Kirchenthumbach.
Hintergrund Artilleriebeschuss an Führers Geburtstag

Konrad Böhm.
(ü) Professor Dr. Georg Rost wurde in Würzburg ausgebombt. Familie Seemann nahm den Verwandten und dessen gelähmte Frau bei sich in Kirchenthumbach auf. Vom 16. März bis 17. Juli 1945 führte der damals 75-Jährige ein Tagebuch. Unter anderem hielt er fest.

Freitag, 20. April 1945: Führers Geburtstag. Wolkenlos, 11 bis 12 Uhr wiederholter Artilleriebeschuss ganz in der Nähe des Marktes. 13.37 Uhr erste amerikanische Sherman-Panzer fahren von Burggrub kommend bei Sporer (Bürgermeister) vor. Um 13.10 Uhr durchsuchen drei amerikanische Soldaten das Haus Kirsch nach zu beschlagnahmenden Zimmern und nach deutschen Soldaten. 15.30 Uhr Betreten der Straße verboten bis zum Erlass der amerikanischen Befehle. 16.30 Uhr drei verirrte Soldaten suchen nach einem zu beschlagnahmenden Zimmer. Ebenso um 17.30 Uhr. Kirchenthumbach hat sich durch das Hissen weißer Fahnen an der Kirche und am Bergkirchlein sowie an vielen Häusern ergeben. 21. April: Zivilbevölkerung darf von 7 bis 9 Uhr und 16 bis 18 Uhr auf die Straße gehen.

Gewehrkolben statt Wasser

(ü) Kurz vor Kriegsende zogen gespenstisch aussehende Männer in gestreiften Anzügen durch den Markt - KZ-Häftlinge, von der Waffen-SS auf einem Todesmarsch durch den Ort getrieben. Der Anblick muss so herzzerreißend gewesen sein, dass Frauen auf dem Marktplatzes ihnen Essen zuwarfen. Sofort fielen Schüsse. Die SS-Leute schossen in die Luft, um die Hilfe zu unterbinden.

In Iberls Garten in der Auerbacher Straße machte der Tross Halt. Die Häftlinge sahen ängstlich aus und ihre Körper waren abgemagert. Da es gerade in der Mittagszeit war, haben ihnen Kinder Kartoffeln zugeworfen. Margaret Iberl hatte Mitleid und gab ihnen Wasser zu trinken. "Als der erste Häftling trinken wollte, schlug ihm ein Soldaten den Gewehrkolben in die Magengrube.", erinnert sie sich. Zudem kochte sie im Garten des Heeresforstamtes mit weiteren Frauen in einem Erdäpfeldämpfer Kartoffel. Doch die Männer durften die Erdäpfel nicht annehmen. Margarete Iberl und einige Nachbarsfrauen redeten auf die Soldaten ein, die Männer doch essen und trinken zu lassen. Schließlich durften die Gefangenen die Kartoffeln essen.

Service "Sie kommen"

Weitere Reportagen zu den letzten Kriegstagen in der Region enthält das Buch "Sie kommen! - Die letzten Kriegstage in der Oberpfalz", im Buch und Kunstverlag Oberpfalz. Erhältlich ist es für 19,95 Euro in unseren Geschäftsstellen und im Onlineshop unseres Verlags.

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