Kind hat's eilig, aber Auto streikt

Die Familie Müller-Wilfing mit Mutter Edith, Vater Albrecht sowie den beiden Söhnen Michael (vorne) und Manfred vor dem Mühlengebäude im Kloster Michelfeld. Repro: eb

Vor einigen Wochen hat Michael Müller-Wilfing aus Lindenhardt seinen 70. Geburtstag gefeiert. Zur Welt kommen sollte er in Bayreuth. So planten es seine Eltern. Doch es kam alles anders.

Mit seinem Geburtsort bleibt der Mensch vielfach in Verbindung. Das gilt umso mehr, wenn das Leben seinen Anfang unter besonderen Umständen nahm. Auf Michael Müller-Wilfing trifft das zweifellos zu. Als er am 7. Juli 1945 seinen ersten Schrei tat, war der Krieg schon zu Ende. Aber im Lazarett im Kloster Michelfeld waren zu dieser Zeit immer noch Ärzte, Sanitäter und Verwundete.

Das Schloss blieb zu

Eigentlich hätte die Geburt in Bayreuth stattfinden sollen. Das Auto für die Fahrt stand bereit, aber das Schloss ließ sich wegen eines Schadens nicht entriegeln. Mit Macht setzten die Wehen ein, und eiligst mussten Geburtsvorbereitungen getroffen werden.

Die Oberin war dabei

Es dauerte nicht lange, bis Mutter Edith im ehemaligen Apotheke- und Laborraum des Lazaretts ihr Siebenmonatskind im Arm hielt. Hebamme Amalie Grüner half dem Buben auf die Welt. Auch die damalige Oberin des Klosters, Neria Winkelmaier, war dabei. "Wir sind ihr zu großem Dank verpflichtet", stellt Michael Müller-Wilfing heute fest. Nach Erzählungen seiner Mutter war er ein schwächliches Kind. Noch am Tag seiner Geburt schritt der Michelfelder Pfarrer Georg Scheder zu einer Nottaufe.

Die Familie Müller-Wilfing stammte aus Tetschen-Bodenbach im Sudetenland. Vater Albrecht Müller-Wilfing war im Michelfelder Lazarett Stabsarzt. Deshalb wollte seine Frau Edith nach der Ausweisung hierher.

Als sie aber mit ihrem ersten Sohn Manfred in Michelfeld ankam, war ihr Mann bereits in ein Lazarett in Schleswig-Holstein versetzt worden. Dort geriet er auch in englische Gefangenschaft. Die Mutter besuchte ihn mit den beiden Söhnen im hohen Norden. Die Fahrt in einem Kohlewagen der Bahn schilderte sie später als "sehr unbequem".

Kommunion in Michelfeld

Als Flüchtling wurde Edith Müller-Wilfing mit ihren beiden Kindern bei der Michelfelder Familie Julius und Fanny Küffner aufgenommen. Später wies ihnen das Kloster ein kleines Gebäude beim Speckbach zu. Sohn Michael feierte in Michelfeld seine erste Kommunion; Bruder Manfred wurde hier gefirmt. Sein Pate ist Heinz Küffner. Der Aufenthalt in Michelfeld zog sich bis 1950 hin.

Bauleiter bei der U-Bahn

Dr. Albrecht Müller-Wilfing bekam nach dem Krieg eine Stelle als Arzt im Krankenhaus Bayreuth und wurde dann Medizinaldirektor am Versorgungsamt. Der heute 70-jährige Michael Müller-Wilfing studierte in Berlin. Dort war er auch Bauleiter im U-Bahn-Bau. "Und das erfüllt mich schon mit Stolz", stellt er rückblickend fest. Nach seiner Berliner Zeit folgte eine Anstellung als Sicherheitsingenieur an der Uni Bayreuth.
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