Klettern in Marokko: Mehr als 400 bestens abgesicherte Routen in der Todra-Schlucht
Rauer Fels in exotischem Ambiente

Blauer Himmel, rotbraune Felsen und über 400 Routen zur Auswahl: Schon fast paradiesische Verhältnisse finden Kletterer in der Todra-Schlucht vor.
 
Am Eingang der Todra-Schlucht liegt das Hotel "Etoile des Gorges" (vorne links) und ist damit eine gute Unterkunft für die Kletterer.

Wie ein Band windet sich die Straße durch die Todra-Schlucht. Links und rechts recken sich rotbraune Felsen 300 Meter in den Himmel. Wer im Frühjahr oder Herbst ein perfektes Klettergebiet sucht, kommt an dem marokkanischen Spot nur schwer vorbei. An die 400 Routen gibt es hier, in der Nähe der Oasenstadt Tinghir.

Es ist eng in dem alten Benz. Vier Leute haben sich auf den Rücksitz gequetscht, drei sitzen vorne. Dazu kommt jede Menge Gepäck, das im Kofferraum keinen Platz mehr hat. "Kein Problem, geht schon", sagt Mohammed, der regelmäßig morgens um 5 Uhr am Busbahnhof in Tinghir auf Neuankömmlinge aus Marrakesch wartet. Sein Angebot: Halbpension im Hotel "Etoile des Gorges", Taxifahrt inklusive - und das alles für 140 Dirham. Nach dem traditionellen arabischen Feilschen sind es noch 120 Dirham pro Tag (gut 11 Euro).

Die Oasenstadt mit ihren knapp 40 000 Einwohnern schläft noch, als sich der Mercedes-Diesel Richtung Tizgui müht und Business-Man Mohammed anbietet, er könne auch Ausflüge in die Wüste organisieren. Einige Hundert Meter nach Tizgui tauchen in der Dämmerung zum ersten Mal die riesigen rotbraunen Felswände auf. Das Hotel für die nächsten Tage liegt direkt am Eingang der Todra-Schlucht. Perfekt.

Wer im Frühjahr oder Herbst ein perfektes Klettergebiet sucht, kommt an dem marokkanischen Spot nur schwer vorbei. An die 400 Routen gibt es hier, in der Nähe der Oasenstadt Tinghir. Bilder von Armin Eger



"Wir pflegen die Routen und halten alles in Ordnung", erklärt der 56-jährige Julio Soares einige Stunden später. Seit drei Jahren arbeitet der Franzose - der überall nur French-Man genannt wird - im Tal. Vor kurzem hat er einen neuen, übersichtlichen Kletterführer herausgebracht. Mit Mohammed (nicht der vom Busbahnhof) hat er einen Experten an seiner Seite. "Ich bin hier schon geklettert, da waren noch keine Gäste da", sagt der 46-jährige mit dem grauen Bart und der Stoppelfrisur. Vor etwa 35 Jahren ist er zum ersten Mal die Wände mit dem rauen Kalkstein hinaufgekraxelt, ungesichert und ohne Ausrüstung. Klar, dass Mohammed jeden Fels und jede Route kennt. Den Sektor Kilimanjaro - das ist einer von insgesamt 25 - empfiehlt er für den ersten Tag. "Die Routen mit Schwierigkeiten von 4a bis 4c sind perfekt, um sich an den Felsen zu gewöhnen."


Mit dem Land Rover des French-Man geht es durch die Schlucht, vorbei an etlichen Ständen, an denen es Tücher, handgefertigte Jacken, Schmuck, Teekannen und allerlei Souvenirs zu kaufen gibt. "In den vergangenen Jahren hat der Tourismus deutlich zugenommen", erzählt Julio Soares. Vor allem viele Kletterer aus dem osteuropäischen Raum, wie Polen, hätten die Todra-Schlucht für sich entdeckt. "Aber auch die Deutschen kommen gerne", fügt der 56-Jährige hinzu.

Auf dem aggressiven Kalkstein findet der Kletterschuh perfekten Halt, die Hände müssen sich erst an die raue Oberfläche gewöhnen. Haken für Haken geht es die steilen Wände nach oben, mit Blick auf das Tal, in dem sich einige Palmen verirrt haben. Auf der Straße, die sich entlang eines fast ausgetrockneten Baches schlängelt, halten immer wieder Einheimische mit ihren Autos und sehen den Kletterern mit dem Fernglas zu oder machen Fotos.

Bald wird es im Februar dunkel und auch kalt. Die Tagestemperaturen von etwa 20 Grad sinken bis zum Einbruch der Dunkelheit nahe an den Gefrierpunkt. Hotelchef Abdul wartet schon mit dem traditionellen Minztee. Zum Abendessen serviert er ein Eintopfgericht aus dem Tajine, dem orientalischen Lehmtopf. "Nur von 18 bis 19 Uhr gibt es warmes Wasser", warnt er vor. "Und der Stromgenerator läuft nur bis etwa 22.30 Uhr." Aber nach einem anstrengenden und abenteuerlichen Tag ist das sowieso kein Problem. Das Licht im Zimmer ist schon lange vorher aus.

Anreise und Klettern in der Todra-Schlucht

Anreise nach Marokko

Billigflüge mit Ryan Air ab Frankfurt/Hahn. Schon für etwa 130 Euro Hin- und Rückflug nach Marrakesch. Etwa 15 Euro kostet das Taxi vom Flughafen in die Stadt.

Fahrt in die Todra-Schlucht

Mit Bussen (Supratours) ab Busbahnhof Marrakesch in die Oasenstadt Tinghir (400 km), zwei Mal am Tag. Preis etwa 17 Euro. Die Fahrt dauert 7 Stunden und führt über einen Pass (2300 Meter ) über das Atlasgebirge.

Meistens warten am Busbahnhof in Tinghir Einheimische, die Unterkünfte vermitteln. Halbpension schon ab 11 Euro/Tag. Mit dem Taxi Weiterfahrt nach Tizgui. Von hier sind es nur noch einige Hundert Meter in die Todra-Schlucht, die auf 1400 Metern Höhe liegt.

Kletterführer

Kletterführer mit Topo zum Preis von 250 Dirham (knapp 25 Euro) gibt es in den Unterkünften oder im Shop "Adventures Verticales" in der Ortsmitte von Tizgui. Hier auch Verkauf und Verleih von Kletterausrüstung und Buchung von Touren.

Klettergebiet

Der Fels in der Todra-Schlucht ist erstklassiger Kalkstein und sehr rau und aggressiv. Es gibt mehr als 400 Routen von Schwierigkeitsgraden 4a bis 8b. Ein 70-Meter-Seil und 15 Expressen sind für die meisten Routen ausreichend.

Beste Reisezeit

Frühjahr oder Herbst.
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