Keule gegen Kommunismus

Der "wilde Mann" auf dem Egerer Marktplatz Blick auf den Egerer Marktplatz und den Herkulesbrunnen von hinten Herkules im Zorn über eine kommunistische Veranstaltung. Bild: gjb

Ein kraftstrotzender, uriger Naturbursche schwingt auf dem Herkulesbrunnen auf dem Egerer Marktplatz seine Keule für das Wohl seiner Heimatstadt. Ein Fotograf bewies zu Zeiten des eisernen Vorhangs grimmigen Humor.

Im Jahre 1350 wurde vor dem Stöckl ein hölzerner Marktbrunnen errichtet. Später konnte er durch einen Brunnen aus Stein ersetzt werden, der mit einer Holzskulptur verziert war. Im Jahre 1738 ersetzte diese die steinerne Figur eines keulenschwingenden Herkules. Die Kinder nannten ihn "wilder Mann", denn für sie schaute er furchterregend aus.

Es ist ein kraftstrotzender, uriger Naturbursche, der das Wappen der Stadt Eger mit seiner Linken stützt und eine Keule in seiner Rechten schwingt. Der schwarze Adler auf dem Wappen symbolisiert die freie Reichsstadt, das darunter angeordnete silberweiße Schräggitter auf rotem Grund den Festungscharakter der Stadt. Der wilde Mann, ein uralter Mythos des Volksglaubens, wurde später zu einem Symbol für die erstrebenswerten Charaktereigenschaften männlicher Tapferkeit umgedeutet. Man konnte diese Statue auch als Aufforderung an die Bürger verstehen, sich mit aller Kraft für das Wohl der Heimatstadt einzusetzen. Ein stummer Protest gegen das Regime. Als Tschechien noch CSSR hieß und unter kommunistischer Herrschaft stand, entstand in Eger ein Foto, das hintergründigen, schwarzen Humor beweist.

Jede Kritik am sozialistischen System war damals gefährlich und konnte lebenslange Folgen haben. Deshalb hatten die Menschen gelernt, "zwischen den Zeilen" zu lesen und auch feine Anspielungen zu verstehen. Mit einem Foto von einer kommunistischen Kundgebung gelang es, einen zwar wortlosen, aber dennoch kritischen Kommentar zur politischen Situation zu geben:

Fast alle Einwohner waren auf dem Egerer Marktplatz versammelt, um dort unendlich lange Reden über die großartige "Aufbauarbeit" des von seinem russischen Brudervolk geleiteten Paradieses der Arbeiter und Bauern über sich ergehen zu lassen.

Ein Fotograf stand in erhöhter Position, vermutlich auf einer Stehleiter, denn er sollte eine Aufnahme von möglichst vielen begeisterten Teilnehmern machen.

Dabei kam aber im Vordergrund auch die Statue des zornigen "wilden Mannes" mit ins Bild. Auf dem Foto sieht das so aus, als wolle Herkules mit seiner Keule alle Kommunisten aus der Stadt vertreiben.

Es ist leider nicht mehr bekannt, wer dieses Foto machte, und ob dieser Mann deswegen von den Parteifunktionären bestraft wurde. Sein Mut aber und sein grimmiger Humor verdienen noch heute Bewunderung: "Klobouk dolu - Hut ab"
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