Kein Happy-End für Schloss

Es prägte Jahrhunderte die Geschichte des Ortsteils Röthenbach. Zuletzt sollte es zu einem Hotel umgewandelt werden. Jetzt droht dem Hammerschloss erneut das Ende.

Kohlberg. (esc) Wer dieser Tage am ehemaligen Anwesen der von Grafensteins vorbeikommt, sieht ein "Zu-verkaufen"-Schild. Nicht besonders groß, aber dennoch nicht zu übersehen. Rings herum stehen Ruinen, Überreste der Herrschaftsgebäude. Der Hauptbau stürzte vor drei Jahren ein (wir berichteten), seitdem geht nichts mehr voran - zumindest nichts Sichtbares.

Besitzer Raymond Grassick scheint aufgegeben zu haben. "For Sale. Zu verkaufen. To be sold complete or in lots. Offers invited" steht auf dem Schild, das er auf dem Grundstück aufgestellt hat. Auf Deutsch: "Komplett oder in Teilen zu verkaufen. Angebote erbeten." Ob Gastronom Grassick wirklich auf Angebote hoffen kann, bleibt fraglich. Da ist sich auch Dorothee Ott, Pressesprecherin vom Landesamt für Denkmalpflege, relativ sicher: "Wir glauben nicht, dass sich ein Käufer finden wird." Von neuen Entwicklungen hat das Amt in München auch noch nichts mitbekommen.

Wunschkandidat Winkler

Auch Claudia Prößl vom Landratsamt Neustadt sagt, dass die Behörde "noch nichts mitgekriegt" habe. "So lange baulich nichts gemacht wird, sind wir auch nicht betroffen. Erst wenn ein neuer Besitzer etwas ändern möchte, sind wir beteiligt."

Kohlbergs Bürgermeister Rudolf Götz weiß schon seit längerem, dass Besitzer Grassick die Gebäude verkaufen möchte. "Kurz nach dem Einsturz war der Verkauf schon im Gespräch." Was er sich für das Aushängeschild Röthenbachs wünscht? "Am liebsten wäre mir Herr Winkler, dann würde was draus werden", sagt er lachend mit Blick auf den Parksteiner Unternehmer Walter Winkler. Ihm gehört beispielsweise das Gasthaus Bräuwirt in Weiden.

Das Vorhaben Grassicks, das Hammerschloss und umliegende Gebäude zum Wellness-Hotel umzufunktionieren, sei seiner Meinung nach nicht schlecht gewesen. "Ideen hatte er", erzählt Götz. So habe er vorgehabt, die Brennerei und die Brauerei wieder aufleben zu lassen. "Er wollte auch das Rezept für das Röthenbacher Bier zurückkaufen und es wieder brauen." Aber auch der Bürgermeister weiß: "Für solche Gebäude braucht man viel Geld." Für seine Gemeinde wäre es schön, wenn eine Firma wie Winkler das Areal mit Bauten für Unterkünfte für die Mitarbeiter oder Seminarräume nutzen würde. "Wir möchten raus aus Deutschland", begründet Lisa Miftari den Verkauf des Hammerschlosses. Die Lebensgefährtin Grassicks sagt weiter: "Das Schloss raubt ihm den letzten Nerv." Zurzeit trifft sich der gebürtige Ire mit den Statikern vor Gericht - und das kann der Immobilien-Entwickler und Gastronom nicht mehr bezahlen. Als vor drei Jahren das Dach und damit auch ein Teil des Gebäudes eingebrochen sind, war anscheinend das Maß voll. "Die Wand ist über ihm eingestürzt", erzählt Lisa Miftari von der Begebenheit, als ihr Partner genau zu diesem Zeitpunkt am ehemaligen von-Grafenstein-Gelände war. Seitdem könne sich Grassick nicht länger als 20 Minuten dort aufhalten. "Es kommt alles wieder hoch", weiß Miftari.

Flohmarkt mit Privatgut

"Der Traum ist vorbei", sagt sie weiter. "Es tut ihm sehr weh, er hat da viel Geld reingesteckt." Das ist allem Anschein nach ausgegangen. Deswegen ist auch ein Flohmarkt geplant: In den nächsten drei bis vier Wochen will das Paar in Röthenbach Privatsachen verkaufen.

Interessenten für das Hammerschloss hätten sich bereits gemeldet. "Natürlich hat der Ort das Vorkaufsrecht, und auch der Denkmalschutz muss erst benachrichtigt werden, aber es haben sich schon Immobilien-Entwickler interessiert gezeigt", sagt Miftari. Nach dem Verkauf des Schlosses will Grassick auch sein Gasthaus in Amberg veräußern. Dann will das Paar nach Frankreich auswandern. Der Plan: Ein renovierungsbedürftiges altes Haus wieder herrichten.
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