Kleines verstecktes Paradies

Unbemerkt von der Öffentlichkeit hat sich im Gründeich im vergangenen Jahr viel verändert. Mitarbeiter der Bayerischen Staatsforsten haben unter Leitung von Förster Alwin Rupprecht ein vielfältiges Biotop geschaffen.

Die Preiselbeer- Reißer und Schwammerl-Sammler, die jedes Jahr im Spätsommer ihre geheimen Plätzchen im Wald hinter dem Weiler Grün aufsuchen, haben sich verwundert die Augen gerieben: Kaum wiederzuerkennen ist der Gründeich zwischen Oberbibrach, Vorbach und Neustadt am Kulm. Im Schutz der bis zu 30 Meter hohen Fichten, Lärchen und Kiefern haben Mitarbeiter der Bayerischen Staatsforsten seit Ende 2014 das entlang einer geologischen Störungslinie gelegene, monokulturelle Nadelwaldgebiet in ein abwechslungsreiches Ökosystem verwandelt. "Was wir für die Strukturvielfalt dringend brauchen, sind nährstoffarme, extensiv oder gar nicht bewirtschaftete Flächen", betont leitender Förster Alwin Rupprecht. Dafür bietet sich der aufgrund der Nadelhölzer saure Boden im Gründeich hervorragend an.

Teiche umgestaltet

Bereits im Winter wurde der Baumbestand entlang des Forstwegs deutlich ausgedünnt. Mehr Licht und Wärme erreichen nun den Boden. Laubbäume sowie andere Blütenpflanzen für Streuobstwiesen können sich auf den neu angelegten Rohbodenstreifen entwickeln. "Was an heimischen, den Standort entsprechenden Arten nicht von alleine kommt, wollen wir kleinflächig durch Saat einbringen", sagt Rupprecht. An den südwestlichen Wegeböschungen entstehen weitere Trockenbiotope. Brennholzwerber hätten dort bereits damit begonnen, den dichten Fichtenbewuchs in Meterware für wohlige Winterwärme zu verwandeln.

Neu sind zahlreiche kleine Tümpel, die trotz der Trockenperiode in den vergangenen Wochen mit Wasser gefüllt sind. Sie sind idealer Lebensraum für Libellen, Wasserwanzen, Kröten und Molche. "Die Tümpel sollen möglichst fischfrei bleiben, damit die Insekten nicht gleich wieder aufgefressen werden", erklärt der Förster, der das Projekt leitet.

Für Fische und Krebse sind hingegen die entlang des Wegs angeordneten Teiche gedacht, die wiederum als Futterbiotop für Eisvogel, Schwarzstorch oder Wasserfledermaus dienen sollen. Der Besatz von typischen Fischarten wie Schleien, Rotaugen und Moderlieschen startete bereits. Im Herbst, wenn wieder viele Weiher abgelassen werden und Nachschub vorhanden ist, folgen weitere. Zwei Teiche sind im Moment an Privatpersonen verpachtet, sobald die Verträge auslaufen, werden auch diese umgestaltet. Rupprecht: "Vorher wollen wir aber durch unterschiedliche Flachwasserbereichen und längere Uferlinien noch etwas Strukturen schaffen."

Besonders ins Auge sticht am nördlichen Ende ein 30 Meter langer Damm, vor dem mittig ein etwa drei Meter hoher Mönch aus weißen Betonrohren scheinbar mitten im Wald steht. In dem steil abfallenden Gelände dahinter stehen große Fichten und anderes Gehölz, deren Stämme bereits mit Wasser umgeben sind. Danach steigt das Gelände nur langsam wieder an. Bis auf den anderen Seiten das gleiche Höhenniveau wie auf der Dammseite erreicht ist, muss man gut hundert Meter gehen. Mit etwas Fantasie kann man so erahnen, welche imposanten Ausmaße der Weiher haben wird, der hier in den nächsten Jahren entsteht, sobald sich das Wasser in dem Becken gesammelt hat. Eine weitere Besonderheit: Der Teich entsteht auf privatem Grund. "Der Besitzer übernimmt unser Konzept und gestaltet seine Fläche in gleicher Weise um wie wir", erklärt Rupprecht und lächelt: "Das ist wirklich bemerkenswert."

Positives Fazit

Er habe zwar noch nicht viele Rückmeldungen erhalten, erklärt der Förster, "aber die bisherigen waren alle positiv". Für ihn gibt es bei diesem Projekt nachhaltig zwei Gewinner: Mensch und Natur. "Vielfalt ist nicht nur etwas, das den meisten Menschen gefällt. Strukturreiche Ökosysteme sind flexibler und sehr viel eher in der Lage, sich bei veränderten Umweltbedingungen anzupassen." Und so werden auch alle Pilze-Sucher, die bisher noch nicht die fette Beute machen konnten, mit einem faszinierenden Biotop entschädigt.
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