Kekskrieg schlägt Zeitreise

Neun Dichter stellten sich beim Poetry Slam dem kritischen Publikum, das auch gleich in die Rolle der Jury schlüpfte. Bild: edo

Nach der Premiere war auch die zweite Auflage ein großer Erfolg. Neun Autoren stellten sich beim Poetry Slam der hundertköpfigen Jury. Die vergab den Siegerpreis nach Regensburg

Weil sie das Malzhaus als zu klein befanden, verlegten die VHS, die Bücherei Eckhard Bodner sowie Daniela Plössner und Daniel Schwabbauer den zweiten Poetry Slam in die Aula der Wirtschaftsschule. Die Veranstalter sollten recht behalten. Bei 100 Besuchern wäre es im Malzhaus wohl recht eng geworden. Positiver Nebeneffekt: Einige Schüler der achten Klassen sorgten für Verpflegung.

Um die Moderation kümmerten sich Daniela Plössner und Daniel Schwabbauer. Die Autorin aus Oberbibrach und Eschenbach steht selbst regelmäßig vor Publikum. Eingangs erklärten die beiden den Zuhörern, wie sie die Punkte vergeben sollen. Im Finale entschied schließlich der Applaus.

Dann waren die neun Poeten an der Reihe. Mal lustig, mal nachdenklich und mal tiefsinnig warben sie um die Gunst. Bei ihren ersten Auftritt überhaupt sprach Sandra Yagoub aus Kirchenthumbach von Toleranz und Diskriminierung. Der Amberger Emi 42 nahm sich die Jugendsprache vor. Einen kritischen Blick aufs Bildungssystem und die Stellung der Pädagogen warf Hauptschullehrer Ingo Winter aus Lauf: "Fäkalientaucher", laute seine Antwort auf die Frage nach seinem Beruf. "Würde ich die Wahrheit sagen, Lehrer an einer Grund- und Hauptschule, wären die Reaktionen die Gleichen." Nach seinem Auftritt war klar, der 31-Jährige ist ein heißer Sieganwärter.

Tiefsinniges mit sanfter Stimme in melodischem Sprechgesang vortragen: Das war Pascal Simons Final-Rezept. Der Regensburger sinnierte übers Kopf-in-den-Sand-stecken. Den Nerv des Publikums traf auch die dritte Finalistin: Meryem Kandemir trug ein Gedicht über Liebe und Schmerz vor.

Im engen Finale setzte sich Pascal Simon mit dem "Krieg der Kekse" durch. Aus einem Gang zum Süßigkeitenschrank machte er eine Kriegsgeschichte. Die Bewohner des Reichs der Kekse mussten sich einer Invasoren erwehren, "angeführt von Prinz Doppel von Keks, wie es seiner Prinzenrolle gebührt" . Geringfügig weniger Applaus erntete Ingo Winters Zeitreise zu historischen Ereignissen. Kleine Änderungen hätten die Welt verändern können: "Wäre ich am 20. April 1889 Pfleger im Braunauer Krankenhaus gewesen, ich hätte das Kind fallen lassen."

Bei der Siegerehrung erhielten die Finalteilnehmer kleine Aufmerksamkeiten von den VHS-Verantwortlichen Ursula Frankenberger und Angelika Denk. Winter und Simon verrieten, dass sie nicht zum ersten Mal gegeneinander angetreten waren und schon "hin und wieder um Platz eins" gestritten hatten. "Wir machen das nicht, um uns zu profilieren. Uns ist die Freude am Dichten wichtig."
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