Komplizen auf Einbruchstour

Sie kamen immer nachts. Drei Mal brachen sie in Tankstellen ein, dann klickten die Handschellen - auf frischer Tat ertappt. Nun gab es teils saftige Haftstrafen für das Komplizen-Trio. Der Richter war dennoch sehr unzufrieden.

Neun Tage trieben die Männer ihr Unwesen. Drei Verkaufsräume von Tankstellen der gleichen regionalen Kette wurden in dieser kurzen Zeit aufgebrochen. Die Beute war immer das Zigaretten-Reservoir - Hunderte, ja Tausende von Schachteln wurden eingesackt und abtransportiert.

Der erste Bruch ereignete sich am 25. Januar dieses Jahres in Grafenwöhr; nachts, irgendwann zwischen 2 und 3 Uhr. Ein 31-Jähriger, der sich nun vor Gericht zu verantworten hatte, und "weitere, unbekannte Täter", wie es in der Anklageschrift hieß, hatten das Objekt an der Neuen Amberger Straße ausbaldowert und kamen in zwei Fahrzeugen zum Tatort. Dass es mindestens fünf Personen waren, zeigten Videobilder der Tankstelle, die die Polizei später auswertete. Drei der Männer brachen über eine Hintertür ein, zwei hielten die Fluchtfahrzeuge am Laufen. Die Beute: Zigaretten im Verkaufswert von 10 000 Euro. Der Sachschaden: 2000 Euro am Zugang zum Verkaufsraum.

Weil es gar so gut gegangen war, ließ der nächste Einbruch nicht lange auf sich warten. Am 29. Januar hatten die Männer eine Tankstelle an einer Nabburger Ausfallstraße im Visier. Das Vorgehen war das gleiche: Hinfahren, Brecheisen einsetzen und sich kurz zurück ziehen. Vielleicht hatte ja ein stiller Alarm die Polizei aufmerksam gemacht? Als auch hier klar wurde, dass mit keiner unliebsamen Störung durch die Ordnungshüter zu rechnen war, drangen die Diebe gegen 1.44 Uhr ein und räumten die Zigaretten-Regale aus. In diesem Fall summierte sich der Entwendungschaden auf fast 8000 Euro, der Sachschaden betrug 800 Euro. Zwei der Täter wurden später überführt.

Polizei auf der Hut

Das Verhängnis ereilte die professionell vorgehenden Komplizen eine knappe Woche später in Amberg. Es war 1.14 Uhr, die Tankstelle am Rande des Stadtzentrums sollte eigentlich ein Kinderspiel werden, wie die beiden vorher. Tatsächlich gelang das Eindringen auch mühelos. Aber diesmal hatten die Verbrecher die Rechnung ohne die dortige Polizei gemacht. In flagranti wurden drei Täter gefasst - einer davon als Fluchtautofahrer, der nicht mehr dazu kam, seiner Aufgabe gerecht zu werden. Die Zigaretten wurden sicher gestellt und der Tankstelle zurück gegeben. Der Sachschaden von 1000 Euro blieb.

Natürlich lag es nahe, das Trio als Bande zu definieren und ihm schweren, gewerbsmäßigen Bandendiebstahl vorzuwerfen. Genau das tat Staatsanwältin Dr. Isabel Rupprecht, als es zur Verhandlung vor dem Schöffengericht am Amberger Amtsgericht kam. Alles sprach für die Banden-Theorie, aber sie war schwer nachzuweisen. Daher ließ sich das Gericht schließlich auf eine Absprache mit der Verteidigung ein: Die Männer würden alles gestehen, nur nicht, dass sie als Bande unterwegs waren. Im Gegenzug wurde die mögliche Haftdauer nach oben begrenzt.

Läuterung in U-Haft

So kam es dann auch. Schön für die Anklage war, dass sich die Täter regelmäßig hatten filmen lassen. Das Landeskriminalamt wertete die Video-Aufnahmen von den Tankstellen aus, so dass man wenigstens einen aus dem angeklagten Trio zweifelsfrei identifizieren konnte.

Die Verteidiger der Drei kamen aus dem ganzen Bundesgebiet: Olga Sommer aus Trier, Andreas Müller aus Dortmund, Tim Fischer aus Regensburg. Denn die Täter waren keine Hiesigen und zumindest für den Bruch in Amberg aus extra Dortmund angereist. Zwei der drei waren überdies polizeibekannt - und zwar einschlägig.

Alle drei Angeklagten saßen seit mehr als sieben Monaten in Untersuchungshaft. Das hatte gewisse Auswirkungen, wie Verteidiger Müller etwas süffisant mitteilte: "Mein Mandant hat mir in der Haft erzählt, dass es sich nicht lohnt, in Bayern zu stehlen."

Recht zerknirscht wirkte vor allem der jüngste Täter, ein lediger 21-Jähriger, dem man nur die Rolle als Fluchtautofahrer in Amberg nachweisen konnte. "Ich entschuldige mich vor Gericht und bei den Geschädigten", versicherte er. Die Haft sei für ihn ein "psychisches Trauma" gewesen, er wolle künftig keine Straftaten mehr verüben. Er kam schließlich mit zehn Monaten auf Bewährung davon.

Etwas härter traf es die beiden Anderen, denen per Geständnis und Spurensicherung zwei beziehungsweise drei Taten nachgewiesen wurden. Ein 34-Jähriger wurde zu einem Jahr und fünf Monaten, ein 31-Jähriger gleich zu zwei Jahren Haft verurteilt. Auch in diesen zwei Fällen wurde die Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt.

Zu Ausreise verpflichtet

Alle drei wurden aus der Untersuchungshaft entlassen und müssen in diesen Tagen Deutschland Richtung Osten verlassen, weil ihre Aufenthaltsgenehmigungen abgelaufen sind. Falls sie dauerhaft wiederkommen sollten, werden noch Bewährungsauflagen formuliert, kündigte Richter Markus Sand an.

Er machte aus seinem Herzen keine Mördergrube, als er von den "Grenzen des Systems" sprach, an die das Gericht gestoßen sei: "Schwerer Bandendiebstahl ist nicht nachzuweisen, so lange die Polizeidienststellen ihre Fälle isoliert bearbeiten und keine Kapazitäten da sind, um Hintergründe und Strukturen aufzudecken." Es sei "greifbar", dass es unter den Tätern Abreden gab, aber es sei schwierig festzustellen. "Und so können wir nur die jeweiligen Einbrüche aburteilen", konstatierte Sand ernüchtert.
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