Kirche von morgen

Das Seelenheil ihrer Angehörigen lässt sich die US-Armee etwas kosten. Bei Eschenbach entsteht ein religiöses Zentrum für die Amerikaner in der Region. Mit einer traditionellen Oberpfälzer Kirche wird der Bau einmal wenig gemein haben.

(wüw) Am Netzaberg wächst ein Beton-Ufo. Seit März 2014 arbeiten die Amberger Firma Mickan und ihre Subunternehmer an dem Projekt, doch noch lässt sich kaum erkennen, dass hier im Community-Center der US-Siedlung ein Gotteshaus entsteht. Bis zur ersten Messe dauert es noch. Auch Weihnacht 2015 werden die amerikanischen Christen im kleinen Flachbau am Grafenwöhrer Wasserturm feiern.

Nichts zweimal

"Jeder Arbeitsschritt ist eine Herausforderung", begründet Andrea Hösl die Bauzeit von rund zwei Jahren. Die Architektin arbeitet für die US-Planungsabteilung am Standort Grafenwöhr und ist für die Abwicklung des Bauprojekts verantwortlich. Dass sie sich dabei nicht langweilt, hat Hösl den Plänen des Architektur-Büro Brückner und Brückner zu verdanken. Außen wie innen setzen die Tirschenreuther Architekten auf einmalige Formen - im Wortsinn. "Keine Schalung lässt sich für den Bau zweimal verwenden", erklärt Hösl. Auch im Innenraum ist keiner der vielen Bögen wie einer der andere. Besonders begeistert ist die Architektin von der künftigen Decke im Innenraum. Der Textilstoff wird erwärmt und dann in die gewünschte geschwungene Form gebracht. Die Lichtanlage dahinter wird für eine einmalige Beleuchtung des Gotteshauses sorgen, schwärmt Hösl schon heute.

Die Extravaganzen machen sich im Preis bemerkbar. Allerdings relativiert ein zweiter Blick die geplanten Kosten von 11 Millionen Euro, denn die Amerikaner bekommen mehr als eine Kirche: "Christen in den USA verbringen viel mehr Zeit in ihrer Gemeinschaft als in Deutschland", weiß Hösl. Deshalb biete ihnen die Netzaberg-Chapel auch mehr: Bühnen für Aufführungen und Konzerte, eine große Küche fürs gemeinsame Kochen, dazu kommen Gemeinschafts- und Multimediaräume, auch Büros für die Verwaltung finden Platz.

Der gesamte Komplex ist barrierefrei gestaltet. Die einzigen Stufen ohne Aufzug führen ins baptistische Taufbecken, jedes Türschild ist für Blinde lesbar. "Der US-Armee ist das Thema sehr wichtig. In Sachen Barrierefreiheit sind die Amerikaner wesentlich weiter", erklärt Hösl. Weiter ist die US-Armee auch bei der technischen Ausstattung. Alle Räume strotzen vor Hightech, auch der Gebetsraum. "In den USA sind Beamer auch in katholischen Gottesdiensten völlig normal", erklärt Hösl. Die Technikbegeisterung macht sich finanziell bemerkbar. Zwar fließt in die Rechnung auch die Sicherheitsausrüstung ein, dennoch sei ein Kostenanteil von 35 Prozent für die Gebäudetechnik in einem deutschen Bau kaum vorstellbar.

Viel Sparpotenzial

Ein Teil der Ausgaben wird sich schnell amortisieren, weiß Hösl. Denn entgegen gängiger Klischees sind die Amerikaner nicht nur für Muli-Media-Schnickschnack zu haben. Auch was Haus- und Umwelttechnik angeht, stehe der Neubau über deutschen Standards. Die Technik hilft, Energie einzusparen. "Weil die US-Armee das Community-Center zentral geplant hat und es auch betreibt, bietet sich Einsparpotenzial. Und das nutzt die US-Armee."

Und nicht nur für die Umwelt beweisen die Amerikaner Sinn, auch für regionale Produkte: Neben dem Plan kommen auch die meisten Baumaterialien aus der Umgebung. Den Amerikanern sei wichtig, dass Gebäude und Baustoffe zur Region passen. "Dazu gibt es sogar eine schriftliche Anordnung", sagt Hösl. Entsprechend kommen Beton und Bauholz aus der Nähe. Und beim Fußboden kamen trotz höherer Kosten nur Solnhofer Platten in Frage. Zumindest hier gleicht die High-Tech-Kathedrale dem ehrwürdigen Regensburger Dom. Dort liegt der gleiche Belag.
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