Keine Bedrohung für die schlanke Linie: Karpfen sind figurfreundlicher als angenommen
Beim Fettgehalt eher schmächtig

Mit moderner Technik wird die Behauptung vom fetten Karpfen schnell ins Reich der Märchen verbannt. Der Muckenthaler Karpfen brachte beim "TÜV" gerade mal um die fünf Prozent Fettgehalt auf die Waage. Im Bild (von links) Fischzüchter Klaus Bächer, Teichnixe Lena Bächer und Alexander Schiener vom Fischerzeugerring Oberpfalz bei der Messung. Bild: wro
Der Oberpfälzer Karpfen ist gesund - und natürlich recht lecker. Doch ist das Flossentier auch ein fetter Fisch? Beim Ortstermin in Muckenthal konnte Teichnixe Lena Bächer "Die Mär vom fetten Karpfen" ausräumen.

Das fesche Dirndl hatte die 18-jährige Lena am Freitag gegen Arbeitshose und hohen Gummistiefeln getauscht. Die junge Frau kennt sich mit der Karpfenzucht seit Kindesbeinen an bestens aus: Ihr Vater Klaus ist Fischzüchter, die Eltern betreiben eine Land- und eine Gastwirtschaft im beschaulichen Muckenthal.

Gezielt füttern

Am Freitag ist der "TÜV" auf der Zuchtanlage in Muckenthal. Prüfend betrachtet Alexander Schiener vom Fischerzeugerring Oberpfalz einen der beliebten Zuchtkarpfen. Mit einem Kästchen, kaum größer als eine Zigarrenkiste, kann Schiener den Fettgehalt des Tieres feststellen. "Damit sind wir in der Lage, die Qualität der Karpfen regelmäßig zu überwachen, die Fischzüchter können rechtzeitig darauf reagieren und das Füttern ihres Bestandes gezielt steuern", betont Schiener. Die Messung selbst sei für die Tiere völlig schmerz- und stresslos, versichert der Mann vom Fischerzeugerring auf Nachfrage. Bei dem Verfahren wird auf eine Methode aus Irland zurückgegriffen, die eigentlich für die Lachszucht entwickelt worden ist. Das 6000 Euro teure Kästchen ermittelt auf vier "Körpermesspunkten" per Ultraschall den Fettwert des Karpfens. "Mit seinen 5,1 Prozent liegt der Fisch gut im Schnitt und ist daher alles andere als fett, wie oft behauptet wird" erklärt Schiener. Die Bächers wissen die wertvolle, fachlich kompetente Zusammenarbeit mit dem Fischerzeugerring sehr zu schätzen. Der Service ist eine Leistung im Rahmen der Mitgliedschaft und für die Fischbauern kostenlos.

Karpfen kaum kleiner

"Früher wurde einfach nach Gefühl hinzugefüttert und wir mussten dabei leider feststellen, dass der Futterzusatz Mais unsere Karpfen unkontrolliert fett werden ließ", weiß Klaus Bächer, der mit 50 Hektar Teichfläche zu den großen Vertretern in der Region gehört. Neben Karpfen findet man auch Zander, Schleien und Hechte in seinen Gewässern. Der Sommer machte Klaus Bächer und Alexander Schiener kaum Sorgen: "Trotz der Hitze werden die Karpfen heuer kaum kleiner ausfallen als gewohnt. "

Teichnixe Lena ist stolz auf "ihre" Karpfen. "Unsere Fische sind gesund und brauchen kein Biosiegel. Neben ihrem wertvollen Gehalt an langkettigen Omega-3-Fettsäuren enthalten sie auch wertvolle Spurenelemente und sind reich an Phosphor, Kalium und Eisen."

Die künftige Landwirtschaftsstudentin, die sich offen zu "ihrer" Oberpfälzer Spezialität bekennt, isst selber gerne Fisch. Am liebsten einen gebratenen Hecht aus dem Backofen.
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