Konvoi im Spagat der Emotionen

Hat auch den 24. Konvoi gut bewältigt: Dr. Josef Ziegler.

Im Klinikbett aus der Oberpfalz hält eine junge Mutter glücklich ihr Baby im Arm. Dann Szenenwechsel von Slawutytsch zum Maidan in Kiew: Gedenkbilder von Gefallenen - getötet im Konflikt in der Ostukraine.

Pfreimd. (cv) In einem Spagat der Emotionen steuerte der mittlerweile 24. Hilfskonvoi der Pfreimder "Aktion Tschernobyl" vier Partnerkrankenhäuser in der West-Ukraine an. Dr. Josef Ziegler, Motor der Initiative, ist nach einwöchigen Strapazen die Erleichterung anzusehen: "Die 22-köpfige Crew ist wohlbehalten zurück". Dr. Ziegler hatte "nichts anderes erwartet", doch eine gewisse Anspannung angesichts der politischen und militärischen Lage in der Ostukraine konnte nicht ganz ausgeblendet werden. Die schon im Mai geplante Fahrt war im Frühjahr kurzfristig verschoben worden, als die Krise im Osten des Landes eskalierte. Doch bei der Konvoisitzung im Juli entschied der Mediziner: "Wir fahren." Die Ware in den Lagern musste raus und "die Menschen warten auf Hilfe".

Vier Lastwagen machten sich über Polen auf die rund 1000 Kilometer lange Reise. Ziel: die Neurochirurgische Kinderklinik in Kiew, die Provinzkrankenhäuser in Naroditschi, Jagodin und Slawutytsch. Im Gepäck: Krankenhauseinrichtungen, OP-Mobiliar, Zahnarztstühle, Belastungs-EKG, Inkubatoren, medizinische Kompressoren, chirurgisches Instrumentarium, Betten und die dazugehörige Wäsche, Berufskleidung, Spritzen, Kanülen, Verbände. Wert: rund eine halbe Million Euro.

Zur Geduldsprobe wurden die Zollformalitäten, sind die politischen Umbrüche in der Regierung auch mit neuen Vorschriften und neuen Gesichtern verbunden. Doch für die Pfreimder Routiniers nichts Neues. Knifflig war der Zeitplan: Zwischen 7 und 19 Uhr ist Lkw-Verbot in Kiew. Die Abladezeiten in den Zolldepots der einzelnen Ortschaften mussten deshalb exakt eingetaktet sein. Wenn die Ware freigegeben und in den Krankenhäusern ist, fliegt Dr. Ziegler im November in die Ukraine, um sicher zu gehen, dass alles vor Ort und entsprechend im Einsatz ist.

Investitionen gestoppt

Der Mediziner hat gute Mechaniker unter den Fahrern, die in den Krankenhäusern so manche Reparatur bewerkstelligten. Bei den Besuchen wurde wenig über die politische Lage gesprochen, doch die Folgen der kriegerischen Auseinandersetzungen sind überall spürbar: Tränen in Jagodin über zwei gefallene Ärzte. Die Wehrpflicht ist wieder eingeführt. Das Krankenhauspersonal muss unbezahlten Urlaub nehmen, alle Investitionen sind gestoppt. "Fliesen sind da, aber es fehlt der Kleber", verdeutlicht Dr. Ziegler die Misere. Naroditschi war vom Staat die Renovierung zugesagt. Sie liegt derzeit auf Eis. "Das Personal sammelt Geld", erzählt der Arzt. Es gibt kein Gas. "Unser Duschwasser wurde in Slawotytsch im Boiler warm gemacht". Und ab 1. Oktober wird auch stundenweise der Strom abgestellt.

Nicht im Stich lassen

"Wir können unsere Partner in dieser Situation nicht im Stich lassen", fasst Dr. Ziegler zusammen. Das Spenden sammeln, die medizinischen Lieferungen werden weitergehen. Doch in welcher Form das geschieht, ist davon abhängig, "wie es mit der Ukraine weitergeht". (Hintergrund)
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