Kleidung und Kurse helfen

Von links: Karl Fricke, Sabine Fricke und Ursula Frankenberger vom Arbeitskreis Asyl mit Fritz Betzl. Für jeden Artikel entrichten die Asylbewerber einen Anerkennungspreis von 50 Cent. Bild: r n

Die Rußweiherstadt beherbergt zurzeit rund 50 Asylbewerber. Fritz Betzl ist überrascht von der Hilfsbereitschaft. "Die Unterstützung für die Asylbewerber hat bereits eine gewisse Dynamik entwickelt. Wegen Spenden erhalte ich fast täglich Anrufe", freut sich der engagierte Stadtrat.

Betzls Betreuungsarbeit begann vor einem halben Jahr. Anlass war der Einzug von zwei Familien aus dem Balkan in ein Wohnhaus seiner Nachbarschaft. Sie gehörten zu den 26 Asylbewerbern, die in den vergangenen vier Wochen wieder in ihre Heimat mussten. Sie kamen überwiegend aus Albanien und dem Kosovo.

Vor einem Monat rief er mit Bürgermeister Peter Lehr zu Kleider- und Spielzeugspenden auf. Vorausgegangen war eine Entrümpelungs- und Reinigungsaktion der ehemaligen Volksschule II: Die jungen Flüchtlinge waren froh über diese Beschäftigung. Der Lohn für ihre sozialen Dienste war ein Euro pro Stunde.

Kleiderkammer geöffnet

"Seit 14 Tagen brummt es", berichtet Betzl über das ungeahnte Ausmaß an Sachspenden in den letzten Wochen. Neben Bekleidung, Spielsachen und Schuhen liefern die Spender aus Eschenbach und Umgebung auch Fahrräder, Koffer und Fernsehgeräte an. Es fehlten noch Regale, Kleiderständer und Kleiderbügel. Deshalb stellte die Firma Mondi Packaging zum Zwischenlagern ein Kontingent an Umzugskartons zur Verfügung. Der Arbeitskreis Asyl legt nicht verwendbare Kleidungsstücke in einen Sack, der für die Altkleidersammlung der Kolpingfamilie bestimmt ist.

In warmer Bekleidung, Schuhen und Koffern sieht Betzl die "nächste Herausforderung", da die Asylbewerber nur mit Taschen und Beuteln eintreffen. Geöffnet ist die "Kleiderkammer" hinter der Bergkirche jeden Samstag von 10 bis 12 Uhr. "Um 9.30 Uhr stehen bereits 30 bis 40 Leute vor der Eingangstüre", berichtet Betzl. Er beobachtet eine unterschiedliche Mitnahmementalität der Asylbewerber und versichert deswegen: "Unser Ziel ist es, jeden gleich zu behandeln." Die Zusammenarbeit mit der Ausländerbehörde beim Landratsamt wertet er als gut.

Der Arbeitswille der Asylbewerber kommt der Stadt zugute. Während der Badezeit reinigten sie bei großen Besucherzahlen zweimal täglich Duschen und Toiletten am Rußweiher. Drei albanischen Frauen hatten die Gelegenheit, zwei Wochen lang die Markus-Gottwalt-Schule zu putzen. Sie benötigten dafür nur eine Woche. "Die beiden beim Bauhof beschäftigten Syrer machen bereits Deutsch-Fortschritte", erkennt der Stadtrat. Keine Sprachprobleme habe ein Beschäftigter in der Freizeitanlage, der sechs Sprachen beherrscht.

Verkehrsunterricht

Betzl kündigt einen Verkehrsunterricht für Kinder und Erwachsene an. Ein besonderes Anliegen ist es ihm, über das Verhalten mit Fahrrädern im Straßenverkehr zu informieren. Für den Herbst will er ein Grillfest organisieren. Es soll dazu dienen, dass sich Asylbewerber und die 20 Mitarbeiter des Arbeitskreises Asyl kennenlernen und mögliche Probleme lösen können. "Es ist viel erreicht, wenn Menschen wieder weg müssen und dann gut über Deutschland sprechen", erhofft sich Betzl. Positiv wirke sich ein monatlicher Erfahrungstausch mit der Mitarbeiterin der Caritas Weiden, Raimunda Brusokaite, aus.

In Sprachkursen bei der Volkshochschule sieht Betzl eine erste und wichtige Stufe zur Eingliederung von Asylbewerbern. "Örtliche Unternehmen warten sehnlichst auf Arbeitserlaubnisse. Wir suchen daher Deutschlehrer für Turbo- Kurse." Er berichtet von Erwachsenen und Kindern aus Syrien, die gut ausgebildet sind und zum Großteil über Englisch-Kenntnisse verfügen. "Patenschaften für Minderjährige könnten zum schnelleren Erlernen der deutschen Sprache beitragen", zeigt sich Betzl überzeugt.
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