Kohlberger Kirwa früher

Am Wochenende feiern die Kohlberger Kirchweih. Seit wann genau es dieses Fest im Markt gibt, weiß man nicht. In beiden Kirchen sind Gottesdienste, in den Gaststätten wird gefeiert. Bild: jml

Am Wochenende feiern die Kohlberger Kirwa. Wann genau das Fest entstanden ist, ist nicht genau nachzuvollziehen. Die Kirchweih ist aber wahrscheinlich mehr als 300 Jahre alt.

Kohlberg. Über ihre Entstehung gibt es keine verlässlichen Angaben. Auch der Wiederaufbau der Nikolauskirche nach der Zerstörung durch österreichisch-kroatische Soldateska im unseligen 30-jährigen Krieg kann wohl lediglich als Anhaltspunkt gesehen werden.

Urkundlich belegt ist das Fest erstmals 1723 in einer Kirchweihauflistung des Diözesanarchivs Regensburg. Da der Kohlberger Kirchweihmarkt wohl seit Beginn kein echter Jahrmarkt war, bedurfte es auch keiner Privilegierung durch den jeweiligen Landesherrn. Dagegen spricht der frühe Termin im Jahreslauf wieder für eine gewisse Attraktivität bei Händlern und den meist bäuerlichen Kunden. Kohlberg hatte den Vorteil, dass die Händler wohl schon von Fronleichnam bis zum Kirchweihsonntag und vielleicht gar noch den Montag als Handelstage nutzten.

Wie ganz früher so ein Kirchweihmarkt vonstattenging, hat Dr. Achim Fuchs (Amberg) in seinem Aufsatz für den Band 20 der Oberpfälzer Heimat 1976 beschrieben. Unter dem Titel "Die ,große Kirchweih' von Trautmannshofen" ist unter anderem zu lesen, was sich ähnlich wohl auch für Kohlberg annehmen lässt.

Erster Tanz 1881

Begonnen hat der Trautmannshofener Markt um 1500. Die Händler kamen überwiegend aus der näheren Umgebung. Da für Kohlberg keine gesicherten Nachweise über den Kirchweihmarkt vorliegen, ist auch die Annahme eines Viehmarktes neben dem Krammarkt und den daran teilnehmenden Handwerkern Spekulation. Im 19. Jahrhundert kamen allmählich auch Schausteller nach Trautmannshofen. Im Glückshafen konnten Tabakpfeifen, Kinderspielzeug und Galanteriewaren gewonnen werden. Seiltänzer, Kunstreiter, Leierkästen und "Comödienspiel" ergötzten die Besucher. 1881 wurde dann die erste Tanzveranstaltung genehmigt. Natürlich wollten die Marktbesucher auch ihren Hunger stillen. Mit geräucherten Würsten und Schinken, Kesseln mit dampfender Wurst- und Rindssuppe, Sauerkraut und fettem Schweinefleisch. Kaffee- und Weingetränke, frisches Obst, die beliebten Gurken ("Erdäpfel" genannt) und süßer Honig standen zur Auswahl.

Kinder verschleppt

Spätestens vom 18. Jahrhundert an gab es eine Aufsicht über die feilgebotenen Kramwaren. Im 19. Jahrhundert ließen Landrichter und Bezirksamtmänner nicht nur das Vieh durch Tierärzte sondern auch die Lebensmittel überwachen. "Bierkieser" kippten so manches Fass säuerlich schmeckendes Bier in die Gosse. Bei Bäckern wurden zu kleine Semmeln konfisziert und an die Armen verteilt. Auch Obst und der beliebte Gurkensalat fanden nicht immer Gnade vor den Augen der Prüfer. Da sollen schon mal als Kirchweihschützer eingesetzte Gendarmen von in Rage geratenen Händlern verprügelt worden sein.

Fahrendes Volk und Zigeuner waren bunte Farbtupfer im Menschengewümmel. Sie alle wollten an den Markttagen ihren "Reibach" machen. Viele davon auch unehrlich. Diebstähle waren an der Tagesordnung. Mein Vater (Jahrgang 1910) erzählte, dass in seiner Kindheit in Kohlberg versucht wurde, Kinder zu verschleppen um sie woanders zu verkaufen. Also alles in allem: keine ganz gute alte Zeit.
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