in der St.-Johannes-Klinik, auf dem aktuellen Stand. Denn es ist nicht ihr Ding, bei den Besuchen mit Katie einfach nur so durch die Zimmer zu laufen. Sie versucht, Demenzkranke abzuholen, wo sie gerade stehen. Sie freut sich, wenn sie, vergesslich und depressiv, beim Auftauchen von Katie plötzlich zu lachen beginnen, mit ihr Gespräche führen und von ihr verstanden werden. Den Hundebesitzern unter den Patienten kommen dann manchmal die Namen ihrer früheren Lieblinge wieder ins Gedächtnis. Erinnerungen erwachen, und das fördert das Wohlbefinden der Senioren. "Man freut sich über solche positive Reaktionen, auch bei Bettlägerigen, die sonst kaum eine Regung zeigen."

Aber auch dem Frauchen bringt die Arbeit mit Katie sehr viel, gibt Kerstin Looshorn zu. "Man lernt den Hund zu lesen. Ich muss spüren, wenn er einen Menschen nicht mag. Man wird sensibel, auch bei der beruflichen Tätigkeit." An sich selbst beobachtet sie eine Veränderung. Sie spürt durch Probleme verursachte Stimmungen bei Mitmenschen, die andere (noch) nicht wahrnehmen.

Dankbarkeit rührt an

Dass Katie ihren Schützlingen gut tut, bestätigen auch die fünf qualifizierten Betreuerinnen in St. Hedwig. Für umso wichtiger hält es Irmgard Zehetbauer, eine von ihnen, die Donnerstags-Besuche fortzusetzen. "Die Dankbarkeit der Menschen rührt an." Die Betreuungskräfte sind für das Wohlbefinden der Heimbewohner zuständig.

Inzwischen hörten auch die Verantwortlichen des Kindergartens in Schlammersdorf von Katie und luden Kerstin Looshorn ein. Mit ihrem Auftritt punktete die Hündin bei den Jüngsten. Ob Alten- und Pflegeheime oder Kindergärten: Kerstin Looshorn ist offen für Besuche in all diesen Einrichtungen.
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