Kirchlein strahlt in neuem Glanz

Seit Juni werkeln ehrenamtliche Helfer, bringen Fachfirmen ihr ganzes Wissen ein, um ein Kleinod wieder zum Strahlen zu bringen. Schon der erste Schritt in den nahezu fertig sanierten Innenraum der Magdalenenkapelle in Ranna offenbart, hier ist etwas gut gelungen.

Der typische Geruch von frischer Farbe liegt in der Luft, unter dem in mattem Dunkelbraun gestrichenen Gestühl wird geschraubt, die Elektrofirma installiert gerade die Heizung. Auf der Empore legt der Schreiner aus Troschenreuth letzte Hand an Kniebänken. Es ist viel passiert im Kirchlein, Hochaltar und Heiligenfiguren wurden vom Schmutz der Jahrzehnte befreit, das Deckengemälde leuchtet, der Steinboden schimmert matt.

Putz abgeschlagen

238 ehrenamtliche Stunden hat Mesner Wolfgang Meiler, Vorsitzender der Magdalenenfreunde, bereits akribisch notiert. Er hat im Sommer seine Kollegen zusammengetrommelt. Mit einem Pickhammer wurde der Putz von den Wänden geschlagen. Karren um Karren voll Schutt und Putzbrocken wurden aus der Kapelle verbracht.

Das Gestühl wurde entfernt, die kostbaren Figuren eingelagert und der faulige Holzboden herausgerissen. Dieser ist mittlerweile erneuert, schimmert goldbraun unter den sanierten Kirchenbänken. Natursteinplatten säumen das Gestühl, das dichte Innengerüst ist längst abgebaut, Wände und Decken erstrahlen in mattem Weiß. Die Fenster wurden erneuert, an der Mauer ist ein Teil der Schüttung erkennbar, der die Wände vor Feuchtigkeit schützen wird. Der Architekt aus Hollfeld hat einmal die Woche vorbeigeschaut, um die Bauten zu überwachen. Noch liegt man im Kostenrahmen, dennoch sucht Kirchenpfleger Wilhelm Schelz händeringend Paten für die Putten und Engel, um letzte finanzielle Lücken zu füllen.

Knapp 200 000 Euro soll die gesamte Innensanierung kosten. 65 Prozent gibt es von der Diözese Bamberg. Die bayerische Landesstiftung hat bereits zehn Prozent Zuschuss zugesagt - 19 000 Euro. Auch der Bezirk Oberpfalz hat mit fünf Prozent einen Zuschuss gegeben. "Das war neu, denn bei der Pfarrkirche hat der Bezirk nichts bezahlt", so Schelz. Aber bei so kleinen besonderen Kapellen gibt es wohl eine Ausnahme.

Unterstützung zugesagt

Auch die Kommunen Auerbach und Neuhaus haben Unterstützung zugesagt, aus der Bergstadt kommen 5000 Euro, der mittelfränkische Nachbar gibt 1000 Euro als Geschenk. "Wobei Auerbach zwar im Stadtrat den Zuschuss beschlossen hat, aber ihn nicht im Haushalt 2015 einstellte. Wir haben noch kein Geld bekommen", meint Wilhelm Schelz augenzwinkernd, der wie immer alle Zahlen genauestens parat hat.

Neuer Tischaltar

Und er weiß auch schon was ein Tischaltar kosten würde. Den hat sich nämlich der neue Pfarrherr Markus Flasinski auserkoren, weiß Wolfgang Meiler. Geplant und historisch belegt ist dieser nicht, der Pfarr-Administrator will dennoch in Bamberg vorsprechen, um diesen Tischaltar in die Planung mit einfließen zu lassen.

Bis 25 000 Euro könnte dieser zusätzlich kosten. "Das muss aber mit dem Denkmalschutz erst noch abgesprochen werden", erklärt Schelz. Und hofft auf ein Fundstück im Bamberger Archiv. Dort hatte die Pfarrei Auerbach schon einmal Glück, konnte dort aufbewahrte Beichtstühle für die Pfarrkirche finden. Diese wurden den Auerbachern zur Verfügung gestellt und werden demnächst aufgebaut. Vielleicht findet sich in Bamberg ja auch ein Altar für das knapp 300 Jahre alte Kirchlein in Ranna.

Aber zunächst müssen die restlichen Arbeiten noch abgeschlossen werden, dann ist die Kapelle wieder fit für die Zukunft. 2008 wurde der gesamte Außenbereich saniert, inklusive des damals akut einsturzgefährdeten Dachstuhls.

Knapp 260 000 Euro hatte diese Maßnahme gekostet. Und erst im vergangenen Sommer musste die Kirchenstiftung 5000 Euro Kosten übernehmen, da die hohen Bäume, die das idyllische Areal der Kapelle beschatten, aus Sicherheitsgründen stark zurückgeschnitten werden mussten. Läuft alles glatt, wird Ende Februar der erste Gottesdienst im Kirchlein gefeiert.
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