Kleine Schritte mit "Mister Antibakterial"

Mit einem Solarkoffer wollen Walter Rinderer (links) und Hans Rupprecht die indischen Politiker von der Photovoltaik überzeugen. Der Staat hält Gelder für Umwelttechniken vor. In den Genuss kommen die Provinzen aber nur, wenn sie funktionierende Techniken vorweisen können. Der Koffer bleibt im Nagaland. Die Salesianer-Padres werden ihn zu Schulungszwecken einsetzen. Bild: Grüner

Walter Rinderer und Hans Rupprecht sitzen zur Stunde im Flieger nach Kalkutta. Drei Monate lang bleiben sie in Indien, bauen mit den Einheimischen eine Kunststoff-Recyclingmaschine, zeigen ihnen wie man Solarenergie einsetzt, Trinkwasser aufbereitet und Lebensmittel haltbar macht.

Am Mittwoch schilderte Walter Rinderer bei der Umweltkonferenz in Mumbai als Gastreferent seine bisherigen Erfahrungen im Nagaland. "Mister Germany" oder "Mister Antibakterial" nennen die Einheimischen ihren Freund aus Beidl. Der Entwicklungshelfer aus Leidenschaft ist erstmals in Begleitung unterwegs. Der 54-jährige pensionierte Berufssoldat Hans Rupprecht aus Eschenbach ist diesmal dabei. Der gelernte Küchenmeister wird den einheimischen Zubzas vermitteln, wie sich Lebensmittel konservieren lassen.

Lagermöglichkeiten

Einen Felsenkeller will der ehemalige Stabsfeldwebel mit den Einheimischen bauen, um dort Fleisch kühl zu lagern. Desweiteren wird er eine Räucherkammer bauen und den Zubzas zeigen, wie man durch diese Technik zum Beispiel Fisch nicht nur schmackhaft zubereitet, sondern auch haltbar macht. Rupprecht hat dafür beste Voraussetzungen. Er hat sein Fachwissen schon bei der Bundeswehr in Afghanistan und im Kosovo unter Beweis gestellt. Bei einem Metzger hat er sich zeigen lassen, wie Dauerwürste gemacht werden. Auch dieses Wissen will er weitergeben.

Im Gegensatz zu ihm, wird Walter Rinderer größere Teile des Nagalandes bereisen, mit großen Plänen im Gepäck. Solarthermie will er den Bewohnern näher bringen, mit ihnen eine mobile Kunststoffrecyclingmaschine und Wasseraufbereitungsanlagen bauen.

"Dabei kommt die kleine Physik zum tragen. Die Menschen müssen verstehen wie Technik funktioniert, müssen in der Lage sein sie zu warten und zu reparieren. Sonst macht alles keinen Sinn." Sechs Salesianer Padres, je zwei aus den drei Provinzen, erwarten ihn bereits. Ihnen vermittelt er sein Wissen, das sie dann an die Einheimischen weitergeben.

Vernetztes Wissen

Für seine ehrgeizigen Pläne ist der Entwicklungshelfer ständig auf der Suche nach Mitstreitern, hierzulande und auch in Indien selbst. Bei der Umweltmesse im August 2014 in München hat Walter Rinderer viele Kontakte zu indischen Firmen geknüpft und Werbung für seine Projekte betrieben. Eine Firma, mit Sitz in Kalkutta, besucht er bei seiner aktuellen Reise.

Auch hierzulande hat er ein kleines Netzwerk geschaffen. Ekkehard Brühschwein, Vorstandsmitglied vom Zentrum für erneuerbare Energien in Ensdorf, Professor Burkhard Berninger von der OTH Amberg/Weiden, Jakob Faßnacht und Patricia Künzig von Technik ohne Grenzen, Region Amberg und München sind die Verbündeten. Die Institutionen stellen hauptsächlich technisches Wissen zur Verfügung. Und da ist noch Ernst Klimek von der Grundschule Weisendorf, der als der Vater des Zubza-Projektes gilt. Er ist für die finanzielle Seite verantwortlich.

Ein dritter Praktiker reist im Juni ins Nagaland. Luca Mühlmeier aus Schwarzenbach bei Bärnau schreibt im Mai sein Abitur. Gleich anschließend bricht er zu einem Freiwilligen Sozialen Jahr auf und führt die Arbeit von Walter Rinderer und Hans Rupprecht fort.

Mitstreiter über Zeitung

Beide Mitstreiter hat Walter Rinderer über unsere Zeitung gefunden. In zwei Artikeln, in denen wir seine Projekte vorstellten, hatte er Gleichgesinnte gesucht. Fünf Leute meldeten sich. Das Ziel von Walter Rinderer ist, dass kontinuierlich Leute von hier vor Ort im Nagaland wirken. Jede Hilfe zur Selbsthilfe müsse bei den Grundlagen ansetzen. "Menschen, die am offenen Feuer kochen, indem sie einen Meterprügel nachschieben, haben einen immensen Nachholbedarf. Da darf man nicht zu schnell agieren. Wenn man jemand laufenlassen will, muss man ihm zuerst das Gehen lernen, beginnend mit ganz kleinen Schritten. Wenn die Einheimischen sehen, dass etwas funktioniert und Vorteile bringt, dann nehmen sie es auch an und machen es nach." Grundsätzlich wäre vieles vorhanden, aber niemand verstehe die Technik. So wären auf den Dächern zwar viele Solaranlagen installiert, aber keine funktioniere.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.zubza.de/
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