Kein guter Tag für Kachelöfen

Wochen vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs hatte sich eine deutsche Instandsetzungskompanie in Eschenfelden einquartiert. Aufklärer machten die Fahrzeuge aus der Luft aus. Das dürfte der Auslöser für den Angriff gewesen sein, den amerikanische Jagdbomber heute vor 70 Jahren auf den Ort flogen. Repro: hfz

Der 14. April 1945 - ein Samstag - steht als einer der aufregendsten und bedrohlichsten Tage im Geschichtsbuch von Eschenfelden: Amerikanische Jagdbomber griffen den Ort mit Bordkanonen und Bomben an, nachdem Aufklärer dort deutsches Militär ausgemacht hatten. Altbürgermeister Georg Taubmann zeichnet die Ereignisse nach.

(be) Insgesamt haben sechs Fliegerbomben den Ortskern von Eschenfelden getroffen, erzählt Augenzeuge Hermann Neidel, der als Elfjähriger den Angriff miterlebt hat. Trotz der engen Bebauung am Dorfplatz um die Kirche, kamen Menschen nicht ernsthaft zu Schaden. Dafür galt es in den Folgewochen, abgedeckte Dächer, herausgerissene Fenster und Türen sowie anderes mehr mit Nachbarschaftshilfe zumindest provisorisch zu reparieren.

Der Angriff der Tiefflieger kam im wahrsten Sinne des Wortes aus heiterem Himmel. Dieser 14. April war ein herrlicher Sonnentag. Im landwirtschaftlich geprägten Eschenfelden waren die Menschen früh auf den Beinen: Mit Kuhgespannen zogen sie auf Felder, um Kartoffeln zu stecken.

Hermann Neidel schildert den weiteren Verlauf so: "Ich saß auf dem Bankl vor unserem Haus. Das liegt, von der Kirche aus gesehen, auf der anderen Seite des Dorfplatzes, etwas nach Osten abgesetzt vom Gasthaus Pillhofer. Urplötzlich überzog ohrenbetäubendes Krachen und Donnern den Ort. Maschinengewehrfeuer ratterte, Bomben schlugen bis in nächster Nähe ein. Geschosse und Bombensplitter trafen auch unser Haus, doch das haben wir erst später wahrgenommen."

Neidel suchte fluchtartig daheim Schutz. Doch schon im Hausgang musste er über Steinbrocken und herausgerissene Türen steigen. Als er in die Wohnstube kam, war plötzlich der Kachelofen nicht mehr da. Kachelöfen waren offensichtlich auch in anderen Gebäuden den Druckwellen nicht gewachsen.

Tanklager knapp verfehlt

Ziel des Angriffs der amerikanischen Jagdbomber vom Typ P 38 Lightning dürfte eine Instandsetzungskompanie der Wehrmacht gewesen sein, die sich seit Wochen in Eschenfelden niedergelassen hatte. Sie unterhielt auch ein Tanklager. Die beiden Bomben, die nahe am Anwesen Kolb/Bauernfeind einschlugen, verfehlten es nur knapp. Zwei weitere Treffer fällten die beiden Kastanienbäume links und rechts des Aufgangs zur Kirche und hinterließen einen großen Krater.

Eine weitere Bombe detonierte im Bach an der Straße nach Riglashof im oberen Dorf, wo jetzt der Brunnen steht. Die Wand des Kuhstalls des Anwesens Brunner ("Neischneinder") stürzte ein. Wohl erschrocken, drehten die vier Kühe drinnen sich selbst und ihren Futtertrog um die eigene Achse. Die Anwesen Wedel und Hölzl auf der anderen Straßenseite kamen mit kleineren Schäden davon. Die sechste Bombe ging etwas außerhalb des Orts im Bachbett nieder.

Achtel im Visier

Die Bombardierung von Eschenfelden mit ihrem glimpflichen Ausgang bedeutete noch nicht das Ende des Krieges im Hirschbachtal. Genau eine Woche später, am 21. April, traf es das Nachbardorf Achtel viel härter. Ein Bericht darüber folgt zum Jahrestag des dramatischen Geschehens.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/kriegsende
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