Kohlberg im Buch verewigt

Wilma Bäumler und Gerda Metka (von links) vom Bücherei-Team freuten sich, als ihnen Johann Müller von der Laienspielgruppe Kohlberger Räuber das Buch zur Ausleihe übergab. Bild: jml

Wie kommt eine Laienspieltruppe zu der Ehre, in einem deutschlandweit vertriebenen Jugendbuch zu erscheinen? Ganz einfach: ungewöhnliche Umstände. Denn vor rund zwei Jahren zog eine Gruppe mit tschechischen und deutschen Teilnehmern der Jan-Hus-Pilgerwanderung "Husova Pout" durch unser Gebiet.

Anlässlich des 600. Jahrestages der Verbrennung des böhmischen Reformators Jan Hus 1415 beim Konzil in Konstanz wurde dessen Reise von der Wandergruppe noch einmal unternommen. 2012 in Prachatice (Tschechien) gestartet, war dies die zweite Etappe. Letztes Jahr ging es von Nürnberg aus weiter Richtung Bodensee. Angeregt wurde die Aktion von der Vereinigung der Städte mit hussitischer Geschichte und Tradition. Zu Fuß, mit Ross und Planwagen zog eine bunt gekleidete Truppe von Bärnau bis nach Nürnberg. Sie übernachteten in Etzenricht und gönnten sich in Kohlberg ein wenig Erholung.

Wie vor 600 Jahren

Sie wurden von Lanzenträgern der Laienspielgruppe "Kohlberger Räuber" am Ortseingang empfangen und zum Rathaus begleitet. Gerade so, wie es vor rund 600 Jahren auch hätte sein können.

Mit Milch und Wasser verköstigt (das Geräucherte wollte der Bandenchef von damals nicht rausrücken), bekamen die Reisenden vom Ortspfarrer Schelte und Jan Hus von einer Wahrsagerin ein höllisch heißes Ende prophezeit.

Bei der Wandergruppe war auch die Autorin Margit Lessing dabei. Sie sammelte auf der Pilgerreise Stoff für ein Kinder- und Jugendbuch und bat um die Texte des Räuberauftritts. Ihr jetzt druckfrisch erschienes Werk trägt den Titel "Jan Hus' Weg und der böhmische Kelch". Zum Dank für die Mithilfe sandte sie der Laienspielgruppe zwei Gratis-Exemplare. Eines davon übergab Johann Müller, der frühere Leiter der "Räuber", an Wilma Bäumler und Gerda Metka vom Bücherei-Team. So haben jetzt alle im Ort die Möglichkeit, sich in das Leben und die Gedankenwelt des böhmischen Reformators einzulesen. Über den Inhalt sei nur soviel verraten, dass einige Schulkinder im Buch auf eine Zeitreise in die Vergangenheit geschickt werden. Sie begleiten Hus und die Gefährten als Berichterstatter, machen sich Gedanken über Religion und Wahrhaftigkeit, stellen ihm Fragen und erleben sein Ende. Die Texte sind erfrischend geschrieben. Neustadt, Weiden, Hirschau und Sulzbach kommen auch in Text und Zeichnungen vor. (Hintergrund)
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