Klinikseelsorger Josef Epp schildert beim Landfrauenfrühstück seine Schicksalsschläge
Selbst den Tod von Frau und Kind kann man überwinden

Josef Epp (rechts) zog die Landfrauen in seinen Bann, als er vom Leid in seinem eigenen Leben erzählte. Bild: gf

Raus aus Alltag und Arbeit war angesagt beim Landfrauenfrühstück im Gasthof Michl. Daheim, so Kreisbäuerin Brigitte Trummer, "würden wir uns kaum die Mühe machen, das alles so herzurichten wie hier". Wenn Josef Epp davon plaudert, dass man die Sonne sehen kann, auch wenn es dunkel ist, dann weiß der Buchautor und Klinikseelsorger an der Kreisklinik Ottobeuren, worum es geht. Denn er selbst durfte nicht nur die Sonnenseiten des Lebens genießen.

Viel zu früh starb seine Frau, er war alleinerziehender Vater und die Tochter behindert. Sie schaffte den Schulabschluss, arbeitete im Kindergarten - und starb, gerade einmal 20 Jahre alt.

Ein schwerer Weg sei es für ihn gewesen, jeweils nach den Beerdigungen alleine nach Hause zu gehen. Da frage man sich schon: Was soll man noch machen? Das Lebensglück beruht laut Epp auf drei Säulen: Selbstbewusstsein, einer festen Beziehung und dem Erkennen der Sinnhaftigkeit des Lebens. Alte Menschen fürchteten oft, sie seien nichts mehr wert, auch Kindern mangle es oft an Selbstbewusstsein. Krankhaft seien sie auf der Suche nach Anerkennung. "Dass man sie ordentlich schimpft, ist ihnen sogar lieber, als dass man sie überhaupt nicht beachtet."

Nichts ist ewig

Menschliche Beziehungen seien nie von ewiger Dauer, betonte Epp, denn irgendwann müssten Eltern ihre Kinder loslassen oder die Kinder verlören ihre Eltern. Ehen könnten scheitern oder durch den Tod eines Partners zu Ende sein. Ein kleiner Streit, ein Konflikt oder der Tod könne urplötzlich hereinbrechen. Mit schwäbisch-allgäuerischem Zungenschlag gab sich Epp auch als Schlitzohr. So etwa, als er fand, dass man nach einem mehrtägigen Krankenhausaufenthalt durchaus kränker sein könne als bei der Einlieferung.

Immer wieder kehrte Epp ins Leben seiner Tochter zurück. Er sei sich darüber im Klaren gewesen, dass sie als Behinderte keine allzu lange Lebenserwartung habe. Zu früh sei sie gestorben, aber noch schlimmer wäre es gewesen, er hätte vor ihr gehen müssen: "Da wäre sie allein und vollkommen hilflos gewesen." Kaum Kraft habe er mehr gehabt, als Johanna starb, aber einige Monate später habe er sich gefreut, als er ein kleines Flüchtlingskind im Ort mit Johannas bester Winterjacke lachend herumlaufen sah. Die nicht mehr benötigten Kleider hatte er den Betreuern der Asylbewerber geschenkt.

Gegen Leid gebe es kein Patentrezept, ohne Schmerz, Angst oder Schicksalsschläge komme niemand durchs Leben, keiner stehe immer auf der Sonnenseite. Jeder müsse einmal sterben und jeder sterbe anders, aber er erinnere sich an einen alten Bauern, der meinte, "dass das Sterben nicht so schlimm sein kann, denn sonst tät's nicht jeder".

Im Leid müsse man ankommen und es zulassen und keine Tränen unterdrücken. Die Sonne müsse man auch im Dunkeln sehen, lautet der Leitsatz von Josef Epp. Das bedeutet, dass man an Gott glauben müsse, auch wenn man ihn nie zu Gesicht bekomme.

Auf falsche Wege gerieten jene, die in ihren Lebenskrisen an Gott zweifelten oder gar auf falsche Götter hereinfielen. Die Laster der Neuzeit seien vielfach protzige Statussymbole wie Schönheit oder Reichtum, bei den Jüngeren etwa das neueste I-Phone. Einige Zeit ließen sich die falschen Götter ertragen, aber es kämen auch Zeiten, da würden sie unerträglich. Wenn diese falschen Götter fielen, dann werde man wieder von Gott aufgefangen und getragen. "Gott kann man nicht probieren, auf Gott muss man vertrauen." Schicksal und Leid seien vielfach die große Chance im Leben, denn man könne nie tiefer fallen als in Gottes Hand.

Einst ein "scharfer Hund"

Sich selbst bezeichnete Epp als Karrieremann und erfolgsverwöhnten Kirchenlehrer. Er sei stolz darauf gewesen, dass er im Ordinariat als "scharfer Hund" galt. Seine Offenheit habe wenig dazu beigetragen, auf der Beliebtheitsskala anderer oben angesiedelt zu sein.

Freud und Leid habe er im Krankenhaus hautnah miterlebt, erzählte Epp. In einem Krankenzimmer lag eine 35-jährige Frau, unheilbar und den Krebstod vor Augen. Im Zimmer nebenan telefonierte ein 90-Jähriger mit seinem Lieblingsneffen, dass der ihm doch schnell die Autoschlüssel bringen soll, denn er wolle jetzt gleich und vor allem selbst nach Hause fahren. Danach, so Epp, habe er nur den einzigen Wunsch gehabt, schneller am Parkplatz zu sein als der hochbetagte Mann.
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