Keine ideale Lösung

Maria Estl (stehend) nahm für die Bürgerinitiative (BI) Steinwald am Energiedialog teil. Annke Gräbner von der BI Speichersdorf (rechts daneben) begleitete sie nach München.

Die Gleichstromtrasse kommt, nur soll sie nicht mehr durch den Steinwald führen. Dass das den Gegnern aus der Region nicht reicht, machten sie Wirtschaftsministerin Ilse Aigner deutlich. Doch eine befriedende Auskunft erhielten sie von ihr nicht.

Neusorg/Kulmain/Speichersdorf. (bkr) Die Lichter der sechs Kronleuchter im Ludwig-Erhard-Festsaal des Bayerischen Wirtschaftsministeriums gingen am Montag aus. Energiesparen hatten die rund 150 Teilnehmer an der Informationsveranstaltung zum Energiedialog angemahnt. Von den Bürgerinitiativen Steinwald, Kulmain, und Speichersdorf gegen die Gleichstrompassage Süd-Ost waren Maria Estl, Dietmar Scherer und Annke Gräbner in der Landeshauptstadt vertreten.

Dreieinhalb Stunden hörte sich Wirtschaftsministerin Ilse Aigner mit einem großen Expertengremium die Sorgen, Anregungen, Beschwerden und Befürchtungen an. Der Feststellung der Ministerin, ganz ohne Veränderung der Landschaft werde die Energiewende nicht gehen, stand die Forderung nach einer Energieversorgung, die in die Landschaft passt, entgegen. Die Teilnehmer beanstandeten die Industrialisierung großer Flächen ohne Landschaftsplanung, ebenso die Abhängigkeit von Monopolisten bei der Stromversorgung. Die Strompreise für den Normalbürger verteuerten sich. Ihm werde der Zugang über intelligente Netze zur billigen Strombörse verweigert, lauteten einige der Vorwürfe. Ein Gas-Infrastrukturausbau wurde gefordert.

Maria Estl von der BI Steinwald zweifelte die Neutralität der Bundesnetzagentur an. Die Aussage, es werde auf der Gleichstrompassage nur Windstrom transportiert, hielt sie für eine Augenwischerei. Wenn die Leitung stehe, werde jede Art von Strom transportiert, egal woher er komme.

Nicht am Wald interessiert

Kritik galt dem Netzausbau zudem, da er den Freistaat zum Stromtransitland nach Österreich, Italien und in die Schweiz mache. Schwer unter Beschuss gerieten die Windkraftanlagen. Wortmeldungen stuften die Windenergie mit Verweis auf den Abbau von Neodym für die Generatoren und die damit verbundene Vergiftung der Abbaugebiete als nicht saubere Energie ein. Der Bayerischen Forstverwaltung wurde unter die Nase gerieben, bei der Ausweisung von Flächen nicht am Wald interessiert zu sein.

Die Bürger wollten weder Gesundheit, Landschaft noch ihr Eigentum für Windkrafträder und Stromtrassen opfern. Die BIs aus dem Stiftland fürchten um den mühsam aufgebauten Gesundheitstourismus und den damit zusammenhängenden Verlust von Arbeitsplätzen.

Doch wie geht es weiter? Der zweite Entwurf für den Netzentwicklungsplan wird derzeit überarbeitet. Im Februar soll er für die Konsultation veröffentlicht werden, im Juli oder August 2015 erwartet Ilse Aigner eine Entscheidung über den Netzentwicklungsplan 2024/25. "Das Ergebnis ist nicht vorhersehbar", betonte sie. Und aus ihrem Ministerium war zu hören: "Wir haben viele Lösungen, aber keine ideale." Angesichts des begonnenen Bürgerdialogs des Ministeriums lädt die Bürgerinitiative Kulmain/Immenreuth am Dienstag, 18. November, um 19.30 Uhr ins Kulmainer Feuerwehrhaus ein. Beleuchtet wird die aktuelle Entwicklung der Gleichstrompassage.
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