Kooperation macht Schule

Auch in der Werkstatt der Metaller in der Berufsschule des St. Michaelswerks können die Schüler der Mittelschule schnuppern. Bild: hfz

Die Mittel- und die Berufsschule Grafenwöhr machen gemeinsame Sache: Die beiden Einrichtungen geben in ihrem partnerschaftlichen Schulprojekt Jugendlichen mit Defiziten eine Chance fürs Berufsleben. Die Zusammenarbeit hat laut den Verantwortlichen eine Vorreiterrolle.

Grafenwöhr. (esc) Als "sehr wertvolle Ergänzung" sieht Lehrerin Iris Eckert das Projekt, in das sie mit ihrer 8. Klasse der Mittelschule Grafenwöhr in diesem Schuljahr gestartet ist. Seit September läuft mit der Berufsschule des St.-Michaelswerks ein partnerschaftliches Schulprojekt. Peter Fleischmann, Schulleiter der Berufsschule Grafenwöhr, spricht gar von einer "Vorreiterrolle in der Nordoberpfalz": Schüler der Mittelschule besuchen die Berufsschule - um zu sehen, welche Ausbildung für sie in Frage käme. Auf Unterstützung hoffend stellten Thomas Schmidt, Konrektor der Mittelschule, Eckert und Fleischmann das Projekt im Stadtrat vor. Der zeigte sich durchaus begeistert und sicherte Unterstützung zu.

Im Lehrplan stünden "verschiedene Betriebserkundungen, Praktika sowie Projekte mit externen Partnern - und als Extra eben die Partnerschaft mit der Berufsschule, wie Lehrerin Iris Eckert erklärt. 2013 hätten 22 Prozent der ausbildungswilligen Jugendlichen ihre Lehre abgebrochen. "Mit solchen Projekten wollen wir dem vorbeugen", betont Eckert. "Intensive Berufsorientierung ist wichtig."

Das Konzept des Michaelswerks als mittlerweile anerkannte Berufsschule habe die Verantwortlichen der Mittelschule überzeugt. "Alle Meister sind Lehrer - und umgekehrt." Der Unterschied zum Betriebspraktikum: "Es gelingt hier nicht immer, den Schüler praktisch einzubinden", sagt Eckert. Anders sei es in der Kooperation: "Die Jugendlichen können selbst etwas tun und nehmen auch etwas mit nach Hause."

Während dieser Zeit lernten die Schüler eine breite Palette an Berufen kennen. Und noch einen Vorteil sehen die Lehrkräfte: "Nicht nur die Schüler aus Grafenwöhr profitieren, sondern alle aus dem Städtedreieck", sagt Konrektor Schmidt.

Dass das Michaelswerk als Kooperationspartner noch immer einen schlechten Ruf hat, weiß Schulleiter Fleischmann: "Das Wort 'Micherler' hängt uns noch immer hinterher." Auch wenn diese im Laufe der Zeit weniger geworden seien. Das Bild der Berufsschule habe sich geändert: Waren es früher 20 Prozent der Schüler, die einen Lehrplatz hatten, und 80 Prozent ohne, sei dies nun der umgekehrte Fall. Parallel habe sich die Haupt- zur Mittelschule entwickelt. "Die Schnittmenge der Schulen wird immer größer", resümierte Fleischmann.

Auch der Schulleiter der Berufsschule sieht den Mehrwert der Kooperation auch für die Region: "Deswegen auch die Bitte an die Politiker, das im Umkreis zu erzählen", appellierte Fleischmann an die Stadträte. Das Projekt sei eine "Alternative zu oft weiten Schulwegen". "Wir sind für die Jugendlichen da, die Schwierigkeiten haben", betonte Fleischmann weiter. Ziel sei es, die Schüler zu einem erfolgreichen Abschluss zu führen. "Wenn alles gut läuft, wollen wir versuchen, es in die Breite zu tragen, auch in anderen Orten und Städten."

Als "schöne Sache gerade fürs Handwerk" bezeichnete Bürgermeister Edgar Knobloch die Kooperation der Mittel- und der Berufsschule. Auch um das Image des Michaelswerks zu verbessern. Über die Fraktionen hinweg war sich der Stadtrat einig, das Projekt zu unterstützen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Mittelschule (11033)November 2015 (9610)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.