Konservativ, nicht rückständig

Willi Neuser. Bild: Hartl

Eine kommunalpolitische Institution wird 80. Sein ganzes Leben brachte sich Willi Neuser ein und gestaltete die Region mit.

Willi Neuser hat das Ganze im Sinn, ohne die Details aus dem Blick zu verlieren. "Als Kommunalpolitiker traf er Entscheidungen mit Hirn, ohne sein Herz auszuschalten", so beschreibt ihn sein Weggefährte Anton Gareis. Er sei konservativ, aber sich nicht rückständig. Der Mann den Pressaths Alt-Bürgermeister so lobt, feiert am Samstag 80. Geburtstag.

"Auf Tradition und Bewährtes setzten und dabei Entwicklungen nicht verpassen." So habe Willi Neuser selbst seine Einstellung beschrieben. Mit dieser Maxime bestimmte der Wollauer über vier Jahrzehnte die Geschicke des Landkreises, der früheren Gemeinde Riggau und ab 1978 der Stadt Pressath entscheidend mit. Seien Ehrentag begeht er, wie er als Politiker auftrat: still und leise.

Hart zu arbeiten hat Neuser am elterlichen Hof in Wollau schon als Kind gelernt. Der Vater war im Zweiten Weltkrieg, die Mutter musste mit den vier Kindern fertig werden. Nach der Volksschule wechselte Neuser an die Landwirtschaftsschule in Kemnath und danach and die Bauernschule in Herrsching am Ammersee. Parallel begann seine Arbeit als Funktionär: Mit 23 Jahren übernahm er im Landkreis Eschenbach den Vorsitz der Katholischen Landjugend. Das Amt hatte er bis 1966 inne. Von 1968 bis 1972 war er Kreisvorsitzender des Verbands landwirtschaftlicher Fachschulabsolventen. Nach der Gebietsreform 1972 übernahm er den Posten auch im neuen Landkreis Neustadt/WN. Bis 1977 war er zudem Bezirksvorsitzender dieses Verbandes.

Die Kommunalpolitik lernte er in der Familie kennen. Vater Johann war seit 1950 Bürgermeister der Gemeinde Riggau. Anfang der 1960er Jahre trat auch der Sohn der CSU bei. 1970 zog er in den Riggauer Gemeinderat ein. Es muss damals schon eine Respektsperson gewesen sein, sonst hätte ihn das Gremium nicht auf Anhieb zum zweiten Bürgermeister gemacht. Dieses Amt übte er bis zur Auflösung der Gemeinde 1978 aus.

Mit einem starken Ergebnis zog er 1978 erstmals in den Stadtrat ein. Dort vertrat er bis zum Jahr 2014 die Interessen der Mitbürger. Dem Kreistag von Neustadt gehörte Neuser von 1972 bis 2014, also 42 Jahre, an. Den Landräten Toni Binner und Simon Wittmann galt Neuser als loyaler Stellvertreter. "Ich habe versucht zu helfen. Das Gespräch mit den Menschen war mir wichtig", sagt er, wenn er zurückblickt.

Von 1987 bis 2002 war Neuser Kreisobmann des Bauernverbands (BBV), von 1992 bis 2002 war zudem BBV-Vizepräsident der Oberpfalz. 15 Jahre leitete er den Landesverband bayerischer Schweinezüchter und danach die Erzeugergemeinschaft für Zuchtschweine in Bayern. Er organisierte die Fusion von sieben Schweinezuchtverbänden, um den Züchtern mehr Gehör zu verschaffen. Viele Jahre war er Vorsitzender der Vertreterversammlung des landwirtschaftlichen Sozialversicherungsträgers. Besonders als Mitglied des Widerspruchsausschusses war er viel unterwegs. Heute engagiert er sich für die Kinderkrebshilfe Oberpfalz Nord.

Zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen hat der Wollauer erhalten. Höhepunkt war das Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse im Jahr 2004. 1966 trat Willi Neuser mit Cilla Bocka vor den Altar. Aus der Ehe gingen zwei Töchter und ein Sohn hervor. Schwer getroffen hat die Familie der Tod von Ehefrau Cilli vor 13 Jahren. Sohn Konrad hat mittlerweile den Hof übernommen. Auch hier bringt sich de Vater noch täglich ein.
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