Knapp hinter Rimini

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An der 80 Kilometer langen Küste zwischen Ravenna und Cattolica präsentieren sich die Badeorte wie Perlen an einer Kette aufgeschnürt. Cesenatico, Cervia, Rimini oder Riccione - alle buhlen um Urlauber. Der Konkurrenzkampf ist so groß, dass am 29. Mai in Riccione viele Bars, Hotels, Campingplätze, Restaurants und Hotels ihre Gäste zum Nulltarif verwöhnten.

Italien leidet immer noch unter der Wirtschaftskrise. Das bekommt auch die Tourismusbranche an der Adria zu spüren. Aber die Pächter der Strandbäder sind findig. An der romagnolischen Küste macht sich immer mehr Wellness (benessere delle spiagge) breit. Yoga, Tai-Chi, Chi-Gong oder Shiatsu bescheren den Urlaubern Abwechslung. Die Zeiten, in denen die Touristen stundenlang unter dem Sonnenschirm am Meer lagen und zwischendurch Abkühlung im Wasser suchten, sind vorbei. Die Badeanstalten sind immer mehr Treffpunkt für Familien und Freunde - von früh bis spätabends gibt es Programm. Der Nachwuchs tobt sich auf Volleyball- und Fußballfeldern aus, Väter machen bella figura beim Boccia-Turnier, und Mütter blättern bei einem kühlen Cocktail in Gratis-Illustrierten. Wer will, schwitzt auf Fitness-Geräten mit Meerblick.

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Zu einem der beliebtesten Urlaubsorte an der Adria hat sich Cervia gemausert. Mit 260 blitzsauberen Strandbädern, 371 Hotels, 5 Campingplätzen, 2770 Ferienwohnungen und 25 000 Betten liegt die 25 000-Einwohner-Stadt nur knapp hinter Rimini. Jedes Jahr bescheren über 650 000 Fremde fast 4 Millionen Übernachtungen. Die berühmte Salzstadt bietet die ganze Saison ein attraktives Programm: Es beginnt im Mai mit der "Hochzeit des Meeres" und endet im September mit dem großen Salzfest. Dazwischen liegen Puppenfestspiele, Drachenfestival, Musik- und Tanz-Festival, Wettkampf der Bademeister und vieles, vieles mehr. Stolz ist Cervia, deren französische Partnerregion Pays Beaujolais ist, auf die Auszeichnung "Blaue Fahne Europas" für die besonders sauberen Strände.

Über 30 000 Besucher suchen alljährlich Entspannung im modernen Thermalbad. Schlamm und Wasser, die bei der Salzherstellung nach der Ablagerung des Natriumchlorids zurückbleiben, haben heilsame Wirkung, etwa bei Gelenkproblemen und Hautkrankheiten sowie Atembeschwerden.

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Leckere Priesterwürger

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Essen und Trinken gehören zu Italien wie Meer und Strand. Den Pasta-Versuchungen in der Romagna kann man nicht widerstehen. Handgemachte Tagliatelle, Capelletti oder die berühmten Strozzapreti (Priesterwürger) kommen mit Meeresfrüchten, aber auch mit Lamm, Kalb oder Schwein vom Grill auf den Tisch. Immer dabei ist die Piadina. Das warme Fladenbrot der Romagna ist das, was für uns das Schwarzbrot ist, und wird mit allerlei Beilagen am Kiosk verkauft. Die traditionellen Zutaten sind Mehl, Schmalz oder Olivenöl und das süße Salz von Cervia. Urlauber können die Zubereitung in Akademien oder bei Kursen lernen. Internationales Niveau erreichen die Weine, der rote Sangiovese und der weiße Trebbiano. Die lokale Rebsorte ist der kräftige Albana, der erste weiße Docg-Wein Italiens. Neue, experimentierfreudige Winzer erinnern an Künstler und produzieren auf Tonerde und Muschelkalk köstliche Tropfen. Der Lohn sind begehrte Auszeichnungen. Interessant ist das Hinterland. Irgendwann kann der schönste Badeurlaub auf die Nerven gehen.

Ein Tagesausflug bringt Abwechslung. Ein Geheimtipp für Adria-Touristen ist Bertinoro, nur zwölf Kilometer von Cesena entfernt. Von der 280 Meter hoch liegenden Piazza della Libertà - dem Balkon der Romagna - bietet sich ein Blick bis Ravenna und San Marino. Sehenswert sind die Kathedrale und der Palazzo Ordelaffi, Sitz des Rathauses, mit Stadtturm und Weinmuseum. Einen Besuch lohnt auch die mächtige Burg. Der einstige Bischofssitz beherbergt das in Italien einzigartige Museo Interreligioso mit Exponaten der drei monotheistischen Weltreligionen Christentum, Judentum und Islam.

Direkt an der Bahnlinie nach Florenz und nur 12 Kilometer von der Autostrada A 14 entfernt ist die antike Stadt Brisighella im üppigen Lamone-Tal. Sie wird von drei hohen Kreidefelsen dominiert. Weltweit einzigartig ist die "Antica Via degli Asini". Die einstige Eselsstraße dient heute als malerischer Spazierweg durch die Altstadt.
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