Katrin Gebbes Psychodrama "Tore tanzt" im ZDF: Kein leichter Stoff für die Zuschauer
"Jesus-Freak" wird Opferlamm

Tore (Julius Feldmeier) betet um Hilfe. Bild: ZDF/Julia Lohmann
Kirche und Glaube sind immer mehr Menschen in der westlichen Welt egal - einen Extremfall christlicher Überzeugung schildert dagegen Katrin Gebbe in ihrem preisgekrönten Kinofilm-Debüt "Tore tanzt". Sie wirft darin spannende Fragen auf.

Im harten Psychodrama, das in der ZDF-Reihe "Das kleine Fernsehspiel" am kommende Montag um 23.50 Uhr läuft, geht es um einen jungen Außenseiter, der sich den "Jesus-Freaks" angeschlossen hat, einer freien, mit Jugendkultur verbundenen Glaubensrichtung. Wie es der Gottessohn predigte, hält Tore bewusst die andere Wange hin, wenn ihm auf die eine geschlagen wird. Mit dieser Haltung provoziert er andere Mitmenschen. Es kommt zu Gewaltexzessen gegen ihn, die auch dem Zuschauer viel Kraft abverlangen.

Ist man Vorbild, Naivling oder Idiot, wenn man sich nicht wehrt? Stachelt ein Typ wie Tore seine Peiniger zu ihrem Tun nicht erst richtig an? Ist es konsequent liebevoll oder nur verklemmt, Sex erst in der Ehe zuzulassen? Der Film, unterteilt in die Kapitel "Glaube", "Liebe" und "Hoffnung", gibt keine klare Antworten. Sein Hauptdarsteller (Julius Feldmeier) vermag es auch, solche Aspekte in beunruhigender Schwebe zu halten. Von der Vernunft, die ja zum christlichen Leben gehört, ist seine Figur jedenfalls weit entfernt.

Die Hamburger Autorin und Regisseurin Gebbe, Jahrgang 1983, drehte die Low-Budget-Produktion frei nach einer wahren Begebenheit. In einer deutschen Kleingartenkolonie hatte ein Ehepaar einen behinderten Jungen versklavt gehalten. Das Drama, das mit quälend langen Szenen von Vergewaltigung und Zwangsfütterung mit verschimmeltem Hühnerfleisch arbeitet, erlebte eine umstrittene Welturaufführung bei den Festspielen in Cannes.
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