Kleine Kanten als hohe Hürden

Oberbürgermeister Andreas Feller (vorne, im Rollstuhl) konnte sich wie die Bauausschussmitglieder davon überzeugen, dass selbst die niedrige Bordsteinkante am Reiner-Eck zum Hindernis werden kann. Behindertenbeauftragte Helga Forster (Dritte von rechts) wollte mit der Aktion die Sinne der Räte für die Barrierefreiheit schärfen. Bild: Hösamer

Der Oberbürgermeister im Rollstuhl, der Bauausschuss mit Rollatoren: Die Gäste in den Straßencafes am Marktplatz staunten am Montag angesichts der Karawane, die da an ihnen vorbeizog. Die Gremiumsmitglieder indes entdeckten so Hindernisse, die ein fitter Fußgänger kaum registriert.

Erhard Sailer vom Bündnis für Familie und Helga Forster als kommunale Behinderten-Beauftragte hatten da ihr Ziel schon erreicht: Die Bauausschuss-Mitglieder erlebten am eigenen Leib, wie grobes Pflaster oder hohe Bordsteinkanten das Fortkommen behindern. Am Pfleghof ist zwar vorschriftsmäßig ein behindertengerechter Aufzug installiert, das Hindernis ist aber die Eingangstür, die ohne Öffner für einen Rollstuhlfahrer kaum zu bewältigen ist, wie Oberbürgermeister Andreas Feller feststellen konnte.

Der Weg vom Rathaus hinauf zum Pfleghof ist für Rollstuhlfahrer auch zu steil, zumindest Podeste alle zehn Meter müssten hier angelegt werden, um Pausen zu ermöglichen. Und selbst die kleine Bordsteinkante an der Ampel am Reiner-Eck wird im Rollstuhl zur Hürde.

Sailer und Forster war daran gelegen, bei den Kommunalpolitikern das Bewusstsein für die Barrierefreiheit zu schärfen. Andreas Betzlbacher hatte die Rollstühle und Rollatoren zur Verfügung gestellt, mit denen das Gremium eine Runde vom Rathaus zum unteren Marktplatz und zurück drehte. Forster bot an, bei künftigen Planungen einen Blick auf die Vorhaben zu werfen: "Wenn die Barrierefreiheit gleich berücksichtigt werden, wird das auch nicht teurer", sagte sie. Dem Bauausschuss übergab sie einen Leitfaden und eine "Checkliste". Am 5. November findet im Landratsamt eine Fachtagung zum Thema Barrierefreiheit statt, bei dem sich Kommunalpolitiker und Planer näher mit dem Thema auseinandersetzen können.

Das Türmerhaus neben dem Blasturm kann zum Vereinsheim für den Oberpfälzer Waldverein umgebaut werden. Dafür gab der Bauausschuss einstimmig grünes Licht. Das Gebäude steht nicht unter Denkmalschutz, allerdings muss der OWV einige Auflagen erfüllen. Das Umfeld ist altstadtgerecht zu gestalten, außerdem sind Putz, Fensterfaschen und Farbe festgelegt. Barrierefrei wird das Vereinsheim nicht. Das sei mit vertretbarem Aufwand nicht umzusetzen, heißt es in der Beschlussvorlage.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2014 (9311)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.