Kräftige Bäume als "Schirm"

Lehrstunden in Sachen Waldbewirtschaftung gaben Forstamtsrat Martin Gottsche (vorne, links) und Forstwirtschaftsmeister Reinhard Wiesent (vorne, rechts) zahlreichen Privatwaldbesitzern aus dem westlichen Landkreis Neustadt/WN. An acht Stationen informierten sie über erforderliche Maßnahmen und sprachen Probleme an. Bild: rn

Eine Generation pflanzt, die zweite pflegt und die dritte erntet. Unter diesem Leitgedanken stand ein waldbaulicher Spaziergang mit zahlreichen Teilnehmern in der Witzlhofer Flur.

Eingeladen dazu hatten das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie die Forstbetriebsgemeinschaft (FBG). Forstamtsrat Martin Gottsche und Forstwirtschaftsmeister Reinhard Wiesent stellten sich dabei den Waldbauern aus dem westlichen Landkreis Neustadt/WN als Ansprechpartner und Berater in allen Bereichen der Waldbewirtschaftung vor.

An acht Stationen mit verschiedenen Ist-Situationen, ausschließlich im Privatwald, weihten sie die Teilnehmer in die Geheimnisse des Waldanbaus und der Waldpflege ein. Eine ihrer Faustregeln lautete dabei: "Am richtigen Standort den richtigen Baum. Nicht jeder Standort ist für jeden Baum geeignet."

Ein weiterer Tipp galt der Pflanzung. Da es zur Zeit noch Mittel aus einer "sehr günstigen Förderung" gebe, empfahl Martin Gottsche, jetzt einzusteigen. Um eine Förderung zu erhalten, müsse die Pflanzmaßnahme jedoch vorher mit ihm oder dem zuständigen Förster abgesprochen werden.

Den ersten Halt legten die beiden Exkursionsleiter an einer Feuchtfläche mit sieben Jahre alter Erlenkultur ein. Hier standen einst Kiefern mit extremer Flachwurzelung. Sie waren für den Orkan "Kyrill" ein leichtes Opfer. Der jetzige Bewuchs diene der Durchwurzelung des Bodens und der Stabilisierung, erläuterten Gottsche und Wiesent. Die Erle erfahre eine breite Verwendung in der Holz- und Hackschnitzelindustrie, merkten sie an.

Rasch nachpflanzen

Um einen guten Zuwachs zu erreichen, müssen Birken freigestellt werden. Wiesent warnte davor, bei Schwierigkeiten mit dem Nachpflanzen zu warten. Es gelte, Gras- und Strauchbewuchs zuvorzukommen.

An anderer Stelle erwartete die Teilnehmer eine total mit Himbeeren bewachsene Fläche, was der darauf stehenden dreijährigen Eichen- und Buchenkultur das Leben schwer macht. Hier sei nur durch regelmäßiges Ausgrasen und Pflegen Abhilfe möglich, erfuhr die Runde. Gleich nebenan waren krumme Bäume Zeugen einer vernachlässigten Pflege.

In einer Neuanpflanzung standen noch einige kräftige Bäume. Die Forstleute bezeichneten sie als einen "Schirm", der Schutz vor Sonneneinstrahlung biete und für ein gutes Innenklima sorge. Ein lange Zeit nicht mehr gepflegter Bestand diente als Beispiel für einen "vorsichtigen Eingriff". Die entnommenen Bäume lagerten je nach Stärke in unterschiedlichen Poltern; Abnehmer in Sachsen, Böhmen und Niederbayern stünden bereit. Um maximalen Ertrag zu erreichen, sei ein breites Spektrum an Interessenten wichtig.

Ambitioniertes Ziel

Naturverjüngung favorisierte Gottsche als günstigste Zukunftsperspektive. Wenn die Bäume in einem lichten Bestand nachwachsen, brechen sie bei Fällmaßnahmen bei einer Höhe von bis zu einem Meter nicht ab, informierte er. Sein ambitioniertes Ziel ist es, auf einer Versuchsfläche durch intensive Bejagung einen jungen Buchenbestand ohne Schutzzaun aufwachsen zu lassen.

"Man muss dran bleiben": Diese Empfehlung gab Wiesent anhand einer etwa 25-jährigen "Wiebke"-Nachfolgekultur aus Eichen und Linden. Sie ist bereits zweimal gepflegt worden. Bei Laubholz hielt er eine wesentlich bessere und intensivere Pflege als bei Nadelholz für erforderlich. Um ein Absterben und Abfallen von Seitenästen zu fördern, gelte es, die Bestände dicht zu halten, ihnen aber trotzdem Luft zu geben.

An der Endstation überraschte die Forstbetriebsgemeinschaft die Teilnehmer mit Glühwein und Plätzchen. Außerdem gab's weitere Erkenntnisse: Dass die Tanne nach der Zeit des sauren Regens als wertvolle Baumart eine Renaissance erlebt und dass jede Anpflanzung in Reinform Probleme nach sich zieht.
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