"Knallharter Kämpfer"

Ein streitbarer Gewerkschafter und Sozialdemokrat: Alfred Melchner wird heute 80 Jahre alt. Bild: swt

Alfred Melchner sagt von sich: "Ich habe mein Leben lang für die gekämpft, die auf der Schattenseite stehen und war nie ein bequemer Verhandlungspartner!" Daran knüpft sich sein einziger Wunsch für den 80. Geburtstag, den er an diesem Samstag feiert.

Seit mehr als 50 Jahre sitzt Alfred Melchner dem DGB Ortskartell Auerbach vor. Er war SPD-Ortsvereinsvorsitzender, Betriebsrat in der Bulag und führt die Arbeiterwohlfahrt. Wenn es um schlechte Löhne und die zunehmende Altersarmut geht, nimmt er nach wie vor kein Blatt vor den Mund.

1935 erblickte er in Speinshart das Licht der Welt. Mit zwei Jahren kam der kleine Alfred nach Auerbach; der Vater war Bergmann. Die Familie wohnte zunächst am Grünhof, später in der Kolonie. Nach der Volksschule ging der junge Mann in eine Schneiderlehre. "Das war kein Wunsch von mir. Ich wollte lieber Radiomechaniker werden", sagt er heute. Lehrstellen waren damals dünn gesät. Aber "Im Nachhinein war das nicht zum Nachteil für mich."

Die Lehrlinge wurden nicht übernommen. Melchner arbeitete zunächst in Weiden und kehrte dann nach Auerbach zur chemischen Reinigung Schmidt zurück. Dort war er als Volontär beschäftigt, lernte das Geschäft von der Pike auf und übernahm mit 26 Jahren die Leitung. Als die Reinigung schloss, bekam er ein Angebot vom damals zweitgrößten Arbeitgeber in Auerbach, der Bulag.

Schnell gehörte er dort dem Vertrauenskörper an, wurde Betriebsratsvorsitzender. In Schulungen der Gewerkschaft Textil und Bekleidung bildete er sich an den Wochenenden fort. 1965 kam das Angebot, hauptamtlicher Gewerkschaftsekretär zu werden. Nach Stationen in Frankfurt und Aschaffenburg kam er nach Kulmbach. Als der Geschäftsführer dort starb, trat er die Nachfolge an.

In all den Jahren hat Melchner für bessere Arbeitsbedingungen und Bezahlung gekämpft. "Ich war kein bequemer Verhandlungspartner, musste mehrfach vor dem Arbeitsgericht knallharte Kämpfe ausfechten", blickt er auf diese Zeit zurück.

Noch immer an Tariffront

Vor über 50 Jahren übernahm er nebenbei den Vorsitz des DGB-Ortskartells Auerbach; seit 30 Jahren steht er an der Spitze der Arbeiterwohlfahrt. Er gehört auch im fortgeschrittenen Alter noch der Tarifkommission Nordbayern an, die im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums tätig ist. "Ich verhandle dort zusammen mit weiteren Kollegen die Entlohnung für Beschäftigte in der Heimarbeit."

Vieles, was sich derzeit am Arbeitsmarkt tut, findet Melchner bedenklich. "Als ich mit 60 in die Rente ging, da war die Welt noch in Ordnung." Inzwischen habe sich die Situation verändert, hin zu immer mehr prekären Arbeitsverhältnissen, Leih- und Zeitarbeit. "Jetzt steuern wir auf eine geteilte Gesellschaft im Alter zu. Die Altersarmut wird ein Riesenproblem", befürchtet er.

Fester Tagesablauf

Melchner liest viel: "Mit der Bildung wächst der Zweifel", zitiert der ehemalige Gemeinderat von Nitzlbuch, der 1972 vor der Gebietsreform erstmals mit einer eigenen SPD-Liste antrat. Noch immer ist er viel unterwegs, ist bei 60 plus auf Bezirksebene tätig. Zuhause hat er täglich eine schöne Routine entwickelt. Frühmorgens geht er in die Stadt, macht Besorgungen, trinkt einen Kaffee und liest ein Fachbuch. Mit Gymnastik und Radlfahren hält er sich nach einer schweren Rückenoperation fit. Am Nachmittag kümmert er sich mit Ehefrau Inge um Haus und Garten in Bernreuth. Seit 1960 sind sie verheiratet, haben zwei Söhne und drei Enkelkinder.

Für die nächsten Jahre hat Melchner einen Wunsch: "Ich hoffe meine Gesundheit bleibt mir noch lange erhalten, damit ich für die Menschen in meinem Umfeld und der Gemeinde noch einiges bewirken kann."
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