Kommet, ihr Verse

Rupert Beer, Peter Fuhrmann, Armin Scharnagl, Ludwig Schieder und Thomas Kießling bliesen nicht nur Norbert Neugirg und Regisseur Christian Höllerer (von links), sondern vor allem dem Publikum den Advent und Weihnachten mit all ihren Skurrilitäten um die Ohren. Bild: ui

Skurril, frivol, traditionell und mit einer kräftigen Portion valentineskem Neugirgismus führten sieben alternde Männer die Besucher in der ausverkauften Tenne des Schafferhofs in Richtung Festtage.

Norbert Neugirg in zivil, fünf Musiker seiner ausgezeichneten Chaoswehr als weise Männer an der Seite sowie als Stargast der Regisseur der Truppe, Christian Höllerer, beschrieben bei der Altneihauser Weihnachtslesung an zwei Abenden in launigen bis hintergründigen Worten und abrupten bis schrägen Tönen die ebensolchen Begebenheiten im Advent und an Weihnachten. Das ist nach Neugirgs Worten die Zeit, in der "Menschen, die an Ladenkassen wie die Gänse Federn lassen und wie die Enten ausgenommen, ermattet aus dem Kaufhaus kommen, voll bekiffter Weihnachtslieder, der Verstand kommt erst Dreikönig wieder".

Wenn das auf Erden geschehe, "häufen sich die Gichtbeschwerden, es kommt zu Kurz- und Langzeitschäden, Besäufnis, Orgien, Dankesreden, Vaterschafts- und Blutfetttest." Für den Windischeschenbacher Komödianten und Satiriker steht fest: "Gefährlich ist das Weihnachtsfest."

Die Gäste kamen bis aus Hessen und München, viele Altneihauser-Fans aus Franken, und die drei Besucher, die zuletzt die Plätze einnahmen, waren aus Waldershof angereist. "Was ist denn vor 2000 Jahren der Menschheit widerfahren? War da nicht der Baubeginn des Flughafens der Stadt Berlin?", fragte sie Neugirg mit einem kabarettistischen Seitenhieb.

Skurril, frivol, traditionell und mit einer kräftigen Portion valentineskem Neugirgismus führten sieben alternde Männer die Besucher in der ausverkauften Tenne des Schafferhofs in Richtung Festtage. Bilder von Uwe Ibl



Vom Weihnachtsfrieden in diesen spannungsgeladenen Tagen setzte er kritische Worte zur Kriegsrhetorik und ihren Hintergründen, bei der es zum wiederholten Mal ums Öl geht, entgegen. "Oder war da nicht am Roten Meer ein Hammeltreiber Open Air, bei dem ein paar verrückte Hirten von Engeln phantasierten, die dann nur geflogen kamen, weil die Hirten Drogen nahmen. Zerriss es da im Gazastreifen die allerersten Sprengstoff-Pfeifen, die himmelwärts in hohem Bogen zu einer 99 Jahre alten Jungfrau flogen."

"Kommet, ihr Hirten", pfiff in bester Grundschülerweise in schrillen Tönen Klarinettist und Saxofonist Thomas Kießling auf der Blockflöte im Dialog mit den swingend, flotten übrigen Bläsern. Meisterhaft falsch interpretierte das Sextett zahlreiche andere Weihnachtsklassiker wie "Santa Claus is comin' to town" mit temporeichen und schräg gezogenen Passagen vom Feinsten.

"Zum Bersten voll der Chorbalkon, der Chor schiebt sich in Position, verspätet dampft der Ludwig an, der war mal bei der Eisenbahn. Die Kirche mit geweihtem Rauch ist prall gefüllt, die Sänger auch, der Kirchenchor ist nun komplett, mein Gott, war das Essen fett." Den größten Applaus, die meisten Lacher erhielt die Truppe beim "Mettenhauch", einem deftigen Durchgang auf der Chorempore über die vorhergegangenen Schlemmereien.

Schon zuvor hatte Regisseur Höllerer mit weißer Mütze und verblichener Alexander-Herrmann-Schürze nach der fröhlich mit Klarinetten- und Tubasolo dargebrachten "Weihnachtsbäckerei" unter Hinzunahme eine Flasche guten Whiskeys einen Weihnachtsmannkuchen gebacken. Fein abgestimmt schauspielerte sich Höllerer durch den Internet-Klassiker vom ernsten Kochprofi zum lallenden Backversager.

Eingestreut in die gedichtete Gedankenwelt über die andere Seite der Dinge eines Norbert Neugirg, bildeten andere bekannte Fremdtexte, wie das "Packerl aus Amerika" oder die "Weihnachtsbeleuchtung in Stenkelfeld", eine gelungene Mischung, die durch die ebenso überraschende Mixtur von Liedern und anderen Einsprengseln mehr als aufgewertet wurde. Oder wo anders als bei den "Altneihausern" gehen "Es wird scho glei dumpa" und ein James-Bond-Melodie "Pata Pata" eine adventliche Einheit als Einschlaflied ein?
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